Jetzt erst einmal erholen

von Redaktion

Schulbusunternehmen atmen vorsichtig auf – Angst vor viertem Lockdown

Stephanskirchen/Rott/Riedering – Keine Schule, keine Schulbusse. Und wenn wieder Schule ist, dann fahren die Schulbusse wie immer. Stimmt. Und tut es doch nicht ganz.

Denn zum einen fahren nicht alle Schulbusse zu Regelschulen. Florian Fischer aus Stephanskirchen und Alfred Pohl aus Rott haben Busunternehmen mit vielen Kleinbussen. Sie fahren im ganzen Landkreis und darüber hinaus vor allem Kinder und Jugendliche zu Förderzentren oder anderen beschützten Ausbildungsstätten. Sie werden vor der Haustür abgeholt. Die Routenplanung ist aufwendig und wurde seit Frühjahr 2020 immer wieder von Corona über den Haufen geworfen.

In dieser Hinsicht hatte es Gerhard Reiter aus Aschau, zuständig für den Schulbusbetrieb in Stephanskirchen und Riedering, etwas leichter: Ist Schule, dann fährt er zu den normalen Zeiten auf den normalen Strecken. Nur die Fahrten zum Sport und zum Schwimmen, die fielen coronabedingt phasenweise aus.

Die Fixkosten sind gerade so gedeckt

Eines eint alle Busunternehmer: Sie haben seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 massive Einbußen bei den Einnahmen. „Uns fehlen, trotz Ausfallzahlungen, rund 120000 Euro“, sagt Fischer. Pohl, der seine Firma erst im Februar 2020 übernahm und „von heute auf morgen voll erwischt“ wurde, hat diesen Vergleich nicht. Mit Zuschüssen, sagt er, kann er gerade so seine Fixkosten decken. Reiter geht es genauso. „Und wären die Gemeinden Stephanskirchen und Riedering nicht so großzügig gewesen und hätten uns auch unterstützt, hätten wir wohl die schwarze Null nicht ganz erreicht.“ Alle drei Unternehmer haben alles versucht, ihre Fahrer zu halten. Reiter ist mit großen Bussen unterwegs, seine Fahrer haben alle die Berechtigung, Personen zu fahren. „Resturlaub und Überstunden abbauen, wenn es sein musste Kurzarbeit beantragen – irgendwie haben wir die Fahrer gehalten.“

Fischer und Pohl sind mit Kleinbussen unterwegs, viele ihrer Fahrer sind Rentner. „Die hatten dann eben keine Einsätze“, sagt Fischer. Er hat, wie Pohl, dennoch einige Fahrer im Rentenalter verloren. Diejenigen, die nicht aus Spaß an der Freud arbeiten, sondern die ihre Rente aufstocken müssen. „Die haben sich etwas anderes gesucht“, bestätigt Pohl.

Wechselunterricht machte Reiter organisatorisch nicht viel aus. Den beiden anderen schon. Denn die mussten Routen umplanen, je nachdem wer wohin gefahren werden musste. Viel Zeit blieb dazu meist nicht. Denn bis klar war, dass Wechselunterricht stattfindet und wer wann zu welchem Förderzentrum, zu welcher Förderstätte gefahren werden soll, „da waren dann manchmal von heute auf morgen 40 Touren umzuplanen“, so Pohl.

Wert auf
mehr Abstand

Sie haben es vorerst geschafft. Seit einer guten Woche ist nun wieder „normaler“ Betrieb an den Schulen, die Schülerbeförderung läuft weitgehend im gewohnten Rahmen, „die eine oder andere Einrichtung legt noch Wert auf mehr Abstand im Bus, da fahren wir mit zwei Bussen“, so Pohl.

Spuren hinterlassen hat die Situation dennoch. Reiter und Fischer sind seit Jahren im Geschäft, konnten Rücklagen bilden und zehrten davon.

Pohl hatte bei der Geschäftsübernahme einen entsprechenden Kreditrahmen ausgehandelt und auch ausgeschöpft. Sie formulieren es jeweils ein wenig anders, sind sich aber einig, mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Und sich jetzt erstmal finanziell erholen zu müssen.

Zufrieden sind sie nicht. Pohl will kein Lob mehr auf den Mittelstand hören, der die Karre aus dem Dreck ziehe – „und das von Leuten, die uns in der Not mit keinem Cent unterstützen.“ Fischer ging gleich selber in die Politik, zählt zum oberbayerischen Gründungsvorstand der „Wir2020“, einer der neuen basisdemokratischen Parteien.

Und wenn den Politikern zur vierten Welle aus Indien, Taiwan oder Japan im Herbst nichts anderes einfällt als ein vierter Lockdown? „Dann wird‘s richtig eng“, sagt Reiter. Da seien sie sich im Kollegenkreis einig, weiß er aus mehreren Gesprächen. Fischer kann nicht abschätzen, ob seine Tochter den Familienbetrieb dann auch noch weiterführen kann. Pohl sagt ganz deutlich: „Ich weiß nicht, ob und wie wir das überleben.“

Überleben des Betriebs noch unklar

Bisweilen blieben Schüler gelegentlich an Bushaltestellen stehen, weil der Bus zu voll war. Kommt unter den jetzigen Vorzeichen ein vierter Lockdown, fürchten die Busunternehmer, könnten danach Schüler an der Bushaltestelle stehen bleiben, weil der Schulbus nicht mehr kommt.

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