„Nicht warten, bis etwas passiert“

von Redaktion

Förderkreis „Lebenswertes Kirchdorf“ will Tempolimit an T-Kreuzung erwirken

Raubling/Kirchdorf – Lkw, Busse und Autos brettern im Minutentakt über die Kreuzung der Kufsteiner Straße (RO25) und der Neubeurer Straße (RO7) im Ortsteil Kirchdorf. Michael Wanger wohnt unweit dieses „Brennpunktes“ entfernt. Direkt an der Kreuzung der beiden Kreisstraßen liegen auch die Michael-Ende-Schule und der Kindergarten „Sonnenblume“. Für den Familienvater liegt das potenzielle Risiko klar auf der Hand. Irgendwann, denkt er, kommt es noch zu einem Unfall. Die Querung der T-Kreuzung sei gefährlich. Für Kinder, aber auch für Erwachsene. Deshalb plädiert er für eine Tempo-30-Regelung an diesem Bereich. Bis dato gelte dort eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h.

Breite Ausdehnung verleitet zum Rasen

Um sich bei der zuständigen Behörde, dem Landratsamt Rosenheim, Gehör zu verschaffen, hat Wanger zusammen mit seinem Schwiegervater Helmut Paulik nun einen Förderkreis gebildet, der sich „Lebenswertes Kirchdorf“ nennt. „Kirchdorf war einmal ein nettes Dorf mit vielen gepflegten Gärten und schönen Häusern“, schildert Wanger in einem Brief an den Bürgermeister. Drumherum gab es Gaststätten, eine Metzgerei und ein paar Geschäfte. Aber geblieben sei nun eine „lieblose Durchfahrtsstraße“, die durch ihre breite Ausdehnung „zum Durchrasen“ verleite.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Michael Wanger mit diesem Thema an die Gemeinde und das Landratsamt Rosenheim wendet. Auch 2017 ging er auf die Behörden zu – mit der Bitte, eine streckenbezogene Geschwindigkeitsbeschränkung einzuführen. Gebracht hat das nichts. Damals argumentierte das Landratsamt, der Haupteingang der Schule und des Kindergartens liege nicht unmittelbar an der Kreisstraße, sondern abgesetzt zum Parkplatz hin, erzählt Wanger. Zudem gebe es für die Querung der Kreisstraße zwei Bedarfsampeln. Für den 44-Jährigen sei diese Begründung aber nicht ausreichend. Es handle sich immerhin um Kinder. Ihnen fehle die Verkehrserfahrung. In seinen Augen beginnt die Gefahr schon in weitem Umkreis von Schule und Kindergarten. Zudem sei die Ampel an der Neubeurer Straße weit von der Kreuzung entfernt. Abbiegende Autofahrer würden diese zu spät bemerken.

Und mit seinen Ansichten ist Wanger nicht allein: Auch Bürgermeister Olaf Kalsperger (CSU) sieht in der T-Kreuzung einen Gefahrenpunkt: „Das ist schon nicht ungefährlich dort.“ Durch die abknickende Situation würden Lkw- und Autofahrer „sehr weit“ ausholen und den Randstein schneiden. „Der Platz ist dort zu wenig.“ Auch im Gemeinderat war diese Angelegenheit vor einigen Jahren Thema. Die Grünen wollten damals eine Temporeduzierung erwirken – ebenfalls vergeblich. Kalsperger wünscht sich aber eine Verbesserung an dieser Stelle. Er sei schon im Gespräch mit einem Straßenplaner. Es gebe die Möglichkeit, den Gehweg in der Kufsteiner Straße, der in die Neubeurer Straße einmündet, zu verbreitern. Denn auch die zu schmalen Fußgängerwege seien für Schul- und Kindergartenkinder ein Risiko.

So sieht das auch der Elternbeirat des Kindergartens „Sonnenblume“. Dieser unterstützt die Forderung des Förderkreises „Lebenswertes Kirchdorf“. Auch der Elternbeirat der Michael-Ende-Schule Raubling stärkt der Interessengemeinschaft den Rücken. Sogar Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig habe sich bei Wanger gemeldet. In einer Mail habe sie ihn wissen lassen, dass sie das Landratsamt wegen dieser Sache kontaktiert habe.

Vor einigen Tagen fand zusammen mit dem Landratsamt ein Ortstermin statt. Laut Wanger fragte die Behörde, wie viele Unfälle an dieser T-Kreuzung schon passiert seien – wissend, dass sich bislang noch kein einziger ereignet habe. „Zum Glück“, wie Wanger findet.

Verkehrszählung soll durchgeführt werden

Ina Krug, Sprecherin des Landratsamtes, teilte auf Nachfrage mit, dass ein angebrachtes Schild „Vorsicht Schule“ die Autofahrer darauf hinweisen soll, achtsam zu sein. Um die Sichtbarkeit des Schildes und auch der Ampeln zu verbessern, wurde im ersten Schritt angeordnet, die Hecken in diesem Bereich zurückzuschneiden. In einem zweiten Schritt soll die Gemeinde eine Verkehrszählung vornehmen. Kalsperger berichtete, dass dieses Gerät bereits bestellt wurde.

Wanger hofft, dass sich an dieser Stelle bald etwas tut. „Man sollte nicht warten, bis etwas passiert.“

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