Oberaudorf – Ein riesiges Puppenhaus mit mehreren Stockwerken. Das war es, was Sabine Berkmann (52) als kleines Mädchen immer wollte. „Ich hatte zwar eins. Aber ich war immer neidisch auf eine Freundin. Die hatte ein viel schöneres Haus als ich.“ Jetzt, einige Jahrzehnte später, hat sich die Wahl-Oberaudorferin diesen Traum gleich zehnfach erfüllt: Seit rund einem Jahr stehen zehn Puppenhäuser in ihrem Keller.
Anderen Menschen Freude schenken
Aber dort sollen sie nicht „nutzlos rumstehen“, findet die 52-Jährige. Sie möchte mit ihren restaurierten Häusern anderen Menschen eine Freude machen oder mit einem guten Zweck verbinden. Deshalb würde sie ihre Puppenhäuser an Altenheime, Kindergärten oder sonstige Interessierte verleihen. Auch Ausstellungen wären denkbar. Bislang habe aber noch niemand angebissen.
Vor rund einem Jahr hatte Sabine Berkmann nur ein einziges Puppenhaus: das ihrer mittlerweile erwachsenen Tochter. Zu deren Hochzeit wollte die gelernte Sozialpädagogin das alte Puppenhaus wieder herrichten – und dabei wurde eine längst vergessene Passion wieder entfacht.
Zeitgleich habe sie auf Ebay Kleinanzeigen ein anderes Puppenhaus entdeckt, in das sie sich auf der Stelle verliebt hätte. Und so lernte sie eine Hobbykünstlerin kennen, die mit Begeisterung alte Puppenhäuser restauriert.
Seither teilen die beiden Frauen diese Leidenschaft. Sabine Berkmann schleift die alten Häuser ab, entfernt die Tapeten und reicht sie dann weiter an ihre Freundin.
Die kümmere sich dann um die Wohnausstattung und die Kleidungsstücke der Püppchen.
Die 52-Jährige sei mittlerweile Expertin darin geworden, alte Häuser ausfindig zu machen – und dafür nimmt sie weite Wege auf sich. In ihrem Urlaub sei sie mit ihrem Freund quer durch Deutschland gereist und habe alte Puppenhäuser aus den 50er- oder 60er-Jahren gekauft. „Ich war in Halle, in Ingolstadt, in Chemnitz, Plauen und Bautzen“, erzählt sie. All die Häuser habe sie im Internet entdeckt und verhalf ihnen zusammen mit ihrer Künstlerfreundin zu neuem Glanz. Mittlerweile habe sie zehn Häuser restauriert. „Und jetzt kann ich mich nicht mehr von den Häusern trennen. Sie erinnern mich an meine Kindheit. Sie vermitteln für mich eine heile Welt.“
Aber die 52-Jährige ist auch realistisch. Für weitere Häuser fehlt ihr schlicht der Platz. „Und jetzt ist auch Schluss“, macht sie deutlich. Keine weiteren Häuser mehr. Sie wollte eigentlich nur ein, zwei Stuben für ihre künftigen Enkelkinder bewahren. „Aber ich werde nie zehn Enkel haben“, denkt sie. Deshalb möchte die gebürtige Münchnerin ihre Häuser nun verleihen oder irgendwo ausstellen. „Ganz trennen kann ich mich nicht. Aber zum Rumstehen im Keller sind sie zu schade.“
In Oberaudorf gibt es keine Räumlichkeiten
Allerdings weiß Sabine Berkmann nun nicht, wohin mit ihren zehn Häusern: Die Gemeinde Oberaudorf konnte ihr nicht wirklich weiterhelfen, sagt sie. Einen direkten Ausstellungsraum gebe es nicht. Auch eine Nachfrage beim Altenheim blieb bisher unbeantwortet.
„Das sind schöne Puppenhäuser, aber wir haben im Moment schlichtweg keine Räumlichkeiten, in denen wir sie ausstellen könnten“, erklärt Matthias Bernhardt, Bürgermeister von Oberaudorf, auf Nachfrage. Der Kursaal und der Ratskeller seien „extrem ausgebucht“ und das „Haus des Gastes“ könne man nicht absperren.