Steht die Pandemie in den Sternen?

von Redaktion

Claudia Winkler aus Bad Endorf ist Astrologin und will die Corona-Pandemie mithilfe der Sterne erklären. Denn am Himmel, sagt sie, werde diese klar widergespiegelt. Professor Dr. Elmar Junker von der Rosenheimer Sternwarte ist anderer Meinung.

Bad Endorf – Eigentlich ist Claudia Winkler (61) von Beruf Informatikerin. Und eigentlich ist sie auch ein Mensch, der abwägend und sachlich ist. So sagt sie es selbst. Eben jemand, der sich ganz auf sein wissenschaftlich-technisches Verständnis verlässt.

Doch seit ein paar Jahren ist das anders. Jetzt ist das Bewusstsein eines Menschen ganz besonders wichtig für sie. „Ich habe festgestellt, dass alles um uns herum Bewusstsein ist“, sagt sie. Die Menschen sollten damit in Dialog treten, um Ereignisse besser zu verstehen.

Bilder sind Fantasiegebilde

Claudia Winkler beschäftigt sich nach eigenen Angaben deshalb vor allem mit Astrologie und Astronomie. Die Bad Endorferin will mithilfe von „authentischer Astrologie“, also auf Basis von angeblich realen astronomischen Daten, die Corona-Krise erklären.

In der Astronomie sprechen Wissenschaftler von Sternbildern, die in Form von realen Sternkonstellationen am Himmel zu sehen sind. Laut Professor Dr. Elmar Junker, Leiter der Rosenheimer Sternwarte an der Technischen Hochschule, sind Sternbilder Fantasiegebilde. Menschen entwickelten diese, weil sie sich nach Ordnung in dem Chaos am Himmel sehnten. In anderen Kulturen auf der Welt, zum Beispiel in China oder Südamerika, gab es unterschiedliche Sternbilder. Bis heute hat die Internationale Astronomische Union 88 Sternbilder mit genauen Grenzen festgelegt. Astrologen sprechen hingegen von Sternzeichen. Diesen, sowie Planeten, ordnen sie bestimmte Eigenschaften zu: die ausgleichende Waage, der kämpferische Löwe, der aggressive Widder. Claudia Winkler schaut, in welchen Sternbildern, wie zum Beispiel im Steinbock, die Planeten am Himmel stehen. Sie interpretiert die Konstellationen auf ihre Weise. Was sie im vergangenen Jahr entdeckt habe, habe sie „erschüttert“ und „überwältigt“. „Ich habe nicht mit solch einer Deckungsgleichheit von planetaren Konstellationen und dem Weltgeschehen gerechnet“, sagt sie.

Ein Beispiel: die Lage des Pluto. Dass dieser offiziell kein Planet mehr ist, sondern ein Zwergplanet, spielt offenbar keine Rolle. Der Pluto ist laut Claudia Winkler der „große Zerstörer und Erneuerer“. Anfang März 2020, als die Pandemie auch in Deutschland begann, sei er in das Sternzeichen des Steinbocks gewandert. Dieser gilt als „grundsolide“. Das letzte Mal, als sich der Pluto laut Winkler im Steinbock befand, war laut Astrologin Claudia Winkler gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Damals begann die Französische Revolution und die amerikanischen Kolonien wurden zu den Vereinigten Staaten von Amerika. „Eine sehr bewegte Epoche also“, sagt sie. Laut Junker passen jedoch die Methoden der „authentischen Astrologie“ nicht zum aktuellen Himmel und den realen Himmelsdaten. 13 der 88 Sternbilder sind „Tierkreissternbilder“. Sie sind verschieden groß. Durch sie wandern im Laufe des Jahres Sonne, Mond und Planeten. Historisch habe man nur von zwölf Tierkreissternbildern gesprochen und diese als Tierkreiszeichen in der Astrologie verwendet, sagt Junker. Der „Schlangenträger“ wird also außer Acht gelassen. Die „authentische Astrologie“ berücksichtigt laut dem Astronomen außerdem nicht die verschiedenen Größen der Sternbilder und deshalb sind auch die Positionen der Planeten, die die Astrologin verwendet, nicht akkurat.

Zusammenhang
nicht nachgewiesen

Dass es einen Zusammenhang zwischen Planeten-Sternzeichen-Konstellationen sowie Ereignissen in der Welt gibt, ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. „Diese Interpretationen sind meines Erachtens willkürlich“, sagt Astronom Junker. Auf der Welt passierten gleichzeitig viele Ereignisse, erfreuliche wie unerfreuliche. „Man findet täglich etwas, das zu einem ‚Horoskop‘ passen könnte.“ Astronomie sei Naturwissenschaft, Astrologie bezeichnet er als Glauben.

Astrologie hingegen biete im besten Fall lediglich „Lebenshilfe“ für diejenigen, die in einer immer komplexeren Welt nach Antworten suchten. Für Claudia Winkler ist Astrologie eine Chance, Geschehnisse in der Welt besser zu verstehen und offener für die Zukunft zu sein, vor allem für zukünftige Krisen.

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