Eiselfing/Amerang/Schonstett – Ist die Zukunft der Mittelschule Eiselfing gefährdet? Es gibt Eltern, die dies befürchten. Denn es steht eine Millionensanierung an, die die Mitgliedsgemeinden im Schulverband – Eiselfing, Amerang und Schonstett – gemeinsam schultern müssen. Schert Amerang aus?
Um ihren Sorgen Ausdruck zu verleihen, haben Eltern zu einem stillen Protest aufgerufen – in Amerang vor dem Rathaus. Dort tagte der Gemeinderat nichtöffentlich zur Thematik. Bürgermeister Konrad Linner teilte auf Anfrage mit, sich dem Protest zu stellen und das Gespräch mit den Eltern zu suchen.
Nur geringe
Förderung
Alles ist noch offen, zeigte sich auch im Gemeinderat Eiselfing. Bürgermeister Georg Reinthaler (Grüne) verkündete in öffentlicher Sitzung am Dienstagabend, dass die Kostenschätzung eines Fachbüros für die Teilsanierung der Mittelschule, bei der mehrere Gebäudekomplexe aus den 60er-Jahren stammen, mittlerweile vorliegt. Die Experten gehen von 8,5 Millionen Euro aus, so Reinthaler auf Nachfrage der Wasserburger Zeitung. Die Förderung wird nach Angaben von Reinthaler laut Regierung von Oberbayern sehr gering ausfallen – sie liege leider nur bei etwa zehn Prozent. Die Mitgliedsgemeinden Eiselfing, Amerang und Schonstett müssten also eine Millionensanierung gemeinsam stemmen.
Dem Mittelschulverband, dessen Vorsitzender Reinthaler ist, gehört eigentlich auch Griesstätt an. Die Aufteilung der Anteilskosten für den Bereich der Mittelschule im Falle einer Sanierung würde über einen Schlüssel errechnet, der die aktuelle Zahl der Schüler aus den jeweiligen Gemeinden berücksichtigt. Die Gemeinde Griesstätt schickt ihre Mittelschüler zur Zeit allerdings nach Rott.
Könnte diesem Beispiel eine weitere Kommune folgen? „Das Ganze wird zunehmend emotionaler, zumindest bei einer der Mitgliedsgemeinden“, deutete der Eiselfinger Bürgermeister im Gemeinderat an. Amerangs Bürgermeister Konrad Linner weist dies zurück. Nicht emotional gehe seine Gemeinde mit der Thematik um, sondern ganz im Gegenteil: sachlich und ohne Denkverbote. „Wir setzen uns mit der Materie umfassend auseinander und prüfen selbstverständlich auch alle Alternativen“, sagt Linner. Will heißen: Amerang untersucht auch, ob die Mittelschule Wasserburg eine Option für die Kinder aus dem Dorf sein könnte. Amerang hat sich die Bildungseinrichtung beim Nachbarn Wasserburg angeschaut und sich das pädagogische Konzept erklären lassen. In Amerang werde die Thematik nicht nach dem Grundsatz „wir machen mit, koste es, was es wolle“, behandelt, sagt der Bürgermeister. Er ärgert sich über „Halbwahrheiten“, die im Rahmen der Debatten zur Haltung von Amerang verbreitet würden. Und weist den Vorwurf zurück, die Kinder der Gemeinde seien es Amerang nicht wert, die Sanierung mitzufinanzieren. „Es ist doch nicht so, dass die Mittelschule Wasserburg eine minderwertige Schule ist, in die wir unsere Kinder abschieben. Im Gegenteil: Die Mittelschule Wasserburg hat einen hervorragenden Ruf.“ Auch finanziell dürfe eine Kommune wie Amerang nicht die Augen vor den Folgen einer Sanierung im Schulverband verschließen. Dieser müsse einen hohen Kredit aufnehmen. Die Rechtsaufsicht werde prüfen, ob der Verband Alternativen untersucht habe. Dies tue Amerang, ohne sich festgelegt zu haben. Fest stehe außerdem: Bei einem Neubau gebe es wenigstens eine 50-prozentige Förderung, der Anteil, den Amerang zu zahlen habe, sei in diesem Fall vermutlich geringer als bei einer Sanierung. Eiselfing und Schonstett haben sich dagegen bereits entschlossen. Nach jahrelangen Beratungen über die Sanierungsproblematik sei sich der Gemeinderat einig, dass die Kommune alles Machbare unternehmen werde, den Standort zu erhalten, sagt Bürgermeister Reinthaler. Schonstetts Rathauschef Paul Dirnecker bekräftigt, dass auch der Schonstetter Gemeinderat für den Erhalt der Mittelschule Eiselfing sei.
Doch Dirnecker und Reinthaler akzeptieren die Haltung von Amerang, die Thematik ohne vorherige Festlegung hin zu prüfen. „Wenn wir von Schonstett aus nur die Kosten betrachten würden, müssten wir auch überlegen, ob wir uns das leisten können. Doch wir sind uns sicher, langfristig wäre es ein großer Fehler, die Mittelschule Eiselfing aufzulösen“, sagt Dirnecker, der an das in Eiselfing vorhandene hervorragende pädagogische Konzept und die kleinen Klassen erinnert. Auch das Schulamt habe stets betont, der Standort Eiselfing sei nicht gefährdet. „Warum sollen wir eine solch tolle Schule im Dorf auflösen, da darf es nicht nur ums Geld gehen“, findet der Rathauschef.
Verband ist
in Gefahr
Dirnecker weist jedoch darauf hin, dass die Sanierung ohne Amerang nicht zu stemmen ist. „Steigt Amerang aus, löst sich der Schulverband auf“, ist er überzeugt. So sieht das auch sein Eiselfinger Kollege: „Wir brauchen die drei Mitgliedsgemeinden, um das Vorhaben zu stemmen.“