Amerang – Eine schwierige Saison liegt hinter den Rehkitzrettern der Wildtierhilfe Amerang. Marie-Theres Schurrer, Vorsitzende des Vereins, hat so etwas in der jungen Vereinsgeschichte noch nicht erlebt: „Aufgrund der kühlen und nassen Witterung im April und Mai schob sich die Grasmahd heuer auf wenige, extrem hektische Mähtage zusammen“, erinnert sie und erklärt weiter: „Das Orten der Kitze unter Zeitdruck, oft noch im regennassen, umgefallenen Gras, das die Kitze fast verbarg, stellte die Drohnenpiloten und ihre Spotter vor große Herausforderungen. Doch trotz dieser erschwerten Bedingungen waren alle Kitzretter mit Begeisterung und Elan bei der Sache und freuten sich über jedes einzelne gerettete Rehkitz.
Kitz-Rettung
macht süchtig
Das bestätigen auch die Erfahrungen einiger neuer Helferinnen in dem Kreis, die ihre Namen allerdings nicht in der Zeitung genannt haben möchten. „Das macht richtig süchtig“, kommentierte beispielsweise eine der neuen Aktivistinnen, nachdem sie ihr erstes Kitz, nur wenige Tage alt, geborgen hatte.
Eine andere Helferin berichtete, ihr seien die Tränen gekommen, als sie eins der gesicherten Kitze nach der Mahd wieder freiließ. Es habe sie noch einmal groß angeschaut und sei dann schnell Richtung Wald gelaufen, wo seine Mutter es in Empfang nahm. Allein dafür lohne es sich schon, morgens früh aufzustehen.
Die Vereinsvorsitzende erinnert sich neben den emotionalen Momenten auch an die logistische Herausforderung: „Als an den ersten Schönwettertagen sehr viele Landwirte gleichzeitig ihre erste Mahd anmeldeten, waren die Koordinatoren der beiden Flugteams Amerang und Rosenheim besonders gefordert. Um mit den insgesamt drei Drohnen möglichst viele Wiesen abzufliegen, mussten die Einsätze so effektiv wie möglich geplant werden. Hier halfen auch die Routine und die Erfahrungen aus den zurückliegenden Jahren.“
Einer der neuen Piloten im Team bestätigt: „Ich wurde sehr gründlich auf meine ersten Einsatzflüge vorbereitet und habe mich riesig gefreut, als ich mein erstes Kitz gefunden habe. Bei den Trainingseinheiten haben wir ja immer mit warmen Wasserflaschen geübt, da diese auf dem Wärmebildschirm fast genauso aussehen wie kleine Kitze. Aber so ein echtes Rehkitz ist natürlich schon etwas anderes. Da macht das Fliegen dann gleich noch mehr Spaß.“
Schurrer ist überzeugt: „Um die Kitzrettung flächendeckend auszuweiten, bedarf es der Verbreitung der Drohnensuche. In dieser Saison war erstmals ein deutlicher Anstieg von Freiwilligen und Jägern der Region zu erkennen, die es sich ebenfalls zur Aufgabe gemacht haben, Rehkitze mithilfe von Drohnen zu retten. Es erwacht vermehrtes Interesse seitens Jägern, Jagdvereinigungen und Gemeinden, sich eigene Drohnen zuzulegen.“
Die Verbreitung der Rehkitz-Suchdrohnen sei deshalb eines der größten Anliegen des Vereins. „Wir werden uns jetzt vermehrt darum bemühen, Jäger und andere Freiwillige zu trainieren, beraten und zu begleiten. Es ist nicht für jeden ein leichter Einstieg. Dafür sind wir da.“
Nachdem die Wildtierhilfe Amerang e.V. bereits 2020 einige Reviere bei der Anschaffung und Inbetriebnahme von sogenannten „Revierdrohnen“ erfolgreich unterstützt hat, möchte der Verein zukünftig verstärkt interessierte Jäger, Jagdverbände, Gemeinden und weitere Interessierte beraten und ausbilden.
Anmeldung
für neue Kurse
„Wer für die nächste Saison 2021 startklar sein will, muss noch in diesem Sommer mit der Ausbildung anfangen“, betont Marie-Theres Schurrer, Vorsitzende des Vereins. „Wir freuen uns darauf, unsere Erfahrungen weiterzugeben und hoffen auf zahlreiche Anfragen.“
Bei Interesse bittet der Verein um Kontaktaufnahme unter Telefon 01522/ 1348498 (Amerang) oder 01520/3932763 (Rosenheim) oder per E-Mail an kontakt@wildtierhilfeamerang.org.