Aschau – Geschichte mal nicht aus Büchern lernen: Das Konzept der Themenwanderungen in Aschau kommt gut an. In Zusammenarbeit mit dem von Leader geförderten Projekt „Römerregion Chiemsee“ möchte die Gemeinde Aschau mit dem Format der historischen Themenwanderungen Geschichte dort erlebbar machen, wo sie stattgefunden hat. Die erste dieser Wanderungen, „Gusskuchen und Göttergaben – Bronze made in Aschau“, begann Anfang Juli.
Wie sah das Priental
in der Bronzezeit aus?
„Mal ehrlich, können Sie sich noch daran erinnern, was Ihnen Ihr Geschichtslehrer über die Bronzezeit erzählt hat? Für die meisten Menschen liegt die Wissensvermittlung über diese Erdenzeit gefühlt ebenso lange zurück, wie das Zeitalter selbst und das sind zwischen 3000 und 4000 Jahre“, scherzt Martina Stoib, Historikerin und Entwicklerin der Themenwanderungen. „Ganz anders fühlt es sich dagegen an, als Einheimischer von der Anhöhe beim Café Pauli in Richtung Priental zu schauen und sich vorzustellen, auf welche Szenerie die eigenen Vorfahren vor 3000 Jahren geblickt haben.“
Aus der vorangegangenen Steinzeit betrachtet, hat die Entdeckung der Bronze in etwa so gravierende Veränderungen des wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Zusammenlebens in Europa verursacht, wie die Digitalisierung in unserer Moderne. Viele spektakuläre Funde innerhalb Deutschlands, wie die „Himmelsscheibe von Nebra“ oder riesige Langhaussiedlungen untermauern diese These.
Bronze kommt in der Natur nicht vor, sondern ist eine Legierung aus 90 Prozent Kupfer und 10 Prozent Zinn und damit der erste von Menschen künstlich erzeugte Werkstoff. Große Kupfervorkommen gab es nördlich der Alpen zum Beispiel im österreichischen Bischofshofen oder Schwaz, Zinn wurde in Minen in der Bretagne und Südengland abgebaut.
Zur Zusammenführung dieser Materialien war ein großes Transportnetzwerk erforderlich. Die Herstellung des neuen Metalls nach gut gehüteten Rezepturen setzte eine hohe Qualifikation und besondere Fertigkeiten der Bronzegießer voraus.
Neben vielen anderen Orten in Europa war auch das Priental ein Zentrum der Bronzeherstellung und ein Knotenpunkt im europaweiten Handel mit kunstvollen Bronzegütern.
Diese und noch viele weitere Informationen erfährt der Wanderer entlang der Strecke und kann sich dabei anhand der präsentierten Darstellungen und Objekte vorstellen, wie die damalige Umgebung ausgesehen haben mag. „Gerade wenn man die Wege schon tausendmal gegangen ist, sieht man die Umgebung plötzlich mit ganz anderen Augen“, so Martina Stoib. „Das ist unser Ziel, den Blickwinkel auf die Heimat zu verändern.“
Die Konzeption für die Themenwanderung wurde unterstützt von der Archäologin Dr. Cordula Nagler-Zanier, Autorin eines Buches über die bronzezeitlichen Entdeckungen im Priental, und von Sondengänger Sebastian Aringer, der durch seine Funde in Aschau und Umrathshausen die archäologische Forschung mit vorangetrieben hat.
Bei der Premierenführung Anfang Juli waren etwa 20 Interessierte anwesend. Treffpunkt war der Moorbadeplatz in Aschau. Von dort ging es am Café Pauli vorbei über Höhenberg, unter der A8 hindurch, hinauf nach Umrathshausen, wo Aringer vor Jahren zwei Gräber aus der Bronzezeit entdeckte. An lauschigen Schattenplätzen und besonderen Stellen sammelte sich die Teilnehmergruppe, um die geschichtlichen Ausführungen von Martina Stoib anzuhören, die jeweils von Anekdoten aus dem reichen Erfahrungsschatz von Cordula Nagler-Zanier und Aringer ergänzt wurden.
Rundgang endet im
„Fundmuseum“
Zurück ging es entlang der Bahnlinie zu einem damals wohl sehr mystischen Ort. An sogenannten Götteraugen suchten die Menschen den Kontakt zu ihren Gottheiten und opferten zu deren Besänftigung ihr kostbarstes Gut. Die Wanderung endete schließlich in Höhenberg, wo ein Besuch in Aringers „Fundmuseum“ die Veranstaltung abrundete.