Neubeuern – Corona ist allgegenwärtig. Die Welt spricht seit Monaten über gefühlt nichts anderes. Aber wie erklärt man seinen Kindern die aktuelle Situation? Darüber hat sich Christa Ulmer-Thurn (74) aus Neubeuern Gedanken gemacht und ein Kinderbuch geschrieben. Auf 69 Seiten erklärt sie anhand von Illustrationen die Gefahren und Veränderungen, die mit dem Coronavirus einhergehen. Ihr Ziel ist es, den Kindern Impulse zu geben, selbstständig weiterzudenken – und Mitgefühl zu entwickeln.
Eine literarische Orientierung
Entstanden sei das Buch während der ersten Welle – mit Unterstützung ihrer Enkelkinder Emma und Moritz, die auch die Protagonisten der Geschichte sind. „Ich finde es wichtig, dass man den Kindern ihre Fragen beantwortet“, sagt die 74-Jährige. Und die gelernte Erzieherin, Sozialpädagogin und Familientherapeutin scheut sich nicht vor Antworten. Von Berufs wegen habe sie oft schwierige Lebenssituationen erklären müssen. Und genau das, versucht sie auch in ihrem Kinderbuch: „Ich nehme Kinder ernst und mute ihnen auch ernste Lektüre zu. Meine Bücher sind eine Art literarische Orientierung.“ In ihrer Geschichte geht die 74-Jährige auf verschiedene Aspekte ein: vom Homeschooling über Hygiene-Regeln bis hin zum Thema Impfen. All das erklärt sie kindgerecht. Dabei betont sie, dass sie in Bezug auf das Impfen niemanden missionieren möchte: „Der Ausgang bleibt offen. Am Ende ist alles eine freie Entscheidung.“ Die Neubeuerin male und schreibe, seit sie denken kann. Etwa 20 Kinderbücher habe sie schon verfasst. „Die liegen alle fertig in der Schublade.“
Berühmtheit habe sie mit ihren Geschichten noch nicht erlangt, aber das sei für sie zweitrangig: „Ich tue einfach das, was ich für richtig halte und warte nicht, bis jemand anderes es tut.“ Denn, dass Kinder über das Coronavirus und dessen Folgen informiert sind, hält Ulmer-Thurn für wichtig. Insbesondere deshalb, um die Jungen und Mädchen ein Stück weit die Angst vor der Pandemie zu nehmen.
Und dabei geht sie pädagogisch vor: „Der systematische Blick ist in all meinen Arbeiten zu spüren. Ich habe mir Gedanken gemacht, Themen aus persönlichen Situationen in einer Geschichte unterzubringen, aus der sich Kinder selbst herausnehmen können, was sie momentan brauchen.“
Kinder brauchen Bilder zu Erfahrungen
Das Hauptaugenmerk ihrer Kinderbücher liegt vor allem auf den Bildern. Seit etwa 15 Jahren ist Christa Ulmer-Thurn Mitglied des Künstlerkreises Neubeuern. Zeichnen und Malen ist für sie ein Ausdruck von Freiheit. Perfektion lehne sie dabei bewusst ab: „Ich lege keinen Wert darauf, dass meine Bilder Kunst sind. Es geht mir allein um die Wirkung.“ Und speziell ihre Kinderbücher sind mit vielen Illustrationen untermauert. Denn „Kinder brauchen Bilder zu ihren Erfahrungen“, ist sie überzeugt.
Einige hätten ihr Buch schon gelesen. Positives Feedback habe sie beispielsweise von den Freundinnen ihrer Tochter bekommen, erzählt die Autorin.
Auch Heidrun Möderl, Lehrerin der Grundschule Breitbrunn, ist von dem Kinderbuch begeistert. Weil Moritz von dem Buch seiner Oma erzählt hatte, nahm die Lehrerin das Buch mit ihrer ersten Klasse vor Pfingsten durch. „Also ich fand das Buch super. Für die Kinder war es toll, die ganzen Corona-Regeln im Buch nachzulesen.“ Beeindruckt hätten sie vor allem die Kinderbilder zum Coronavirus: „Da sieht man, wie sich die Kinder das Virus vorstellen und wie sie das teilweise auch bedrückt.“
Weil Ulmer-Thurn keinen Verlag für ihre Buch-Idee finden konnte, hat sie die Geschichte mit dem Titel „(Keine) Angst vor Corona!“ bei Amazon verlegt (ISBN: 9798512792285).
Die Bilder zum Buch werden ab morgen, Freitag, auch im Schwirtlich-Haus ausgestellt.