Der Vergangenheit auf der Spur

von Redaktion

Ortsheimatpfleger Rupert Wörndl erforscht die Geschichte von Frasdorf

Frasdorf – Bereits als junger Mann war Rupert Wörndl von Urkunden und alten Schriftstücken fasziniert. Als Student schrieb er über seinen Heimathof eine Chronik – der Anfang für seine jahrelange Tätigkeit als Erforscher der Frasdorfer Ortsgeschichte.

„Ich bin da so reingerutscht“, sagt der 69-Jährige. Er habe sich schon von Anfang an mit der Ortschronik und der Ortsgeschichte befasst und das Gemeindearchiv betreut. 1990 hat sich der Heimat- und Kulturverein gegründet, dessen Vorsitz Wörndl innehat. Und seit fünf Jahren ist er nun der offizielle Ortsheimatpfleger der Gemeinde Frasdorf. „Es ist ein Ehrenamt, aber auch ein gewisser Ehrentitel“, sagt Wörndl. Außerdem helfe er ihm beim Recherchieren in Archiven. Dabei stößt Wörndl immer wieder auf ganz unterschiedliche Schicksale und Geschichten, die mit Frasdorf in Zusammenhang stehen.

Geschichten
aus der Region

„Im Pfarrarchiv habe ich handschriftliche Aufzeichnungen des ersten Pfarrers von 1806 gefunden“, erzählt der Ortsheimatpfleger begeistert. Es sind die ältesten Aufzeichnungen, die sich in der Gemeinde befinden.

Außerdem weiß Wörndl, warum auf manchen Frasdorfer Bauernhöfen noch eine Hellebarde steht. Die Waffe wurde vom Fußvolk hauptsächlich im 14. und 15. Jahrhundert verwendet. Sie ist eine Mischform von Hieb- und Stichwaffe. Der Haken diente dazu, einen Reiter vom Pferd zu reißen.

Mehrere Jahrhunderte später wurden die Hellebarden, in Frasdorf auch „Kirawachta“ genannt, einem anderen Verwendungszweck zugeführt. Der Ortsheimatpfleger hat Aufzeichnungen von Sepp Aiblinger vorliegen, der in Hintergschwendt in der Nachbargemeinde Aschau daheim ist.

Nach dem Ersten Weltkrieg, in einer Zeit, als es noch kaum jemand ein eigenes Auto hatte, waren die meisten Menschen in unserer Gegend am Sonntagvormittag mit dem Kirchgang ausgelastet. Vor allem, wenn man, wie die Gschwendtner, eine volle Stunde zur Kirche zu gehen hatte. Da ging man um 7.30 Uhr aus dem Haus und war bestenfalls um 11.30 Uhr wieder daheim. In dieser Zeit war dann die Hausfrau und Mutter, die das Mittagessen zu kochen hatte, alleine zu Hause. Herumvagabundierende Banditen machten sich diese Zeit zunutze und überfielen Bauernhöfe, die abseits der engeren Dorfgemeinschaft standen.

Um diesem Missstand der Unsicherheit entgegenzuwirken, wurde vielerorts eine Kirchenwacht eingeführt. Die Aufgabe des eingeteilten Streifengängers war es, in einem festgelegten, kleinen Gebiet jeden Hof zu kontrollieren und anzufragen, ob alles in Ordnung sei. Das Betreten des Hauses ohne Grund war nicht erlaubt. Der Streifengänger, der sich vor Ort gut auskannte, kam ans Küchenfenster, klopfte an und stelle sich mit den Worten: „De Kirawacht is da“ vor. Die Hausfrau antwortete dann, dass bei ihr alles in Ordnung sei. An manchen Küchenfenstern gab es dann auch einen kleinen Schnaps und der Kirchenwächter ging weiter.

Eingeteilt waren vorwiegend die Knechte der Bauern, die diesen Dienst auch nicht ungern erledigten. Als äußeres Zeichen dieses hoheitlichen Streifendienstes trug der diensthabende Kirchenwächter eine alte Hellebarde oder einen Spieß mit sich. Damit man keinen Dienstplan aufstellen musste und doch jeder genau wusste, wann er an der Reihe war, wurde die Hellebarde bei dem Anwesen abgegeben, das am nächsten Sonntag dran war. Es gab somit keine Ausrede für ein Vergessen. In den Jahren 1933/34 wurde dieser Streifendienst eingestellt. So blieb der Kirchenwächter, sprich Hellebarde, einfach beim letzten diensthabenden Hof stehen.

Das Wissen wird
weitergegeben

Solche und andere spannende Geschichten erzählt Wörndl während seiner Führungen, die er im Auftrag der Tourist-Info Frasdorf macht. „Dass ist dann die Weitergabe dessen, was ich gesammelt habe und das mache ich gerne“, sagt Wörndl. Es sei wichtig für ein Dorf, die Erinnerung an seine Geschichte wach zu halten. Deswegen lädt der Heimat- und Kulturverein regelmäßig zu Veranstaltungen, Ausflügen und Ausstellungen ein. Die derzeitige Sonderausstellung im Höhlen- und Dorfmuseum trägt den Titel: „Tod und Leichenzug von Königin Marie Therese und König Ludwig III.“ und kann immer sonntags besichtigt werden.

Artikel 1 von 11