Aschau – Wer mehr über die Wittelsbacher und ihre besondere Beziehung zum Chiemgau erfahren will, der wird sich auf dem ausgeschilderten König-Ludwig-III.-Weg, geführt von Historikerin Martina Stoib, wohlfühlen. Auf schmalen Pfaden durch Wald und Flur kann man die abenteuerliche Flucht seiner Töchter von Wildenwart nach Hintergschwendt nachempfinden.
Nicht nur für
Touristen interessant
Die Tour lohnt sich nicht nur für geschichtlich Interessierte, auch Einheimische wolle sie mit der geführten Wanderung ansprechen, erklärt Martina Stoib bei der Begrüßung am Hans-Clarin-Platz. Die meisten Mitwanderer sind dann auch aus der näheren Umgebung. Aus Rimsting kommt beispielsweise Angelika Kirn, die ihre Freundin Marion Bischoff aus der Pfalz mitgebracht hat. Roswitha Fischer aus Bernau ist geschichtlich interessiert, gleiches gilt auch für Karin Netsch-Lamm aus Vogtareuth und Peter Glashauser aus München.
Helga Schömmer und Gerhard Waschin aus Prien, die beide als Fremdenführer in Prien und Umgebung arbeiten, hingegen genießen es, geführt zu werden und Neues über die Wittelsbacher zu erfahren. Denn die Wanderung ist keine reine Auf- und Nacherzählung des Lebens von König Ludwig III. (1845-1921) und seiner Familie, sondern verbindet geschickt Historie mit Persönlichem. Fremdenführerin Stoib hat eigens dafür Tagebucheinträge der Prinzessinnen und verschiedenste Bücher von renommierten Historikern herangezogen, für die Mitwanderer gibt es eine Ahnentafel und auf großen schwarz-weiß Fotos kann man visuell Einblicke in die damalige Zeit gewinnen. Ihre lebhafte Art zu erzählen zieht sofort alle Mitwanderer in den Bann. Mit der Vizinal-Bahn, die Theodor von Cramer-Klett von 1875 an errichten ließ und die seit 1878 zwischen Aschau und Prien verkehrt, geht es bis nach Umrathshausen. Über einen breiten Fahrweg wandert die Gruppe weiter nach Höhenberg, und über Bucha durch den Wald wieder zurück nach Aschau. Unterwegs bleibt Martina Stob immer wieder stehen. Nicht nur die atemraubende schöne Landschaft des Prientals, sondern auch die gute Waldluft und erfrischende Stille fernab des Autolärms und des menschlichen Trubels sind es wert, mitzuwandern. Auch Teile des Wegs zeichnen authentisch – wenngleich am helllichten Tag und nicht bei Nacht – die Flucht der Wittelsbacher Prinzessinen von Wildenwart nach Hintergschwendt 1919 nach.
Unterwegs plaudert Stoib aus dem Nähkästchen der Wittelsbacher. So erfährt man, dass er katholisch, konservativ und großdeutsch dachte, ein überzeugter Föderat war und von seinem Cousin Ludwig II., zu dessen Lebzeiten mit Hofverbot belegt wurde. Der Monarch, der seinem Vater Prinzregent Luitpold 1912 als Prinzregent nachfolgte und ein Jahr später den Thron bestieg, war auch ein begeisterter Landwirt und Jäger, technikbegeistert und praktisch veranlagt. Anfänglich noch vom Volk bayerisch-charmant und dennoch respektvoll „Millibauerl und sein Topfnreserl“ (seine Ehefrau war Marie Therese, Erzherzogin von Österreich-Este und Prinzessin von Modena) geheißen, habe diese liebevolle Bezeichnung später einen sarkastischen Unterton bekommen, weiß Stoib zu berichten.
Mit dem Erbprinzen
nach Ungarn
Die Kriegsjahre klammert Stoib genauso wenig aus wie die Zeit der Revolution nach 1918, und ehe man sich versieht, wähnt sich der Mitwanderer schon auf der Flucht aus dem revolutionsumtosten München mit dem Auto nach Wildenwart „Weg von München“. Mitreißend schildert die Fremdenführerin, dass nur eine Nacht später die Flucht von Wildenwart aus weiterging. Während die Eltern mit Erbprinz Albrecht nach Ungarn flohen, wanderten die drei (damals noch unverheirateten) Prinzessinnen Adelgunde, Hildegard und Wiltrud des Nachts weiter nach Hintergschwendt am Fuß der Kampenwand, wo sie sich elf Tage lang versteckten, ehe die Familie wieder auf Schloss Wildenwart zusammenfand. Leid und Elend, Glanz und Gloria – so nah beinander – und all das hier im Priental.