Nußdorf – Mit emotionalen Reden und einem langen Trauerzug ist gestern Nußdorfs langjähriger Bürgermeister Sepp Oberauer beerdigt worden. Der 62-Jährige ist vor knapp zwei Wochen nach schwerer Krankheit gestorben (wir berichteten).
Wie viel Sepp Oberauer den Menschen in seiner Heimatgemeinde und darüber hinaus bedeutete, zeigte sich nicht nur bei den emotionalen Reden vor der Aussegnungshalle. Auch die große Trauergemeinde, die trotz strömenden Regens und eisigen Winds dem Verstorbenen die letzte Ehre erwies, war ein Zeichen für die große Beliebtheit des Verstorbenen. Neben den Familienmitgliedern waren zahlreiche Freunde und Studienkollegen, aber auch Bürgermeister und Mandatsträger aus dem gesamten Landkreis gekommen.
Dorfbild geprägt
und geschützt
Sie alle wollten sich von dem Mann verabschieden, der 19 Jahre lang die Gemeinde Nußdorf geprägt hat. „Er hat das Dorfbild geschützt und das Dorfleben entscheidend entwickelt“, sagte die Zweite Bürgermeisterin der Gemeinde, Susanne Grandauer. Sie erinnerte an Oberauers vielseitiges Engagement, das unter anderem dazu geführt habe, dass Nußdorf im Jahr 2001 beim Bundeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft“ gesiegt habe.
Persönliche
Erinnerungen
Alle Reden waren geprägt von Respekt und Anerkennung für Oberauer. Bernd Fessler, Bürgermeister von Großkarolinenfeld und Sprecher der Rathauschefs im Landkreis, sprach von Bergtouren, Fußballspielen oder auch vom gemeinsamen Singen im Bürgermeisterchor mit dem Verstorbenen. Oberauer habe den Part des zweiten Basses im Chor übernommen. „Eine Stimme wird fehlen – jetzt hat der Chor nicht mehr so viel Tiefe“, sagte Fessler und stimmte kurz darauf den Bürgermeisterchor an.
Landrat Otto Lederer nannte Oberauer einen „geradlinigen Menschen“. Der Landrat lobte seine Integrität. „Er sagte, was er dachte und machte, was er sagte“, betonte Lederer. Das bestätigte auch Hajo Gruber. Er war als Bürgermeister von Kiefersfelden Arbeitgeber von Oberauer. Dieser hatte in der Gemeinde hauptberuflich das Hoch- und Tiefbauamt sowie die Gemeindewerke geleitet. Bürgermeister von Nußdorf war er all die Jahre ehrenamtlich. Beruflich sei Oberauer immer ganz anders gewesen als in seiner Rolle als Politiker, sagte Gruber.
„Er war nicht kompromissbereit bei der Arbeit. Er hat immer darauf geachtet, die beste Lösung für ein Problem zu finden. Kein Wunder, dass nicht nur Nußdorf trauert, sondern die ganze Gemeinde Kiefersfelden.“ Dass Sepp Oberauer nicht nur mit den Menschen in seiner Heimat eng verbunden war, sondern auch mit der französischen Partnergemeinde Camblanes-et-Meynac, die im Südwesten Frankreichs unweit der Stadt Bordeaux liegt, zeigte der Besuch von Bürgermeister Jean-Philippe Guillemont.
„Auf Wiedersehen,
mein Freund“
Die französische Gemeinde pflegt seit 1975 eine enge Partnerschaft mit Nußdorf. Guillemont erinnerte sich in seiner Rede, die er auf Französisch vortrug und die seine Begleiterin ins Deutsche übersetzte, an „viele gemeinsame Abendessen mit Sepp in Nußdorf und in Camblanes-et-Meynac“.
Seit er von dessen Tod erfahren habe, müsse er immer wieder an diese schönen Momente denken. „Wir sind traurig. Sepp, wir werden dich vermissen“, sagte Guillemont auf Französisch. Und auf Deutsch: „Auf Wiedersehen, mein Freund.“ Auch die tiefe Verbundenheit des Bürgermeisters zu seiner Heimat und den Traditionsvereinen im Ort wurde bei der Beerdingung nochmals deutlich.
Egal ob im Trachtenverein, bei der Nußdorfer Theatergruppe oder bei der Feuerwehr – er war ihnen allen verbunden.
Vertreter von zwei Schützenvereinen, vom Trachtenverein, von der Feuerwehr und vom Schiffleutverein reihten sich mit ihren Fahnen in den langen Trauerzug ein, der den Verstorbenen zu seiner letzten Ruhestätte geleitete.
Am Eingang zum Alten Friedhof standen die Nußdorfer Trachtler als letzte Ehre für Oberauer Spalier. Der Trachtenverein hatte Oberauer immer viel bedeutet.
46 Jahre war er Mitglied und lernte dort auch seine spätere Ehefrau kennen. „Sein Plattler-Dirndl war damals schon die Marlies“, sagte Andi Mayer vom Trachtenverein in seiner Grabrede.