Alle an einem Tisch

von Redaktion

Künstler und Jugendhilfeverein Kiefersfelden stärkt mit Sonderaktion das Miteinander

Kiefersfelden „Setze dich mit anderen an einen Tisch und finde spielerisch heraus, wer du bist“, so bringt es der Vorsitzende des Jugendhilfevereins und evangelische Pfarrer Günter Nun auf den Punkt, worum es den Künstlern Hannes Seebacher und Marco Simoniti bei ihrem Projekt „Table – alle an einem Tisch“ geht.

Gleicher Hintergrund
auf jedem Foto

Der Künstler hat ein mobiles Atelier: Es besteht aus einem schwarzen Zelt, in dem ein Tisch aufgestellt wird. Hier will Seebacher dann die Jugendlichen ablichten. „Wir inspirieren Jugendliche, bildhaft darzustellen, wer sie sein möchten“, erklärt der Künstler. Es entstehen einmal zwei Meter große Bilder. Diese können aufgrund des gleichen Hintergrundes optisch nahtlos aneinandergefügt werden. Durch die Aufnahmen ersteht ein endloser Tisch, der zeigt, dass „wir als Gesellschaft zusammenkommen und uns nicht spalten lassen“.

Die Grundidee für das Projekt hatte Seeberger bereits in seiner Schaffenszeit in Wien. Dort hat er mit Montessori-Schulen und Schulen, die vor allem durch Migranten geprägt waren, zwölf abendländische und zwölf orientalische Märchen fotografisch inszeniert. Und auch hier war der Hintergrund immer derselbe, sodass die Bilder am Ende zu einem Panorama zusammengesetzt werden konnten. 2019 startete Seeberger dann ein Pilotprojekt mit 14 Jugendlichen in Kiefersfelden, die sich ebenfalls an einem Tisch in Szene gesetzt haben. Am Anfang seien die Jugendlichen zum Teil gar nicht begeistert gewesen. Sie hatten Hemmungen fotografiert zu werden, erinnert sich Seeberger. Aber als die Jugendlichen dann erarbeitet hatten, wie sie sich positionierten, tauten sie auf. „Jeder war Stolz. Sie haben an ihren Ausdrücke gearbeitet und erkannt: Das bin ja auch ich. Dazu muss man auch erst mal den Mut haben“, so der Künstler.

Jetzt läuft das Projekt „The Table“ erst richtig an. In einem vor Ort-Termin an der evangelischen Kirche Kiefersfelden konnte Seeberger seine Vision von dem Kunstwerk vermitteln.

Der Jugendhilfeverein Kiefersfelden/Oberaudorf bildet für die Umsetzung des Kunstwerkes eine ideale Plattform, da er die nötigen Kontakte zu den Akteuren, aber auch den Sponsoren hat. So begeisterten sich Jürgen Fecker (Ruku), Pia Neumüller (Wally-Wukowitz-Stiftung Oberaudorf) und Alexa Hubert (Sparkassenstiftung Zukunft für den Landkreis Rosenheim) für diese Kunstform und stellten spontan Mittel für das Projekt zur Verfügung.

Pfarrer Nun ist vom
Projekt begeistert

Pfarrer Nun zeigte sich bei der Präsentation begeistert: „Mich fasziniert die Idee, dass alle mitmachen können. Es kommt nicht darauf an, was die Person hat oder kann oder verdient. Alle können an diesem Tisch sein, was sie gerne sein möchten.“ Um das in die Tat umzusetzen, will der Künstler zum Start an die Schulen gehen und dann immer weitere Kreise ziehen. Seeberger ist offen wie sich die Schüler an dem Tisch präsentieren werden. „Sie können sich an den Tisch setzen und sagen: So bin ich, so fühle ich mich gerade, oder sich verkleiden.“ Vermutlich komme es auch auf den jeweiligen Lehrer der Klasse an, wie das Thema „In der Gesellschaft leben“ aufgearbeitet werde, so Seeberger. Wie die Bilder am Ende ausgestellt werden, lässt Seeberger noch offen. „Das Gerüst steht und man muss einen gewissen Freiraum haben“, sagt der Künstler. Ausgestellt werden sie aber auf jeden Fall.

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