Corona-Testzentrum in Bad Feilnbach droht das Aus

von Redaktion

Kostenpflicht ab 11. Oktober könnte Erfolgsstory beenden – Mediprime-Chef macht Politik dafür verantwortlich

Bad Feilnbach – Anton Wallner wirkt superglücklich mit „seiner“ Corona-Schnellteststation in der Osterfeldstraße 2 in Bad Feilnbach. „Das Testzentrum ist leicht zu finden, das Personal arbeitet kompetent, und man hat nach 15 Minuten auch online zuverlässig ein Ergebnis. Dieser Service ist wahnsinnig wichtig für einen touristischen Ort wie uns“, sagt der Bad Feilnbacher Bürgermeister.

Das Problem: Die Erfolgsstory im Ferienort könnte bald ein Ende haben. „Wir können nicht lange im Voraus planen, weil die Politik unberechenbar ist“, schimpft Kristijan Vidakovic-Keilmann im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Der Geschäftsführer des Rosenheimer Betreibers Mediprime sagt, dass „sich jede unserer Testationen natürlich rentieren muss.“ Für Corona-Schnelltests liegt die Erstattung bei aktuell 11,50 Euro. Derzeit erhält seine Firma pro Corona-Schnelltest 11,50 Euro von den Krankenkassen. Die Vergütung wurde zum 1. Juli gesenkt und macht Testanbietern wirtschaftliches Arbeiten schwerer. Schließlich werden nach jedem Test die Einmalhandschuhe gewechselt und der Testbereich desinfiziert. Richtig problematisch wird es jedoch aller Voraussicht nach ab 11. Oktober.

Dann sollen Corona-Tests für die meisten Personengruppen kostenpflichtig werden. Damit sollen noch mehr Menschen motiviert werden, sich impfen zu lassen.

Kristijan Vidakovic-Keilmann kann die Entscheidung nicht nachvollziehen: „Überall steigen die Inzidenzen wieder. Wenn die Tests künftig kostenpflichtig sind, werden sich vermutlich weniger Menschen testen lassen. Das könnte die Zahlen noch weiter nach oben treiben.“ Weniger Tests würden für den Betreiber von vier Corona-Testationen in der Region – neben der in Bad Feilnbach noch zwei in Rosenheim und eine in Kolbermoor – weniger Einnahmen bedeuten. Und die Frage, ob sich das wirtschaftlich überhaupt noch rechnet.

Viel wird davon abhängen, wie viel die Corona-Tests künftig kosten werden. Die Teststation wird seit ihrer Eröffnung am 1. Juni „sehr gut“ frequentiert, sagt Wallner. Das beweist auch die vom Betreiber genannte Zahl von über 7000 durchgeführten Tests in den drei Monaten des Bestehens. Zur Einordnung: In Bad Feilnbach leben 8174 Einwohner (Stand 31. Dezember 2020).

Der Bürgermeister möchte, dass die Corona-Teststation in seiner Gemeinde so weiterläuft wie bisher. Der Betreiber kann dies wegen der kommenden Kostenpflicht für Tests aber nicht versprechen. Es könne passieren, dass man bei mangelnder Nachfrage über eine Schließung der Teststation nachdenken müsse.

Schuld daran ist nach Meinung von Kristijan Vidakovic-Keilmann die Politik: „Es herrscht immer eine große Ungewissheit, mit welchen Maßnahmen man rechnen muss. Nach eineinhalb Jahren Pandemie sollte man ein besseres Corona-Management haben.“ Lars Becker

Die geplanten Schnelltest-Regeln ab 11. Oktober

Die Bundesregierung und die Regierungschefs der Länder haben im August beschlossen, dass das vom Bund finanzierte Angebot für kostenlose „Bürgertests“ am 10. Oktober enden soll. Bisher ist in allen Bundesländern ein Test pro Woche kostenfrei möglich. In Bayern kann man sich derzeit sogar noch so oft wie nötig kostenlos testen lassen. Ausnahmen von der neuen Kostenpflicht soll es nur für Personen geben, die nicht geimpft werden können oder für die es keine allgemeine Impfempfehlung gibt. Mit welchen Kosten künftig zu rechnen ist, wird sich auf dem freien Markt entscheiden. Bei Schnelltests dürfte je nach Anbieter – Hausarzt, Apotheke oder Teststation – mit einer Summe zwischen 15 und 50 Euro pro Test zu rechnen sein. Ein PCR-Test dürfte etwa 40 Euro kosten. Wer das Ergebnis schneller will, muss wohl deutlich mehr zahlen.

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