Riedering – Sie sind keine biblischen Engel und haben auch keine Flügel, aber ihr Gesang ist nahezu himmlisch. Die Rede ist von den „Lobpreis Engal“ aus Riedering. Der Chor ist 2003 aus dem Lobpreischor hervorgegangen. Fast von Beginn an mit dabei ist ihr blinder Organist Emanuel Goldstein, der im November 2002 aus Eichstätt in die Gemeinde kam und die Stelle als Organist beim katholischen Pfarramt Mariä Himmelfahrt besetzte.
Organist begleitet Lieder am Keyboard
Er erinnert sich gerne an den Anfang im Herbst 2003. „Ich bin mal zu einem Auftritt der jungen Frauen gegangen und fand es cool, weil mir auch die Musik zugesagt hatte. Und so bin ich bei den ‚Engal‘ gelandet“. Schon kurz danach begleitete er die zwölf Engal bei ihren Konzerten auf dem Keyboard. Nicht nur für Engal-Sprecherin Hedi Grasl eine echte „Win-Win-Situation“, denn aus der musikalischen Symbiose wurde eine richtige Erfolgsgeschichte, die nun schon 18 Jahre anhält.
„Mit unserem Organisten harmonierte es vom ersten Moment an und er eröffnet uns immer wieder neue musikalische Möglichkeiten, um uns weiter zu verbessern“, preist Grasl ihn.
Auch das Repertoire der Sängerinnen hat sich erweitert. „Wir verfolgen den freien Gesang, ohne Festlegungen. Dazu hören wir uns immer regionale Sender an und was uns da gefällt, versuchen wir.“ Doch auch überlieferte Lieder finden in ihrem Gesangsprogramm Platz, wie etwa das „Riederinger Heimatlied“, das nahezu bei jedem regionalen Auftritt Pflicht ist.
Doch das ist bei Weitem nicht alles. Ihr Gesangsspektrum umfasst auch Lieder aus Rock und Pop und bei einer Musical-Show im Rosenheimer KuKo im Jahre 2010 haben die Sängerinnen eine aufsehenerregende Performance mit einem Song aus „Sister Act“ und eigenen Kostümen hingelegt. Drei Jahre später folgte dann eine eigene CD mit dem Titel „The First“, einem Querschnitt aus christlichen Liedern und Gospels.
Weitere Erfolge verzeichnete das musikalische Dutzend auch bei einem Konzert im Spiegelsaal der Eichstätter Residenz und einem Folgekonzert in München, im Beisein staatstragender Gäste, wie dem bayerischen Finanzminister Albert Füracker. „Mit unserem damaligen, breit gefächerten Programm aus Heimat- und Volksliedern haben wir großen Erfolg gehabt“, erinnert sich Hedi Grasl zurück. „Heute spielen und singen wir eigentlich das, was gewünscht wird, ob bei Hochzeiten, Geburten, Beerdigungen oder Familienfeiern“, so Grasl.
Das hat sich schnell herumgesprochen, denn der Terminkalender der „Lobpreis Engal“ ist gut gefüllt. Als Nächstes stehen eine Taufe und eine Hochzeit an. Die Vorfreude bei den Sängerinnen mit ihrem blinden Organisten ist schon groß.
Deutlich weniger ausgeprägt war sie, als die Corona-Pandemie den Frauen einen Riegel vorschob. „Diese für uns so stille Zeit hat uns voll getroffen. Wir konnten weder üben, noch auftreten“, erzählt Hedi Grasl. „Doch jetzt dürfen wir wieder mit vollem Elan singen und auftreten und das packen wir positiv an“.
Chor ist wie
kleine Familie
Ein solcher Zusammenhalt ist nicht zwingend vorgegeben. „Aber unser Gemeinschaftsleben kommt nicht zu kurz. Wir sind wie eine kleine Familie und haben große Freude an unserem Singen“, kommt es nahezu unisono von den Sängerinnen. Bei all den Auftritten ist natürlich auch eine gewisse Koordination in den Familien und Beziehungen notwendig. Da helfen schon mal Omas und Opas, Freunde oder auch die Nachbarin aus. „Aber am einfachsten ist es halt, wenn wir unsere Familie oder Liebsten zu den Konzerten und Auftritten mitnehmen können“, bringt es Hedi Grasl auf den Punkt. All das kommt nicht von ungefähr: Zusammen mit ihrem Organisten proben die Frauen jeden Samstag von 16.30 bis 18 Uhr im Pfarrheim in Riedering.