Baderoller und Schranke

von Redaktion

Interview Christoph Schneider über das Naherholungsgebiet Neubeurer See

Neubeuern – Die Badesaison in der Region neigt sich dem Ende zu. Es war der erste Sommer, in dem keine Corona-Beschränkungen mehr eingehalten werden mussten. In einem Interview mit den OVB-Heimatzeitungen spricht Neubeuerns Bürgermeister Christoph Schneider über die Bedeutung von Naherholungsgebieten, wie der Baderoller am Neubeurer See angenommen wird und warum es dort eine Schranke gibt.

Welche Bedeutung hat der Neubeurer See als Naherholungsgebiet für die Gemeinde?

Der Neubeurer See hat nicht nur für unsere Gemeinde eine unglaublich hohe Bedeutung, was die Naherholung und den Freizeitwert angeht, sondern ist mittlerweile überregional ein Anziehungsmagnet. Der Blick in Richtung Tirol und Kaisergebirge, das vom Verkehrsverein Neubeuern toll gepflegte Areal und auch die sehr gute Gastronomie unseres Pächters sind einfach eine runde Sache. Besucherinnen und Besucher kommen eigentlich von allen Seiten. Landes- und Landkreisgrenzen spielen dabei keine Rolle.

Hat die Verwaltung Probleme mit Wildparkern?

Es kommt sicher vor, dass der ein oder andere Camper beziehungsweise Reisende wohl auch mal über Nacht am Neubeurer See stehen bleibt, ein großes Problem wäre mir persönlich aber nicht bekannt. Es gibt am Neubeurer See keine Anlieger und damit wohl auch keine Beschwerden. Ansonsten haben aber auch der Vorstand und die Mitglieder des Verkehrsvereins und unser Kiosk-Pächter sicher einen Blick darauf, dass alles weitestgehend in Ordnung ist. Eine Schranke gibt es ja auch, die bei Bedarf runtergefahren werden kann.

Einfach schnell zum Schwimmen zu fahren, scheint für viele eine Selbstverständlichkeit zu sein. Was hat die Gemeinde getan, um den See auch für Menschen mit Behinderung zugänglich zu machen?

Da hat sich in der vergangenen Wahlperiode eine tolle Sache ergeben. Die Landkreisstiftung „Menschen mit Behinderung“ unter der Führung von Hans Kerschbaumer hat dem Verkehrsverein als Betreiber des Neubeurer Sees sogenannte Baderollstühle übergeben. Dies ermöglicht Menschen mit Behinderung im Neubeurer See Zeit zu verbringen. Der Baderollstuhl besteht aus Edelstahl und ist mit drei großen luftgefüllten Ballonreifen, zwei stabilen Armlehnen aus Schwimmmaterial und einem Sicherheitsgurt ausgestattet – und er schwimmt gefahrenlos, wie ein Boot. Der Verkehrsverein hat sich dankenswerterweise – auch mit der Unterstützung von Spendern – dann um eine Umkleidekabine mit ausreichend Platz für die beeinträchtigten Menschen gekümmert und einen Weg gefunden, der den Einstieg ins Gewässer ermöglicht.

Wie wird der Baderoller angenommen?

Im Rathaus gehen immer mal wieder Anfragen ein, wie das Ganze genau funktioniert. Es spricht sich rum und auch andere Gemeinden haben sich die Rollstühle angeschaut, weil sie bei sich ein ähnliches Angebot schaffen wollen.

Allegra Lungmus, ein 15-jähriges Mädchen das im Rollstuhl sitzt und ihre Großeltern in Neubeuern besucht, kritisiert, dass sie den Baderoller nicht alleine benutzen kann. Der Einstieg sei zu steil, ihren Großeltern fehle die Kraft, um sie zu halten. Könnten Sie hierzu Stellung beziehen?

Wir haben diesbezüglich bisher keine Beschwerden erhalten. Der Baderollstuhl wurde im Vorfeld natürlich auch entsprechend von der Stiftung getestet. Dass der Einstieg nicht ganz leicht ist und die Gegebenheiten so angepasst werden können, dass man jedem behinderten Menschen eine komplett eigenständige Nutzung ermöglicht, kann ich mir gut vorstellen. Ich bin aber auch der Überzeugung, dass man am See immer jemanden trifft, der einem gut helfen kann.

Interview: Katharina Koppetsch

Leserbrief der Rollstuhlfahrerin Allegra Lungmus

„Ich verbringe gerade einen Teil meiner Ferien bei meinen Großeltern in Neubeuern. Dort habe ich den Artikel in der Zeitung gelesen, in dem geschildert worden ist, dass der Zugang zum Neubeurer See behindertenfreundlich gestaltet wurde. Ich war sehr erfreut über diese Nachricht, weil ich selbst Rollstuhlfahrerin bin, und es mir somit sehr wichtig war, auch an diesen See ohne Barrieren hinzukommen. Aus diesem Grund bin ich mit meinen Großeltern hingefahren, um mir das mal genau anzusehen. Aber wie groß war meine Enttäuschung, als ich dort ankam und sah, wie die versprochene angebliche Barrierefreiheit dort umgesetzt wurde. Der Weg von der Hütte zum See ist viel zu steil. Ich hätte schon Angst, mit dem Schwimmrollstuhl, der keine Bremsen hat, runterzufahren. Und wenn ich im Wasser bin, wie komme ich dann wieder raus und die Steigung hinauf?! Die Unterstützung, die man sowieso schon braucht, weil es unmöglich ist, mit diesem Schwimmrollstuhl alleine zu fahren, ist auch für meine Eltern und Großeltern zu beschwerlich. Schade, dass eine an sich sehr gute Idee, so schlecht umgesetzt wurde.“

Allegra Lungmus aus Vaterstetten

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