Raus aus dem Büro, rein in die Berge

von Redaktion

Nina Wachowitz und Mike Franz erfüllen sich ihren Traum mit einem Gasthof

Brannenburg – Das Berggasthaus Petersberg hat seit August neue Pächter. Nina Wachowitz (47) und Mike Franz (52) aus Brannenburg haben das Gasthaus, von dessen Biergarten aus man einen grandiosen Blick über das Inntal hat, übernommen.

Belohnung für
den Aufstieg

Auf 847 Metern Höhe thront die Wallfahrtskirche St. Peter auf dem Petersberg. Sowohl Kirchgänger als auch Wanderer schätzen die Möglichkeit, sich nach dem anstrengenden Aufstieg im Berggasthof ein erfrischendes Getränk oder eine stärkende Mahlzeit schmecken zu lassen.

Bereits seit einigen Jahren kennen die Stammgäste Nina als Bedienung, die Mittwoch und Samstag den Gästen Speis und Trank servierte. Die letzten 17 Jahre war sie hauptberuflich als Personalleiterin bei einer Firma für Bildungssoftware. Das habe ihr zwar Spaß gemacht, sagt sie, aber als Ausgleich war es schon immer ein Vergnügen für sie, am Petersberg für das Wohl der Gäste zu sorgen. Ihr Lebensgefährte Mike hat in derselben Firma seit 21 Jahren als IT-Administrator gearbeitet. Doch auch er konnte sich sofort für die Idee begeistern, etwas ganz Neues anzufangen.

So lag der Gedanke dann schon in der Luft, sich als Pächter zu bewerben, als die Vorgänger aus persönlichen Gründen aus dem Pachtvertrag aussteigen wollten. So ein Schritt muss aber auch mit den Kindern abgestimmt werden: „Die Jungs, Elias (15) und Kolja (11), werden natürlich auch mit eingespannt, wenn es aufgrund der Anzahl der Gäste mal heiß hergeht“, sagt Nina Wachowitz augenzwinkernd.

Einfach sei die Organisation mit Berggasthof und Schulkindern nicht, aber zum Glück seien die Kinder, speziell in den Ferien, auch bei der Oma, die in Brannenburg im gleichen Haus wohnt, gut aufgehoben. Und so heißen jetzt die neuen Gastgeber auf dem Petersberg Nina und Mike.

Amüsiert berichten sie von der Verwirrung, die diese Namensgleichheit vom alten und vom neuen Mike bei Stammgästen schon bisweilen hervorgerufen hat. Köchin Elvi sei aber weiterhin die „gute Seele“ in der Küche, denn „nur bei ihr ist der legendäre Schweinsbraten so richtig lecker!“

Den Start hatten sie
sich leichter erhofft

Den Beginn hätten sie sich freilich leichter vorgestellt, so das Pächterpaar. Bereits eine gute Woche nach dem Neuanfang sollte die Rochuswallfahrt, besonders wichtig für die Flintsbacher Gemeinde, auf den Petersberg stattfinden – natürlich mit Bewirtung der vielen Wallfahrer. Doch das Gewerbeaufsichtsamt stellte vor der Freigabe wegen neuer EU-Richtlinien noch jede Menge Auflagen. So mussten nicht nur Fliesen getauscht und Fugen neu silikoniert werden, sondern sogar den denkmalgeschützten Bierkeller mussten sie neu verputzen. „Es waren schon viele Tage, an denen wir auch mal bis zu 18 Stunden am Werkeln waren“, erzählt Nina Wachowitz.

„Die Rochus-Wallfahrt haben wir gestemmt“, erzählt Mike stolz und ergänzt nachdenklich „doch hier kamen wir echt an unsere Grenzen. Denn wenn fast 200 Essen gleichzeitig bestellt werden, da kann man in der Küche einfach bauartbedingt nichts mehr beschleunigen. So mussten an diesem Tag einige Gäste ziemlich lange auf ihr Essen warten, was uns leid tut.“

Aber die beiden blicken optimistisch in die Zukunft und lassen durchblicken, dass sie zur Optimierung für die besonders besucherreichen Tage bereits neue Konzeptideen entwickeln. Und sie wollen bis zum Frühjahr noch vieles erneuern, um der Atmosphäre des Wirtshauses ein frisches, neues Gesicht zu geben.

Gleichzeitig wollen sie aber Bewährtes weiterführen, wie etwa die Kinoabende oder das Silvestermenü. Doch zusätzlich sind auch Seniorennachmittage mit Fahrdienst oder Familienangebote in Planung. „Zum Glück haben wir auch viel Unterstützung“, betont Wachowitz. Nicht nur das viele positive Feedback der Gäste helfe sehr, sondern auch die Lieferanten seien jederzeit zur Stelle, wenn sie gebraucht werden. „Die Brauerei hat uns unter anderem mit tollen neuen Schirmen versorgt, die halten auch mal einen Regenschauer ab. Und auch die Kühltechniker aus Halfing haben sich sehr reingehängt, als einmal unser Bierkühlsystem ausgefallen ist“, ergänzt Mike Franz.

Bis zum Frühjahr ist
der Spielplatz fertig

Mit einem Frühjahrsfest wollen sie dann die offizielle Eröffnung feiern. Bis dahin seien dann die vielen Renovierungsarbeiten erledigt und auch der Spielplatz wieder instand gesetzt, so ist der Plan. Bis dahin ist die Speisekarte etwas kleiner und die Gäste müssen sich ihre Stärkung selber holen.

Trotz der vielen Arbeit freuen sich beide auf die kommende Zeit. „Eine gehörige Portion Idealismus gehört schon dazu, aber die haben wir“, meint Mike Franz und Nina Wachowitz unterstreicht: „Schließlich haben wir jetzt den schönsten Arbeitsplatz, den man sich vorstellen kann!“

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