Prutting – Als sich Elisabeth und Ludwig Weichselbaumer am 15. September 1956 das Jawort gaben, kannten sie sich gerade mal ein Jahr. „Wenn man das Gefühl hatte, es passt“, so sagen die beiden, „heiratete man damals so schnell, wie es die Umstände eben erlaubten. Eine andere Möglichkeit, zusammenzuleben gab es einfach nicht“. Verhältnisse, wie man sie sich heute nur schwer vorstellen kann.
Windeln
ausgekocht
Schwer vorzustellen auch, dass damals die Rollentrennung zwischen dem arbeitenden Mann und der Frau zu Hause gar nicht so viel mit fehlender Gleichberechtigung zu tun hatte, wie man heute unterstellt: „Es ging einfach nicht anders“, sagt Elisabeth Weichselbaumer. Auch sie musste ihre Arbeit bei der Firma Klepper, ein Jahr, nachdem 1958 ihr erster Sohn Ludwig auf die Welt gekommen war, aufgeben. „Und dieses eine Jahr habe ich nur überstanden, weil meine Schwiegermama tagsüber nicht nur unseren Sohn betreute, sondern mir auch viel Hausarbeit abgenommen hat, nicht zuletzt das tägliche Auskochen der Windeln.“
Auszukochende Windeln: das wirft ein Schlaglicht darauf, dass damals die Haushaltsführung anstrengend und zeitfressend in einem Maße war, wie man es heute kaum noch erahnen kann, gerade wenn man Kinder hatte. Die Versorgung der Orte mit Kindergärten damals erst in den Ansätzen, an Kinderkrippen noch gar nicht zu denken. Auch Elternzeit eine völlig undenkbare Vorstellung, sechs Wochen nach der Geburt musste Elisabeth ins Gesundheitsamt, dort überprüfte man, ob sie ihr Kind noch stillen würde können, daraufhin wurde sie noch einmal zwei Wochen von der Arbeit freigestellt. Insgesamt acht Wochen „Elternzeit“ – das war’s.
Allerdings, so meinen die Jubilare, soll das nicht den Eindruck erwecken, als seien die Zeiten in den Fünfzigern und Sechzigern nur anstrengend gewesen. Beide erinnern sich noch heute voller Freude daran, wie intakt das Dorfleben zu jenen Zeiten noch war. Prutting hatte damals im alten Ortskern noch einen Ortsbäcker, so erzählen sie, in dem Obergeschoss des Hauses hatten die Beiden ihre erste Wohnung, und vor dem Haus stand eine ganz lange Bank. Die war, wenn es das Wetter eben zuließ, der Versammlungsplatz des Dorfes. Die Eltern saßen auf der Bank oder standen drumherum und ratschten, die Kinder spielten. Auch sonst war das Leben im Dorf sehr lebendig: „Fünf Lebensmittelgeschäfte hatten wir und zwei Wirtschaften“, erinnert sich Ludwig Weichselbaumer. Von daher begrüßen beide es sehr, dass man jetzt in der Gemeinde wieder versucht, das Dorfleben und den Zusammenhalt zu fördern, wo es nur geht. Den neuen Biergarten am Mösl halten sie für den durchaus gelungenen Versuch, Treffpunkte wie die Bank vor der einstigen Bäckerei neu zu erschaffen.
Schließlich glauben beide, dass es ein bisschen auch den gemeinsam verbrachten Abenden auf dieser Bank zu verdanken sei, dass sie seit 65 Jahren ein Ehepaar sind. „Es ist wichtig, dass man Zeit hat, miteinander zu reden und gemeinsam etwas zu unternehmen, und sei es nur ratschend auf der Bank vor dem Bäcker zu sitzen“ sagen beide. Wichtig dafür sei es auch, nach der Arbeit abschalten zu können, fügt Ludwig Weichselbaumer hinzu. Ihm gelang das glücklicherweise, weil er das Gefühl hatte, seiner Arbeit als Polier und Bauleiter bei einer großen Baufirma stets gewachsen zu sein. „Man muss es schaffen, abends den Kopf für seine Partnerin oder seinen Partner freizumachen, sich auf den anderen einlassen zu können“.
Entscheidend
ist der Respekt
Und wesentlich ist für beide dabei der Respekt für den anderen und auch für dessen Arbeit. Und hier dankt Ludwig Weichselbaumer ausdrücklich für das Verständnis seiner Elisabeth, die ihn auch unterstützte, als sich nach seiner Pensionierung noch einmal in die Arbeit stürzte, und ehrenamtlich die Bauleitung für den Pruttinger Dorfstadl übernahm. Eine andere, ganz entscheidende Grundlage, die Ehrlichkeit, setzen beide gewissermaßen voraus, denn ehrlich zueinander zu sein ergäbe sich aus dem gegenseitigen Respekt voreinander eigentlich von selbst.
Das Leben, so das Fazit der beiden, hat es alles in allem wirklich gut mit ihnen gemeint, zwei Söhne haben sie, nach Ludwig kam 1966 noch Roland zur Welt, die beiden schenkten ihnen mit ihren Frauen vier Enkel und sogar schon ein Urenkelchen, die kleine Lena.