Neubeuern – Der Markt Neubeuern hat Ende September dieses Jahres mit der aufwendigsten Baumaßnahme in der Historie der Gemeinde begonnen: Die Kläranlage muss renoviert und zukunftsfähig gemacht werden. Da eine Gemeinde in den Bereichen Wasser und Abwasser grundsätzlich kostendeckend arbeiten muss, werden die Kosten auf alle Bürgerinnen und Bürger umgelegt. Das können bei einem Einfamilienhaus schon mal 1025 Euro sein.
Die Kapazität muss
ausgebaut werden
Aus diesem Grund lud der Erste Bürgermeister Christoph Schneider (Unabhängige Neubeurer) zu einer Sonderbürgerversammlung in die Beurer Halle ein. „Eine Kläranlagenertüchtigung ist kein populäres Thema. Dennoch ist die Gemeindepolitik gefordert, eine gute Lösung zu schaffen und vor allem für die nächste Generation vorzuarbeiten“, sagte Schneider zu Beginn.
Die Kläranlage wurde 1972 gebaut und 1973 in Betrieb genommen. 1997 wurde sie ertüchtigt und ein neues Abwasserbeseitigungskonzept vorgelegt. Die letzte wasserrechtliche Erlaubnis ist am 31. Dezember 2017 ausgelaufen und seitdem nur jährlich verlängert worden. Darum besteht akuter Handlungsbedarf, die Anlage nach neuesten umweltrechtlichen Standards aufzurüsten und defekte als auch schwerfällige Teile der Anlage auszutauschen.
Nach der letzten Kommunalwahl traf sich im Mai 2020 der neu gewählte Gemeinderat mit Ingenieur Anton Mader von Dippold und Gerold aus Prien und Kommunalberaterin Ulrike Peter zu einer Klausurtagung, um alle wesentlichen Dinge zum Bau einer neuen Kläranlage zu besprechen. Im November wurde im Gemeinderat die Finanzierung beraten. Am 16. März 2021 erhielt Neubeuern die Baugenehmigung. Um keine Zeit zu verlieren, wurden bereits im Mai die Ausschreibungen getätigt, am 3. August die ersten Aufträge vergeben und am 23. September mit dem Bau begonnen.
Anton Mader präsentierte die durch den Gemeinderat einstimmig gebilligten Planungen. „Die derzeitige Kläranlage ist auf rund 4500 Einwohnerwerte ausgelegt. Gemessen an der Bevölkerung und an den notwendigen Kapazitäten ist das für eine Gemeinde wie Neubeuern und deren Entwicklung mittlerweile zu wenig“, erläuterte Mader.
Anhand der vergangenen Einwohnerentwicklungen hat man sich entschieden, die künftige Anlage auf 7300 Einwohnerwerte auszubauen. Bei den Planungen des Umbaus wurde die Prämisse an den Tag gelegt, so viele bestehende Anlagenteile wie möglich weiter in Funktion zu halten. Dennoch müssen diverse Komponenten auch neu gebaut oder umfunktioniert werden. Das Landratsamt Rosenheim und das Wasserwirtschaftsamt, die bei den laufenden Planungen miteingebunden waren, genehmigten die Planung und der Markt Neubeuern erhielt eine neue wasserrechtliche Erlaubnis bis Ende 2040.
Ursprünglich wurden für die Baumaßnahme rund 5,3 Millionen Euro kalkuliert. Durch die allgemeinen Preissteigerungen und durch die Corona-Krise habe es nun im Rahmen der Ausschreibungen Preissteigerungen von rund 30 Prozent gegeben. Die zu erwartende Investitionsmaßnahme wird am Ende wohl bei rund sieben Millionen Euro liegen.
Die Abwassergebühren werden durch diese Maßnahme, aber auch durch andere wichtige Investitionen im Kanalnetz, in den nächsten Jahren deutlich teurer werden und voraussichtlich auf einem Niveau von etwa 4,80 Euro pro Kubikmeter liegen. Die letzte Kalkulation in Neubeuern wurde 2013 gemacht und die Defizite, die aus den bewusst zu niedrig gehaltenen Gebühren bestehen, können nur zu einem geringen Teil bei der Neukalkulation berücksichtigt werden. Der Verbesserungsbeitrag sei deshalb im Vergleich mit anderen Gemeinden durchschnittlich, erklärte Kommunalberaterin Peter.
Ratenzahlung
und Härtefälle
Bürgermeister Schneider erläuterte den Beschluss des Gemeinderats, den Verbesserungsbeitrag in drei Raten aufzuteilen, damit die Bürgerinnen und Bürger die hohen Beiträge nicht in einer Gesamtsumme aufbringen müssen. Da die neue Kläranlage voraussichtlich erst Mitte 2023 fertiggestellt werde, würde die Gemeinde jeweils im April 2022 und April 2023 ein Drittel des vorläufig berechneten Verbesserungsbeitrags und im April 2024 die letzte Rate nach Feststehen des endgültigen Verbesserungsbeitrags erheben.
Weil der Verbesserungsbeitrag nach Geschossflächen bemessen wird, wäre das bei einem Einfamilienhaus mit einer Geschossfläche von 300 Quadratmetern pro Jahr ein Beitrag von 1025 Euro. Um die für den einen oder anderen Bürger hohe finanzielle Belastung abzufedern, werde das Rathaus bei Härtefällen den Zahlungspflichtigen entgegenkommen.