Wetterextreme nehmen zu

von Redaktion

Versicherungskammer Bayern beziffert Schäden in der Region auf etwa drei Millionen Euro

Albaching/Amerang/Obing/Halfing – Sintflutartiger Regen, der innerhalb weniger Minuten Straßen und Keller unter Wasser setzt, Hagelkörner so groß wie Tennisbälle, die Maisfelder bis auf kleine Stoppel „abrasieren“, Stürme, die Wälder in Wüsten verwandeln: Die Unwetter haben im Sommer 2021 in Albaching und Rechtmehring, in Amerang, Obing und Halfing Millionenschäden ausgelöst.

Beim nächsten Mal kann es andere Orte in der Region treffen, niemand ist mehr gefeit gegen das Extrem-Wetter, warnte Dr. Miriam Dühnforth, Naturgefahren-Expertin der Versicherungskammer Bayern, bei einer Video-Pressekonferenz der Kreis- und Stadtsparkasse Wasserburg. Vorstandsmitglied Mischa Schubert sprach von einer unterschätzten Gefahr.

Millionenschäden
im Sommer 2021

Starkregen und Sturm, die am 28. Juli in Halfing, Amerang und Obing wüteten, schlugen bei der Versicherungskammer Bayern nach ihren Angaben mit Schäden in Höhe von etwa drei Millionen Euro zu Buche. Der Marktanteil der Versicherungskammer beträgt nach Angaben von Schubert im Geschäftsgebiet der Sparkasse Wasserburg „etwas unter 40 Prozent“. Die Gesamtschäden würden deshalb vermutlich dreimal so hoch wie üblich sein.

Doch warum häufen sich die Wetter-Extreme? Handelt es sich um ein gefühltes Symptom nach einem Sommer, der irgendwie kein richtiger war? Nein, die Naturgefahren-Expertin der Versicherungskammer Bayern warnte: Unwetter wird es nach ihren Erfahrungen öfter geben. Extreme Ereignisse mit Starkregen, Sturm und Hagel würden im Vergleich zur Situation vor 30 bis 50 Jahren in immer schnelleren Abfolgen immer intensiver auftreten. Der Grund sei der Klimawandel. Hauptfaktor: die steigenden Temperaturen. Sie sorgen für mehr Feuchtigkeitsaufnahme in der Luft. Die erhöhte Verdunstung führt nach Informationen von Expertin Dühnforth einerseits zu Dürre, andererseits zu starken Niederschlägen und Hochwasser (siehe Grafik).

Von 1961 bis 1990 gab es in Deutschland laut Wetterstatistik etwa vier Tage im Jahr, an denen das Thermometer auf über 30 Grad kletterte. 2021 waren es elf Tage. Auch an der Wetterstation Amerang-Pfaffing verzeichneten die Beobachter im Sommer 2021 an sieben Tagen maximale Tagestemperaturen über 30 Grad, berichtete die Expertin.

Die steigenden Temperaturen führen zu sich häufenden Dürreperioden mit Folgen für die Land-, Forst- und Wasserwirtschaft. 2021 konnte sich die Vegetation wieder erholen, in diesem Sommer kippte die Situation ins Gegenteil: Häufig gab es zu viel Regen, mehrfach in einem extremen Ausmaß. Was die Situation rund um die Wetter-Extreme so dramatisch macht: Diese Ereignisse sind zum Bedauern der Experten der Versicherungskammer Bayern in der Regel zwar vorhersehbar. Die Wetterwarnungen funktionieren, die entsprechenden Apps schlagen an. Doch wo genau das Unwetter zuschlägt, könne nicht prognostiziert werden. Starkregen, Sturm und Hagel treffen dann „sehr lokalisiert“ einen bestimmten Ort. Frühwarnsysteme würden zwar beim klassischen Flusshochwasser helfen können, sich rechtzeitig zu schützen, bei einem extremen Starkregen jedoch nicht.

„Das geht so schnell, dass es innerhalb weniger Minuten zu spät ist“, warnte Dühnforth. 21 der 26 größten Unwetterereignisse zwischen 2002 und 2019 in Deutschland, bei denen über 25 Millionen Euro Schaden entstanden, sind nach Angaben der Versicherungskammer Bayern auf Starkregen zurückzuführen.

Während in Deutschland 46 Prozent aller Gebäude mit einer Elementarschadenversicherung ausgestattet sind, haben in Bayern bisher nur rund 38 Prozent der Häuser diesen Schutz – „eine Riesenlücke“, so Schubert, der daran erinnerte, dass viele Bürger „ohne mit der Wimper zu zucken“ ihr Auto absichern, beim Haus jedoch zögern würden – obwohl die Gebäude- und Hausratsversicherung nicht automatisch die Folgen von Naturgefahren abdecke.

Umdenken
ist bemerkbar

Weidemann vermerkt ein Umdenken: Die Nachfrage sei gestiegen. Während die Sparkasse mit ihrem Versicherungspartner noch bei der Abarbeitung der Schäden aus den Sommerkatastrophen beschäftigt sei, würden sich immer mehr Kunden um eine Beratung zu Policen bemühen.

Online-Vortrag

Eine Online-Veranstaltung zum Thema Naturgewalten findet morgen, Mittwoch, 13. Oktober, um 18.30 Uhr statt. Kunden und auch Nichtkunden der Sparkasse können sich über die

Homepage (www.sparkasse-wasserburg.de) anmelden. Die Teilnahme ist kostenlos. Es referiert Dr. Miriam Dühnforth.

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