Prutting – Und auf einmal saß sie vorn, die Agnes Bucher. 17 Monate, nachdem die 39-Jährige als frisch gewählte Gemeinderätin des Freien Wählerblocks vereidigt und zur Dritten Bürgermeisterin gewählt wurde, leitete sie ihre erste Sitzung. „Und ich hatte mich noch gefragt, ob eine Gemeinde mit nicht mal 3000 Einwohnern wirklich zwei Stellvertreter des Bürgermeisters braucht“, gesteht sie amüsiert.
Offensichtlich schon. Denn Bürgermeister Johannes Thusbaß fiel aus gesundheitlichen Gründen aus, sein Stellvertreter Dr.Mathias Huber ist mit dem Wohnmobil in sonnigen Gefilden unterwegs.
Erste Reaktion war
schallendes Gelächter
Als es am Donnerstag vor der Sitzung hieß: „Du musst ran“ habe sie schallend gelacht, erzählt Agnes Bucher. „Damit habe ich ehrlich nicht gerechnet“, sagt sie. „Dann habe ich die Sitzung gedanklich erst mal beiseitegeschoben.“ Das Wochenende gehörte der Familie.
Am Sonntagabend stand dann eine Telefonkonferenz mit Thusbaß an, die beiden gingen die Abläufe durch. Denn die kannte Agnes Bucher bisher nur von der anderen Seite des Tisches. „Das war aber kein Problem“, sagt sie im Rückblick.
Montag und Dienstag verbrachte die Finanzbeamtin im Pruttinger Rathaus, arbeitete sich mithilfe der Verwaltung ein, vor allem in die Tagesordnungspunkte, in denen sie sich als kommunalpolitischer Neuling nicht so ganz sattelfest fühlte. „Die Verwaltung hat mich super unterstützt“, ist Agnes Bucher dankbar.
Denn das taten Kämmerer Slaven Jokiç und Bauamtschefin Daniela Klinginger auch während der Sitzung. Welpenschutz gab es vom Gremium nicht. „Ich hatte ja schon gehofft, dass die Kollegen etwas gnädig mit mir sind“, gesteht Agnes Bucher. Aber dem war nicht so. „Ich habe beim Tagesordnungspunkt 4 (Informationen über laufende Verwaltungsangelegenheiten, Anm. d. Red.) schon gedacht ‚Das kann ja heiter werden‘ und war froh, dass mir die Verwaltung bei detaillierten Nachfragen beigesprungen ist“, so Agnes Bucher. Daniela Klinginger tat das auch bei der Abwägung der Stellungnahmen zum einfachen Bebauungsplan „Langhausen“ und Slaven Jokiç bei der Nachbesetzung der Kassenverwaltung. Da ärgert sich Agnes Bucher noch im Nachhinein, dass sie die Diskussion nicht irgendwann beendet hat. Denn die Ernennung sei vorschriftsgemäß erfolgt, die Debatte, dass die Räte mehr Informationen und mehr Mitsprache wollen, hätte auch an anderer Stelle oder im Beisein des Ersten Bürgermeisters erfolgen können.
Interessanter
Perspektivenwechsel
Den Perspektivenwechsel fand Bucher sehr interessant. „Wenn ich als Gemeinderätin irgendetwas genauer wissen will, frage ich halt nach und versuche, es für mich zu klären. Als Sitzungsleiterin kam ich mir da aber fast ein wenig wie auf der Anklagebank vor“, berichtet sie. Dass dem nicht so sei, das sei ihr klar, aber im ersten Moment habe sie sich eben so gefühlt. Zum eigenen Erstaunen.
Insgesamt sei es, trotz der kurzen Vorbereitungszeit, ganz gut gelaufen, meint Agnes Bucher. Und auch die Rückmeldung der Ratskollegen beim gemeinsamen Getränk nach der Sitzung sei entsprechend gewesen. „Hat scho passt“, waren sich die Beteiligten einig. Hierzulande ein echtes Kompliment.