Heuer gibt es extrem viele Igelwaisen

von Redaktion

Wildtierhilfe Amerang schlägt Alarm – Auffangstation ist ausgelastet

Amerang – Fast stündlich klingelt das Telefon bei der Wildtierhilfe Amerang. Die Nachricht ist immer dieselbe: „Wir haben gerade einen kleinen Igel gefunden und wissen nicht, was wir jetzt tun sollen.“

Besonders bei schönem Wetter und an Wochenenden, wenn viele Menschen draußen unterwegs seien, klingele es auf allen Kanälen. Seit Anfang September gebe es eine Flut verwaister Igelkinder, steht in einer Pressemitteilung der Wildtierhilfe.

Manche Pflegstationen hätten über hundert kleine Igelchen aufgenommen. Es gelte, die anstrengende Aufgabe zu stemmen, diese kleinen empfindlichen Tiere soweit großzuziehen, dass sie sich selbstständig ernähren und ausgewildert werden könnten.

Nur mutterlose Tiere
sind tagsüber aktiv

Viele Bürger fragen sich, woher die kleinen Igel kommen, die tagsüber hungrig über Terrassen und durch Gärten irren. Es seien traurigerweise immer Waisenkinder, erklärt die Wildtierhilfe Amerang. Nur ein mutterloses Jungtier setze sich in seiner Hungersnot den Gefahren des Herumstreifens bei Tageslicht aus. Der größte Feind sei, neben Autos, Mährobotern und Katzen, die blaugrün schillernde Fleischfliege – sie setze ihre Eier in das Fell der schwächer werdenden, tagsüber herumsuchenden Kleinen. Die daraus schlüpfenden Maden fressen den Igel lebensgefährlich an, oder sogar auf, berichtet die Wildtierhilfe.

Die Mutter, die die Jungen sonst tagsüber versteckt halte und pflege, sei in den meisten Fällen dem Menschen zum Opfer gefallen und liege überfahren am Straßenrand. „In diesem Jahr sind es extrem viele Waisen“, seufzt Marie-Theres Schurrer, Leiterin der Wildtierhilfe Amerang e.V. „Unsere Pflegestellen für Jungtiere sind alle mehr als ausgelastet. Wir können keine weiteren Igelkinder mehr beherbergen.“ Aber die überwältigende Situation setzt auch einen positiven Impuls. „Wir begegnen immer mehr Igel-Findern, die selbst bereit sind, ihren Igel unter unserer Anleitung aufzuziehen“, stellt die Wildtierhilfe Amerang fest. „Immer mehr Menschen begreifen, dass unsere Wildtiere kein Gegenstand sind, den man einfach irgendwo abgeben kann, sondern dass sie eine gemeinsame Verantwortung unser aller sind.“

In der Vergangenheit gab es oft das verbreitete Missverständnis, dass Igelstationen eine Art öffentliche Einrichtung seien, rund um die Uhr erreichbar und staatlich gefördert. Weit gefehlt. „Es sind immer private Stationen, geführt von engagierten, berufstätigen Menschen, die wie alle anderen auch eine Familie, pflegebedürftige Eltern, Haus und Hof, und viele andere Pflichten haben. Zeit und Geld sind kostbar, der Urlaub ist gestrichen. Es ist ein Engagement für unsere Zukunft, und alles andere als romantisch“, erklärt Schurrer.

Experten geben
bei Bedarf Tipps

„Umso wichtiger, dass sich Schritt für Schritt mehr Menschen mit einbringen, und ihre Fundtiere – unter fachgerechter Beratung und Behandlung durch eine Igelstation – zu Hause pflegen.“ Die Wildtierhilfe betreue, berate und begleite die Finder natürlich täglich. „Das bedeutet immer noch viel Einsatz, Nervenstärke und Zeit seitens der Station, aber es ist eine gute Entwicklung.“

Auf diese Weise könne sehr viel mehr Tieren gleichzeitig geholfen werden und auch das Bewusstsein für die frei lebenden Mitgeschöpfe wachse damit. „Vielleicht werden auf diese Weise sogar eines Tages nicht mehr so viele Igel achtlos überfahren – dann gäbe es auch weniger Waisen“, hofft Marie-Theres Schurrer.

Artikel 1 von 11