Hin- und hergerissen bei Luftfilterkauf

von Redaktion

Gemeinderat Samerberg entscheidet sich mit sehr knapper Mehrheit für Anschaffung

Samerberg – Mit knapper Mehrheit von sieben zu sechs Stimmen hat sich der Samerberger Gemeinderat für die Anschaffung von Luftfiltern für die Räume der Grundschule entschieden. Nach Abzug des vom Freistaat bereitgestellten Zuschusses muss die Gemeinde dafür etwa 28000 Euro aufwenden, plus 1300 Euro für den notwendigen jährlichen Filterwechsel.

Kontroverse
Diskussion

Die Entscheidung der Gemeinderäte war alles andere als einfach. Zunächst trug Erwin Schlosser vom Ingenieurbüro Bauer, Schlosser, Wiesner dem Gremium das Ergebnis seiner Bedarfsanalyse und Fördervoraussetzungen mit entsprechendem Zahlenwerk vor.

Schulleiterin Astrid Degenfurtner informierte über Lüftungsmöglichkeiten und die derzeitige Situation in den Klassenräumen. Sie räumte ein, dass das Vorhandensein von Luftfiltern möglicherweise bei zukünftigen Quarantäne-Vorgaben oder Entscheidung über Schulschließungen eine Rolle spielen könnte.

In der nachfolgenden ausführlichen Diskussion tauschten die Befürworter und Skeptiker ihre Argumente aus, wobei Bürgermeister Georg Huber betonte: „Der Meinungsaustausch ist wichtig und wir dürfen durchaus unterschiedliche Ansichten vertreten.“ Er beklagte, dass man mit dieser Entscheidung von Politik und Behörden alleingelassen werde. Es fehlten klare Vorgaben, der Nutzen werde selbst von manchen Experten in Zweifel gezogen. Geschäftsleiter Andreas Müllinger ergänzte, dass auch der Gemeindetag den Luftfiltern kritisch gegenüberstünde und sich dabei auf eine Veröffentlichung des Umweltbundesamtes berufe.

Mehrere Räte äußerten eine ablehnende Haltung. Die Kinder hielten sich in der Schule schließlich nicht nur in den Klassenräumen auf, da könnten Luftfilter die Ansteckungsgefahr nicht mindern, so Michael Sattlberger, CSU. Parteikollege Christoph Heibler und Andreas Köppl bemängelten Kosten und eine fehlende klare Linie des Kultusministeriums.

Die Riege der Befürworter wurde angeführt von Dr. Irene Schulze-Strein (Zukunft Samerberg, ZS), die sich schon aus beruflichen Gründen mit dem Pandemiegeschehen auseinandersetzen muss. Der Nachweis für die Wirksamkeit von Luftfiltern sei längst erbracht. In Laboren und Reinräumen würden die Geräte seit Jahrzehnten eingesetzt, um unerwünschte Partikel und Aerosole aus der Luft zu filtern. Grundschulkinder könnten derzeit nicht geimpft werden, es sei davon auszugehen, dass sich die Pandemie hier in den nächsten Monaten verstärkt ausbreitet. Filter ersetzten allerdings nicht das Lüften, sondern seien eine Ergänzung.

Gerüstet auch
gegen Grippe

Christine Eckert (Überparteiliche Wählergruppe, ÜPW) ging einen Schritt weiter und forderte, auch die Räume in der Kita und der Krippe mit Filtern auszustatten. Christian Bauer (ÜPW) hält es für wahrscheinlich, dass die Filter zur Voraussetzung werden, die Schulen trotz hoher Infektionszahlen offen zu halten. Auf diese Situation müsse man vorbereitet sein. Dieser Meinung schloss sich auch Thomas Schmid (ZS) an und ergänzte, dass Luftfilter auch bei Grippewellen in der Schule gute Dienste leisten könnten.

Da ein Leasing bereits nach drei Jahren so teuer wäre, wie ein Kauf der Geräte, wurde dieses Modell nicht weiterverfolgt. Dem Vorschlag Heiblers, zunächst ein Gerät für einen Probebetrieb anzuschaffen, begegnete Dr. Schulze-Strein mit dem dringenden Appell: „Was wir nicht haben, ist Zeit!“

Nach derzeitiger Planung sollen die Geräte bis Weihnachten einsatzbereit sein.

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