Wildenwart – Das „Weiße Marterl“ von Wildenwart erstrahlt wieder in neuer Frische, nachdem notwendige Restaurierungen und Ausbesserungen durchgeführt wurden. Betreut wird das sakrale Kleinod an der Straße nach Brandenberg von der ortsansässigen Familie Bohrer. Rosa Bohrer, sehr rüstige Austragsbäuerin vom Schmied-Hof freute sich nach Abschluss der Arbeiten über die vielfach erfahrene Unterstützung und wusste bei einem Vorort-Termin viel über das Marterl zu erzählen.
Gestiftet von
der Herrschaft
Das „Weiße Marterl“ – wie Rosa Bohrer sich lebhaft erinnerte – geht zurück auf eine tragische Begebenheit vor mehr als 200 Jahren. Nach mündlichen Überlieferungen wurde es im ausgehenden 18. Jahrhundert von der Herrschaft des Schlosses Wildenwart als Sühnedenkmal für den Mord an einen Schmiedegesellen aus Wildenwart am sogenannten alten Dreiweg zwischen Wildenwart, Prutdorf und Brandenberg errichtet.
Der Schmiedegeselle soll erschlagen worden sein. Ihm zum Gedenken wurde das heute unter Denkmalschutz stehende Marterl erbaut. Als an der ursprünglichen Marterl-Stelle der Wildenwarter Kreisel errichtet wurde, musste das Marterl einige Meter weiter ziehen. Es bekam an der Straße Richtung Röselsberg und Brandenberg erneut einen Platz auf einem Grund der Schmied-Familie, die auch fortan in guter und alter Tradition die Betreuung übernimmt. Als die Umsetzung im Jahr 2005 notwendig wurde, spendierte Herzogin Elisabeth eine Linde, die gleich hinter dem weißen Marterl gepflanzt wurde. Nun kam aber das kostbare Bauwerk in die Jahre und die Schmied-Familie organisierte eine Restaurierungsaktion.
Erste Anlaufstelle war dabei Ehren-Oberleutnant Paul Panzer von der Priener Gebirgsschützen-Kompanie. Panzer hat schon viele ähnliche Restaurierungen im Ehrenamt bei sakralen Objekten und Bauten vorgenommen und stellte sich nun auch für das Wildenwarter Marterl wieder zur Verfügung.
Eine Sitzbank
zum Innehalten
Panzers Aufgabe war es, die von einer nicht genannt werden wollenden Frau zur Verfügung gestellte Muttergottes sowie die vom
Wildenwarter Mesner Georg Kronast gespendeten Engelsfiguren farblich aufzufrischen und dem gesamten Marterl einen neuen kräftigen Außenanstrich zu geben.
Unterstützt wurde das Vorhaben der Bohrer-Familie auch vom Priener Glasermeister Sepp Stöttner, der für ein Sicherheitsplexiglas sorgte und dieses für das gute Werk stiftete.
„Ein kleines Bankerl vor dem Marterl soll zum Niedersitzen und Innehalten einladen, denn der Platz vorm Marterl bietet viele schöne Ausblicke hinüber zur nahen Kirche Christkönig Wildenwart und in die Chiemgauer Bergwelt“ – so das Anliegen von Rosa Bohrer, die sich mit ihrer Familie über die erfahrene Unterstützung „ihres“ Marterls sichtlich freute.