Digital-Ausleihe statt händischer Kartei

von Redaktion

Oberaudorfer Büchereileiterin schlägt Alarm – Gemeinderat beschließt finanzielle Hilfe

Oberaudorf Ein sanierungsbedürftiges Gebäude, ein veraltetes Karteisystem und kein Internet- oder Telefonanschluss: Für die Leiterin der Pfarr- und Gemeindebücherei Oberaudorf, Karin Obwieser, wurde das zu viel. Sie wandte sich an das Rathaus. In der Gemeinderatssitzung wurden die teilweise seit Jahren bekannten Missstände allen Beteiligten vor Augen geführt. Als Obwieser androhte, sie werde zurücktreten, wurde die Verwaltung aktiv und beschloss, das Ehrenamt mit einem bezahlten Minijob aufzuwerten. In Zusammenarbeit mit der Kirche, der die Räume der Bibliothek gehören, soll die Bücherei nun sogar digitalisiert werden.

„Sehr erleichtert,
dass sich etwas tut“

„Ich bin sehr erleichtert, dass sich endlich etwas tut“, berichtet die Bibliotheksleiterin. Mit Spannung verfolgte sie den öffentlichen Teil der Oberaudorfer Gemeinderatssitzung, in der die beiden Kernprobleme der Einrichtung deutlich wurden.

Zum einen seien die Räume am Oberfeldweg 1, in denen die Bücherei seit 1985 untergebracht ist, völlig veraltet und müssten dringend saniert werden. Zum anderen sei auch das komplette System von der Ausleihe bis zur Rückgabe nicht mehr zeitgemäß.

„Wir arbeiten noch komplett analog“, beschreibt die 52-jährige Obwieser die derzeitige Lage. Jedes der rund 7000 Medien hat eine Karte, in der alle Daten noch händisch vermerkt sind. Zudem wird für jeden Leser eine Kartei angelegt, die beim Ausleihen mit der Buchkarte zusammengelegt wird.

Auf Strichlisten versuchen die Oberaudorferin und die zwölf ehrenamtlichen Helfer, den Überblick darüber zu behalten, wie viele Bücher pro Tag ausgeliehen werden. Ist die Leihdauer abgelaufen, gibt es laut Obwieser niemanden, der einen darauf hinweist. Fällt jemandem nach einer gewissen Zeit auf, dass ein Buch fehlt, ist die Leiterin auf den Handyempfang angewiesen. Nur so kann sie die Leser erreichen. Ein fester Telefonanschluss existiert nicht.

„Vor 20 Jahren hat das vielleicht noch funktioniert“, meint Obwieser. Mit 17000 Ausleihen pro Jahr und dem stetig anwachsenden Bestand sei die Verwaltung aber mittlerweile extrem zeitintensiv und als reines Ehrenamt kaum noch zu stemmen.

Um zumindest die zusätzliche Arbeit auszugleichen, hat der Gemeinderat beschlossen, Frau Obwieser mit einer neu eingerichteten Stelle auf Basis von 450 Euro pro Monat zu unterstützen. „Die Gemeindebücherei ist unheimlich wichtig, weshalb wir alles dafür tun müssen, dass sie erhalten bleibt“, meint Ratsmitglied Regina Götz (Die Grünen). Auch Stefan Hirnböck (Freie Wähler) ist bei den hohen Zahlen an Ausleihen davon überzeugt, dass das Medium Buch unbedingt bestehen bleiben muss, um die Bildung nicht alleine dem Internet zu überlassen.

Der Rat beauftragt daher die Verwaltung einstimmig, den neuen Posten einzurichten und die Kosten dafür in Höhe von rund 7000 Euro in den nächsten Haushalt einzubringen.

Bei dem Thema der Sanierung hat die Gemeinde laut Bürgermeister Matthias Bernhardt (Freie Wähler) wenig Spielraum, da das Haus der Emeritenanstalt der Erzdiözese München-Freising gehört. „Wir können nicht einfach die Wand anbohren und einen Internetanschluss verlegen“, meint der Rathauschef. Über das Engagement von Pfarrer Hans Huber wolle die Verwaltung jedoch versuchen, etwas zu bewegen.

„Im Moment sind wir auf einem guten Weg und gehen von einer kurzfristigen Lösung bis Mitte November aus“, bestätigt Huber im Hinblick auf die Internetverbindung. Da die Verwaltung der Gebäude nicht unmittelbar dem örtlichen Pfarrverband unterliegt, dauere es jedoch etwas länger, bis die Frage nach der Sanierung geklärt ist. „Das wurde in den vergangenen Jahren schon ein wenig vergessen“, gesteht der Pfarrer und hofft, dass man sich diesbezüglich bald einigen kann.

Medien müssen ins
moderne System

Für Obwieser sind das sehr gute Nachrichten. Dass sie erst mit einem Rücktritt von ihrem Amt drohen musste, damit etwas passiert, störe sie rückblickend nicht. „Ich habe mit dem Bürgermeister ein sehr gutes Gespräch geführt und freue mich über die Wertschätzung sowie die finanzielle Unterstützung“, bilanziert die Leiterin. Im nächsten Schritt gelte es, alle Bücher in das digitale Katalogsystem einzupflegen. „Das wird uns im gesamten kommenden Jahr beschäftigen“, ist sich Obwieser sicher. Mit Aussicht auf eine moderne Bücherei nehme sie diese Arbeit jedoch gerne in Kauf.

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