Halfing – Die Firma Wintershall Dea möchte im Gemeindebereich Halfing Erdgas fördern. Die Entscheidung, ob es zu einer Förderung kommt, liegt beim Bergamt Südbayern. Die Behörde hat nun für das Gebiet eine Umweltverträglichkeitsprüfung gefordert. Sie dient dazu die „Auswirkungen des geplanten Vorhabens auf die Schutzgüter Mensch, Natur und Umwelt zu ermitteln“, erklärt Wolfgang Rupp, Pressesprecher der Regierung von Oberbayern.
Nähe zu
geschützten Gebieten
Der Grund für die Prüfung sei die Nähe zu geschützen Gebieten in der Umgebung des geplanten Bohrplatzes, so der Pressesprecher. Denn verpflichtend sei bei einer sogenannten Explorationsbohrung mit einer Tiefe ab 1000 Meter eigentlich nur eine Vorprüfung. Nur wenn sich bei der Vorprüfung herausstellt, dass das Vorhaben nachteilige Umweltauswirkungen haben könnte, kommt es zu einer weiteren Prüfung, sagt Rupp. Und genau Letzteres ist im Fall Irlach eingetreten.
Nun muss Wintershall Dea darauf reagieren. Sie werden „jetzt das weitere Vorgehen insbesondere in Bezug auf die Zeitplanung im Hause abstimmen“, sagt Derek Mösche, Pressesprecher Wintershall Dea. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung könne sich über ein bis zwei Jahre ziehen, so der Sprecher. Der eigentlich geplante Start einer Förderung im Frühjahr 2023 kann damit nicht mehr eingehalten werden. „Ich finde es positiv, dass das Bergamt die Notwenigkeit festgestellt hat“, sagt Helmut Dörner von der Bürgerinitiative „pro Halfing“.
Die Initiative sei grundsätzlich gegen eine Förderung von Erdgas. „Ich erhoffe mir, dass das wertvolle Gebiet, das wir haben, erhalten bleibt.“ Die Angst Dörners ist, dass durch eine Erdgasförderungen Schäden an der Natur entstehen. „Wir sind auf eine intakte Umwelt angewiesen, um ein vernünftiges, schönes Leben führen zu können.“
Wenn das Gutachten zum gleichen Schluss wie Dörner kommt, könnte das Bergamt Wintershall Dea die Genehmigung verweigern. „Sollte im konkreten Fall die nun folgende Umweltverträglichkeitsprüfung ergeben, dass das Vorhaben erhebliche Umweltauswirkungen hat, die nicht ausgeglichen werden können, kann das Vorhaben abgelehnt werden“, sagt Rupp.
Um den nächsten Verfahrensschritt einzuleiten, muss Wintershall Dea beim Bergamt Südbayern einen Rahmenbetriebsplan nach dem Bundesberggesetz mit integrierter Umweltverträglichkeitsprüfung einreichen. Dieser Rahmenplan liege dem Bergamt bis jetzt noch nicht vor, so der Pressesprecher der Regierung von Oberbayern.
Bei einer Umweltverträglichkeitsprüfung komme Wintershall Dea zugute, dass sie bereits Vorarbeit geleistet haben. „Es wurden sowohl ein detailliertes Biomonitoring als auch ein hydrogeologisches Gutachten sowie eine frühe Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt“, so Mösche. Zusätzlich wurden in Dialogforen Bürger aus Halfing in den Prozess miteinbezogen.
Dialogforen sollen
aufgeweitet werden
Dörner hingegen kritisiert das Dialogforum, weil es nicht für jeden Halfinger zugänglich ist. „Wie kommt eine Firma dazu, uns vorzuschreiben, wer hier teilnehmen darf?“ Dabei führt Wintershall Dea nicht die Dialogforen durch, sondern eine Rosenheimer Moderatorin, die auf Mediationsverfahren spezialisiert ist. Sie hatte die Teilnehmer für die Dialogforen ausgesucht, die einen Querschnitt der Gesellschaft abbilden sollen. „Eine ‚Aufweitung‘ der Gruppe würde aus Sicht von Frau Herrlein einen fruchtbaren Dialog eher behindern“, sagt Mösche. Nichtsdestotrotz wurde ein Kompromiss gefunden. Der Kreis wird nun um zwei bis drei Personen erweitert. Dörner appelliert an seine Mitbürger. „Wir suchen Menschen die Fachkenntnisse habe, die uns allen helfen“. Denn auch das ist ein Bedenken Dörners. Wintershall Dea besitzt eine fachliche Kompetenz, der der Laie nichts entgegenzusetzen hat. „Wintershall Dea kann jedes Argument umschreiben, der Laie kann das nicht durchblicken und wir können keine fachliche Diskussion, auf Augenhöhe führen.“