Stephanskirchen – Bei Eitzing in der Biodiversitätsgemeinde Stephanskirchen liegen zwei Weiher: Der eine wurde im vergangenen Jahr entbuscht und vom Schlamm befreit, der andere kürzlich. Eine gute Möglichkeit, das Ergebnis zu bewerten. Christiane Mayr vom Landschaftspflegeverband (LPV) zeigt bei einem Rundgang, was es bringt, wenn man die Natur ein Jahr sich selbst überlässt.
„Den südlicheren Weiher haben wir im vergangenen Jahr ausgeräumt“, erklärt die Diplom-Biologin. Im dunkelgrünen Weiher spiegeln sich ein paar Weiden im Wasser. Der benachbarte Teich hingegen wirkt wie eine Schlammpfütze. „Den haben wir in den vergangenen Tagen entschlammt und drumherum abgeholzt, damit er Sonne bekommt und sich regenerieren kann.“
Gleichgewicht
wird erneuert
Die beiden Teiche hatte die Gemeinde Stephanskirchen vor gut 20 Jahren angelegt, nun aber musste man der Eutrophierung, der zunehmenden Verlandung und der Verschattung durch Ufergehölze zu Leibe rücken. Die Expertin erklärt: In den Stillgewässern reichern sich im Lauf der Jahre Nährstoffe an. Dadurch entsteht ein übermäßiges Wachstum von Wasserpflanzen und Algen, was zur Verschlammung und Verlandung führt. Das ökologische Gleichgewicht kommt in den Gewässern durcheinander und bedeutet langfristig den Verlust von Biodiversität.
Betroffen davon sind vor allem Amphibien (Frösche, Kröten, Molche), Libellen und viele andere seltene Wassertiere und Pflanzen. Durch das vermehrte Algenaufkommen bildet sich sauerstoffarmer Bodenschlamm, der durch Faulgasbildung das Gewässer sogar vergiften kann. „Auch wenn der Eingriff jetzt schlimm aussieht, in einem Jahr wird man – wie bei einer Schönheitsoperation – davon nichts mehr sehen“, verspricht die Fachfrau und schwärmt von der Artenvielfalt des schon gereinigten Weihers. Dort tummeln sich Bienen in den Weiden, Libellen schwirren über das Wasser und Kröten können sich sonnen.
Weiter hinten blüht die seltene Reisquecke, im Wasser kann man den fleischfressenden Wasserschlauch und ein Wasserlaichkraut, Froschlöffel und vieles andere mehr ausmachen. „Das sah vor einem Jahr noch nicht so gut aus“, freut sich die Biologin. Der ausgebaggerte Schlamm wird am Ufer einige Tage gelagert, „damit die Viecher rauskrabbeln und wieder ins Wasser zurückkehren können.“
Das mit dem Schlamm ablagern sei sinnvoll und Auflage der Regierung von Oberbayern, die die Fördermittel für diese Naturschutzmaßnahmen zur Verfügung stellt. So wird auch beim Abholzen streng darauf geachtet, dass dies nur außerhalb der Vogelbrutzeit von Oktober bis Februar erfolgt. Kleingewässer sind wertvoller Lebensraum, sind doch die Amphibien, die weltweit zur bedrohtesten Tiergruppe zählen, auf intakte Kleingewässer in der Landschaft angewiesen.
Expertin Mayr führt noch zu einem anderen Projekt bei Landl, wo ein verwunschen wirkender Weiher stark eingewachsen, verschlammt und biologisch fast tot ist. Auch dort hat der LPV eine Entbuschungsaktion mit anschließender Entlandung gestartet. „Das Graffl muss weg“, sagt Mayr und zeigt auf Brennnesseln, Rohrkolben und Wasserlinsen, auch als Entengrütze bekannt.
Die Rückkehr
der Frösche
Altbäume dürfen bei der Entbuschung stehen bleiben, ebenso wertvolle Biotopbäume oder seltenere Baumarten wie die Hainbuche. „Auf jeden Fall muss der ganze Weiher künftig genug Sonne und Licht bekommen.“ Auch das Totholz soll weiter in Frieden ruhen, dient es doch Amphibien und Reptilien als Versteck.
Vor lauter Grün fällt das durch die Gemeinde abgesteckte Areal, wo wilde Schneeglöckchen wachsen, erst gar nicht auf. „Wir vom LPV arbeiten hier eng mit der Gemeinde Stephanskirchen zusammen, die erfreulicherweise auch bei uns Mitglied ist“, erklärt Mayr. Biodiversität ginge alle an. Der LPV will vor allem die Artenvielfalt durch solche Pflegemaßnahmen wiederherstellen. Für das nächste Frühjahr hofft Mayr, dass die ersten Frösche in dem „frisch renovierten“ Biotop Einzug halten.