Buntes Leben im Dorfweiher

von Redaktion

Anglerverein Prutting kümmert sich um Artenvielfalt im Mösl

Prutting – Zu sagen, dass Pruttings Dorfweiher – das Mösl – zusammen mit der darüberliegenden Kirche Mariä Himmelfahrt für das steht, was Prutting ausmacht, ist wohl nicht übertrieben. Es ist ein Bild von einem Ort, der sich seinen dörflichen Charakter noch bewahren konnte, auch im Zusammenleben seiner Bewohner.

Das zeigte sich diesen Sommer auch beim wöchentlichen Pop-up-Biergarten direkt am Weiher, betrieben im Wechsel von den örtlichen Vereinen. Und dort soll, wenn die CoronaEntwicklung in den folgenden Wochen nicht völlig aus dem Ruder läuft, Ende November ein kleiner Weihnachtsmarkt eröffnen, wiederum auf die Füße gestellt von den Vereinen.

26 Vereinsmitglieder hegen die Fische

Da ist es fast klar, dass es auch ein Verein ist, der dafür sorgt, dass das Mösl so schön ist, wie es sich den Betrachtern darstellt: die Pruttinger Anglergemeinschaft. Die 26 Vereinsmitglieder hegen und pflegen nicht nur den Fischbestand im Weiher, sondern auch das Drumherum. Während dieses Drumherum sofort sichtbar ist, bleibt das Leben, das sich im Wasser abspielt, eher verborgen.

Kaum einer weiß, dass sich in dem Gewässer so gut wie alle heimischen Fischarten tummeln, also alles vom Aal bis zum Zander, zum Beispiel Hecht, Barsche, Rotaugen, Moderlieschen und Karpfen aller Arten. Das kommt bei einem Weiher nicht von selbst, vor allem nicht, wenn man weiß, dass das 14000 Quadratmeter große Gewässer 2013 ausgebaggert und deutlich vertieft wurde. Waren es vorher gerade mal noch 1,40 Meter Wassertiefe, sind es seither an den tiefsten Stellen 3 Meter. Zweck der Ausbaggerung war es, das Rückhaltevermögen des Weihers bei starken Regenfällen zu erhöhen.

Nach der Ausbaggerung aber musste er, was seinen Fischbestand anbelangt, ganz neu aufgebaut werden, ein Unterfangen, das nicht von jetzt auf gleich zu erledigen war, sondern Schritt für Schritt erfolgen musste.

Etwa zehn Jahre, so erklären Robert Heilmann und Andreas Wagenstetter, die Vorstände des Anglervereins, dauert es, bis ein Weiher nach einer Ausbaggerung wieder seinen alten Zustand erreicht hat. Dies auch deswegen, weil der Anglerverein Fische nicht nur zum Zweck des Angelns einsetzte, also ausgewachsene Tiere, deren einziger Zweck es ist, baldmöglichst wiederherausgefischt zu werden. Das hätte, so das Selbstverständnis des Vereins, mit einem wirklich lebendigen Gewässer wenig zu tun. Deshalb setzt man zur Unterstützung des Bestandes nur Jungfische ein, wie jüngst kleine Zander: Die brauchen etwa drei Jahre, bis sie „fangfähig“ sind. Die Geduld beim Aufbau des Fischbestandes aber lohnt sich, denn so gibt es in dem Gewässer nicht nur Artenvielfalt, sondern auch eine gesunde Altersstruktur, die es ermöglicht, dass sich der jeweilige Bestand selbst fortpflanzt.

Wenige wissen auch, dass dieser Zustand des Weihers, der so naturgemäß wirkt, nicht lange erhalten bliebe, wenn man ihn sich allein überließe. Der Feind jeden flachen Gewässers sind sommerliche Hitzeperioden. Dabei ist es nicht allein die rasch steigende Temperatur des Mösls, die Probleme bereitet.

Schwierig wird es immer dann, sagt Robert Heilmann, wenn es nach einer längeren Hitzeperiode stark regnet. Das kalte Wasser von oben, das dann meist in immensen Mengen auf den aufgeheizten Weiher trifft, führt in der Folge dazu, dass sich im See sauerstoffreiches Wasser am Boden schichtet. Um dem entgegenzuwirken, muss das Gewässer durch eine Pumpe umgewälzt werden. Aber nicht zu viel, sonst freut sich die Blaualge, die aus dem Weiher in Bälde einen grünlichen Tümpel mache.

Hochwasser macht Tieren nichts aus

Das Übergehen des Mösls nach extremen Starkregenereignissen ist für die Fische übrigens kein großes Problem. Sie kommen mit der plötzlichen „Vergrößerung“ des Weihers und seinem anschließenden „Schrumpfen“ ganz gut zurecht, wie Robert Heilmann erklärt.

Eins steht fest: Dank der Bemühungen des Vereins können die Besucher des nächsten „Events“ am Mösl, sei es der Weihnachtsmarkt oder doch erst wieder der Biergarten im nächsten Jahr, einer Tatsache gewiss sein: Im Weiher herrscht genau so viel buntes Leben wie an seinem Rand – und ziemlich sicher ist man dort auch genauso gut drauf.

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