Bad Feilnbach – Die Corona-Krise ist noch nicht überstanden. Wie die Medical Park Fachklinik für Neurologie Reithofpark in Bad Feilnbach die schlimmsten Wochen der Pandemie überstanden hat und wie sie heute aufgestellt ist, erklärt Geschäftsführer Stephan Merz im Interview.
Wie ist das Team der Fachklinik Reithofpark durch die Krise
gekommen?
Stephan Merz: Wir haben es mit einem großen Kraftakt geschafft, dass unsere Rehaklinik von Corona-Ausbrüchen verschont geblieben ist. Zum Konzept der sicheren Rehabilitation gehörten in der Hochphase der Pandemie neben den Hygiene-, Abstands- und Maskenregeln etappenweise auch sieben Tage Quarantäne der neu aufgenommenen Patienten mit Therapien in „Vollmontur“ auf den Zimmern. Das war eine große Belastung, ein physischer und psychischer Ausnahmezustand. Dafür hat das komplette Team – vor allem in der Pflege – hart gearbeitet. Die Sorge, dass wir das Virus in unsere Klinik hineintragen könnten, ist heute aber noch genauso groß wie am ersten Tag der Pandemie. Das „Nichtendenwollen“ dieser Situation zehrt an den Kräften. Die Leute sind müde, wir verzeichnen erhöhte Krankenstände beim Personal, manch einer hat sich – wie überall im Gesundheitswesen – auch umorientiert. Und natürlich ist es auch für unsere Patienten unbefriedigend, dass das gesellige und kulturelle Leben in der Klinik komplett ausfällt. Es gibt noch keine Konzerte oder Feste, und auch unser Hofcafé muss weiter geschlossen bleiben.
Die Rehaklinik hat auch Senioren aus dem Pflegeheim St. Lukas versorgt.
Nach dem Corona-Ausbruch in diesem Seniorenheim haben wir Stationen für die Evakuierung dieser Menschen freigeräumt und an unseren beiden Standorten in Bad Feilnbach jeweils 15 Senioren aufgenommen, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten. Bei uns wurden sie über fünf Wochen medizinisch versorgt. Mit der Klinik Blumenhof haben wir uns als „Corona-Akutklinik“ aktiv in die Bewältigung der Pandemie eingebracht.
Wie hat die Klinik
die Krise wirtschaftlich überstanden?
Mit staatlicher Unterstützung konnten wir einen Teil der Verluste abfedern. In der orthopädischen Fachklinik, die zu diesem Zeitpunkt noch in Bad Feilnbach angesiedelt war, ging der Bedarf komplett zurück, da keine planbaren Operationen mehr durchgeführt werden durften, um an den Akutkrankenhäusern Betten für Corona-Patienten freizuhalten. Neurologische Erkrankungen machen auch in der Pandemie keine Pause. So hatten wir eine Bettenauslastung von circa 60 Prozent.
Wie gut ist der Reithofpark heute ausgelastet?
Mit der Konzentration der orthopädischen Kompetenz an den Medical-Park-Standorten am Chiemsee und Tegernsee wurde die Bettenanzahl unserer neurologischen Fachklinik Reithofpark von 160 auf 280 erhöht. Die Nachfrage ist so groß, dass wir komplett ausgelastet sein könnten. Unser Nadelöhr sind aber die Fachkräfte. Wir suchen aktuell händeringend zehn Mitarbeiter in der Pflege. Da wir eine Rehabilitation auf hohem Niveau anbieten wollen, verdichten wir nicht, sondern lasten derzeit nur 85 Prozent unserer Betten aus und nehmen aktuell nur 240 Patienten auf.
Interview:Kathrin Gerlach