Unsicherheit über den neuen Ortskern

von Redaktion

Neue Mitte für Bad Endorf – Meinungen über die Gestaltung gehen weit auseinander

Bad Endorf – Die Marktgemeinde Bad Endorf soll durch das städtebauliche Förderprogramm Bayern (ISEK) in den kommenden Jahren umgestaltet werden. Die Aufenthaltsqualität soll verbessert und der Einzelhandel gestärkt werden. Wie – das sei eine Frage, die von den Gewerbebetreibenden ganz unterschiedlich diskutiert wird, sagt Matthias Bergelt, Erster Vorsitzender des Gewerbevereins Bad Endorf.

Uneinigkeit um Durchgangsverkehr

„Es muss was passieren“, sagt Ulrike Peschutter. Ihr gehört die Geschenke-Manufaktur am Bahnhofplatz. „Wenn man sich überlegt, dass wir die Bezeichnung Bad haben, müssen wir im Ortskern attraktiver werden.“

Doch was das konkret bedeutet, darüber herrscht unter den Unternehmern Uneinigkeit. Manche träumten von einer großen Umleitung des Verkehrs und einer Fußgängerzone, erklärt Bergelt. Andere Händler liegen in der Durchfahrt und sagen sie bräuchten den Durchgangsverkehr, um Kunden anzuwerben.

Zu Letzteren gehört Christian Müller Geschäftsleiter vom Sport Oberhorner. „Die Staatsstraße ist unsere Lebensader, die Parkplätze unser Lebensblut.“ Mit seinem Unternehmen habe er sich so spezialisiert, dass die Kunden von weit her zu ihm kommen. „Die müssen vor unserer Tür parken können“, so der Geschäftsinhaber. Das städtebauliche Förderprogramm schreibe Maßnahmen vor, die der Ladenstruktur in Bad Endorf nicht förderlich seien. Und gerade die versuche Müller zu erhalten. Sein Familienbetrieb ist 130 Jahre alt und er wolle ihn an die jüngere Generation weitergeben.

Ein zentraler Punkt bei der zukünftigen Verkehrslenkung ist der geplante Kreisverkehr am Kirchplatz. Bergelt ist vorsichtig optimistisch, dass am Kirchplatz ein Kreisel entsteht. Er ist seit 2009 im Gewerbeverein. Seitdem sei das ein Thema und „es ist bis heute nichts passiert“. Sollte sich die Maßnahme aber konkretisieren, hat Bergelt eine klare Forderung: eine gute Kommunikation zwischen den Behörden und lange Vorlaufzeit. Denn die Einzelhändler, die durch die Bauarbeiten beeinträchtigt werden, müssen früh gerade in Sachen Warenbestellung, planen können.

Müller sagt ganz klar: „Ich habe Angst vor der Baumaßnahme.“ Sollte eine großflächige Umfahrung kommen, dann sei das „enorm schlecht“ für das Geschäft. Peschutta hat bereits einige Ideen, wie Inhaber auch während der Bauzeit Kunden generieren könnten. Sie spricht von Baustellenpartys und Hinweisschildern, man müsse „die Zeit aktiv für den Kunden gestalten.“

In den kommenden Wochen startet das Weihnachtsgeschäft. „Man ist vorsichtig optimistisch“, sagt Bergelt. Doch das sei er auch im vergangenen Jahr gewesen und dann sei der Lockdown gekommen. Den haben die Geschäfte in Bad Endorf „ganz unterschiedlich überstanden“, sagt Bergelt. „Der Endorfer Einzelhandel besteht zum großen Teil aus alteingesessenen Betrieben. Sie haben eine sehr treue Kundenstruktur und eine Eigenkapitaldecke.“ Mit dem Blick auf die steigenden Corona-Infektionen kommen Erinnerungen an das vergangene Jahr auf. Peschutter und Müller haben während der fünfmonatigen Schließung enorme Verluste erlitten.

„Man hat schon Sorge“, so Peschutter. Sie führt Österreich als Beispiel an. Dort brauchte man zunächst einen 2G-Nachweis, um die meisten Geschäfte zu betreten, nun der Lockdown für Ungeimpfte.

Sorge wegen Infektionszahlen

Sollte das auch hierzulande kommen, „wissen wir überhaupt nicht, ob wir das kontrollieren können und ob das machbar ist“, äußert sich die Ladenbesitzerin.

Auch Müller blickt mit Sorge in die Zukunft. Das Weihnachtsgeschäft als solches, sei schon rückläufig, hinzu kommt jetzt auch noch Corona „Es ist eine Katastrophe. Keiner kennt sich aus“, sagt Müller und äußert im gleichen Atemzug seine Hoffnung für die kommenden Monate: „Das Leben muss aufrechterhalten bleiben.“

Artikel 1 von 11