Riedering – Regelmäßig hatten seit 2005 die Damen des Bastel- und Handarbeitskreises Riedering ihren Weihnachtsbasar im Pfarrheim abgehalten. Über 75000 Euro haben sie auf diese Weise für die sozialen Belange der Riederinger Bürger und Institutionen gesammelt. Doch nun ist Schluss: Den Damen wird es zu viel, schon allein wegen der Corona-Auflagen, aber leider ist kein Nachwuchs in Sicht.
„Von einigen im Ort wurden wir als tragende Säule gelobt“, erzählt Gerlinde Wagner vom Weihnachtsmarktkomitee, aber wehrt jegliches Lob bescheiden ab. Die 72-Jährige wurde von einer Freundin für die Idee eines Wohltätigkeitsbasares zugunsten von Mitbürgern oder lokalen Institutionen inspiriert und konnte schnell die Damen im Bastel- und Handarbeitskreis für diese Idee begeistern. Und da sich die Damen auch sonst immer einmal im Monat zum gemeinsamen Basteln und Handarbeiten im Pfarrheim treffen, war auch schnell der Ort für eine solche Veranstaltung gefunden. Josefine Blunser (76) war gleich von Anfang an dabei. „Viele aus dem Ort halfen zusammen und haben zum Erfolg beigetragen“, betont Gerlinde Wagner. Die einen banden Kränze, die anderen buken Plätzchen und Kuchen, die einen halfen in der Küche oder standen vorne am Buffet. „Mein Mann schälte immer die Kartoffeln für die Kartoffelsuppe,“ erzählt Josefine Blunser. Jede aus dem Arbeitskreis habe sich mit ihren Talenten eingebracht, sagt Gerlinde Wagner: „Da wurde nicht verglichen oder ein Wettbewerb veranstaltet.“ Was mit Mundpropaganda und einem kleinen Flyer am Edeka-Markt im Herbst 2005 startete, wurde schnell zum Selbstläufer. Und die Besucher kamen bis aus München. Da war was los im Ort, „die Schlangen standen teilweise schon vor dem offiziellen Beginn um 10 Uhr vor der Tür“, erinnert sich Gerlinde Wagner: „2019 haben wir binnen eineinhalb Stunden beispielsweise über 200 Teller Plätzchen à 300 Gramm verkauft, und einmal waren schon am frühen Nachmittag alle 50 Kuchen ausverkauft.“ Mit dem Erfolg des Marktes wurde aber auch die organisatorische Arbeit von Jahr zu Jahr mehr: „Nach dem Basar war vor dem Basar“, so Gerlinde Wagner. Im vergangenen Jahr musste der Markt coronabedingt abgesagt werden, und auch heuer gab es kein grünes Licht für einen Weihnachtsmarkt, wie man es in Riedering gewohnt war. Und da die Damen, wie sie selbst sagen, nicht jünger werden, haben sie gemeinsam beschlossen, den Weihnachtsmarkt für immer abzusagen. Die Entscheidung sei ihnen nicht leicht gefallen. Denn sie seien dankbar für die Unterstützung aus dem Ort und zählen einige Mithelfen auf: Die Kirche, die Verwaltung, die fleißigen Kranzbinderinnen, die Kuchen- und Plätzchenbäcker und die Musikanten: „Hoffentlich haben wir niemanden vergessen,“ lachen sie beide. Doch dann werden sie schnell wieder ernst: Sie hätten überall herumgefragt, in der Familie, im Bekanntenkreis, im Ort, aber es fand sich niemand, der die Organisation des Weihnachtsmarktes übernehmen wollte. Dabei hätten sie lange Checklisten, „das ist alles vorhanden.“ Zum Ratschen und Basteln wollen sich die Damen vom Handarbeitskreis weiterhin treffen, und vielleicht gibt es ein Weihnachtswunder und es findet sich noch jemand, der den Weihnachtsmarkt organisieren will. Elisabeth Kirchner