Flüchtlingshelfer schlagen Alarm

von Redaktion

Zu viel Bürokratie und eine instabile Lage: Nun fordert der Helferkreis in einem dramatischen Appell Unterstützung von der Gemeinde Samerberg und der Politik.

Samerberg – Durch die Wucht der Corona-Pandemie ist so manches andere Thema in den Hintergrund und scheinbar auch ein wenig in Vergessenheit geraten, so zum Beispiel die Situation der Geflüchteten und ihrer Helfer im Landkreis Rosenheim.

Zahl der Unterstützter
nimmt rapide ab

Mit seinem aktuellen Situationsbericht richtet Dr. Rainer Schmähling, Sprecher des Helferkreises Samerberg, nun einen klaren Appell um Unterstützung an den Gemeinderat.

„Die Arbeit, die im Moment anfällt, ist auf Dauer so nicht zu leisten“, sagt Schmähling. Seine Bitte an den Gemeinderat ist klar: personelle Unterstützung seitens der Gemeinde und ein Appell an die Politik, bestimmte Prozesse, zum Beispiel Impfungen, bereits in den Erstaufnahmeeinrichtungen durchzuführen, um die Ehrenamtlichen zu entlasten.

Seit 2014 die ersten Geflüchteten am Samerberg ankamen, wurden sie dort von einem gut aufgestellten Helferteam in allen Belangen unterstützt. Es handelte sich größtenteils um bereits anerkannte Flüchtlinge, die mit Sprach- und Integrationskursen über einen längeren Zeitraum auf den deutschen Alltag vorbereitet werden konnten.

Die Helfer standen umfänglich mit Rat und Tat zur Seite, wenn es um Arztbesuche, Behördengänge oder Einkäufe ging. Auch eine zusätzliche Lernförderung der Schulkinder durch den engagierten Helferkreis war bislang möglich.

Das Bild hat sich laut Schmähling jedoch mittlerweile komplett verändert. Während der Pandemie durften die Helfer die Flüchtlingsunterkünfte nicht betreten. Die meisten der ursprünglich betreuten Bewohner sind in der Zwischenzeit weggezogen, die Kontakte abgebrochen. Außerdem, beklagte Schmähling, sei der Kreis der Helfer von anfänglich elf auf nur noch drei zusammengeschrumpft.

Aktuell sind in den vier Unterkünften in Eßbaum und Törwang zehn Familien untergebracht. Es sind 44 Personen, mehr als die Hälfte davon Kinder. Der Großteil der Geflüchteten stammt aus Nigeria und ist noch nicht anerkannt, beziehungsweise geduldet. Die Wahrscheinlichkeit einer Anerkennung ist eher gering, die Fluktuation in den Unterkünften hoch. Da die Anbindung zu Ärzten und Einkaufsmöglichkeiten am Samerberg sehr ungünstig ist und der ÖPNV teuer und schlecht vernetzt, versuchen die Migranten, so schnell wie möglich an andere Orte zu ziehen.

Dies führe, so Schmähling, insgesamt zu einer sehr instabilen Situation, die im Weiteren dadurch erschwert wird, dass unter den Geflüchteten kaum Menschen mit Englischkenntnissen zu finden seien.

Als größtes Problem sieht Schmähling jedoch die aufwendige Bürokratie und die teilweise schlechte Koordination im Landratsamt Rosenheim, die die freiwilligen Helfer an ihre Grenzen bringt.

Bürgermeister will
Unterstützung prüfen

Bürgermeister Georg Huber sagte zu, verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten zu prüfen, und ergänzte, dass Bundestagsmitglied Daniela Ludwig Ende November zu einem Ortstermin in den Samerberger Kindergarten kommen werde. Bei dieser Gelegenheit werde die Verwaltung auch den zuständigen Abteilungsleiter des Landratsamtes einladen und die geschilderten Probleme ansprechen.

Als kleines Dankeschön für die geleistete Arbeit überreichte Bürgermeister Huber einen Tankgutschein für die ehrenamtlichen Helfer an Dr. Schmähling.

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