Bad Endorf – Eine Großtagespflegestelle für die Kleinsten und die Ältesten der Marktgemeinde in einem ehemaligen Bauernhof in Mauerkirchen – diese Vision präsentierten Amelie Guggenberger, Teamleitung „Kinder, Jugend & Familie“ und Stefan Müller, stellvertretender Kreisgeschäftsführer vom BRK-Kreisverband Rosenheim den Gemeinderäten der Marktgemeinde Bad Endorf. Aufgrund der Frage nach der Finanzierung des Projekts und der Nachfrage werden die Gemeinderäte erst im kommenden Jahr über das Projekt entscheiden.
Die Vorteile
der Einrichtung
Jung und Alt unter einem Dach mit Tagesbetreuung vereint, der Mehrwert liege auf der Hand, warb Guggenberger. Das Miteinander werde gestärkt und wirke der Generationenkluft entgegen. Im alten Wohnhaus soll im Erdgeschoss samt großer Gartenfläche die Großtagespflege stattfinden, im Obergeschoss soll der Tageskindertreff, in Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendamt, und im zweiten Obergeschoss Büros für Mitarbeitende angesiedelt werden. Auch wenn „vieles noch nicht konkret“ sei, wolle man „die Renovierung des alten Wohnraums in einem ersten Bauabschnitt zeitnah angehen“ und im Herbst 2022 mit der Kinderbetreuung starten, sagte Guggenberger.
Eine Großtagespflege biete viele Vorteile. So sei die Großtagespflege eine familiennahe Alternative der Kinderbetreuung zu Kindertageseinrichtungen. 16 Betreuungsplätze für Krippenkinder, davon zehn gleichzeitig anwesend, mit zwei bis drei Tagespflegepädagoginnen biete flexible Betreuungszeiten. Zudem erfolge das Förder- und Finanzierungssystem über das BayKiBiG-Web wie auch bei andern Kindertagesstätten und stelle somit eine geringeres finanzielles Risiko für die Gemeinde dar. Und, so Guggenberger weiter: „Anders als bei der Kinderkrippe, wird die Großtagespflege pauschal mit dem Gewichtungsfaktor 1,3 gefördert, was einen geringeren Finanzierungsbetrag für die Gemeinde darstellt.“
Die Organisation der Einrichtung liege zu 100 Prozent beim BRK als Träger, fügte die BRK-Vertreterin noch an. Voraussetzungen aber wären eine gemeinsame Kooperationsvereinbarung und dass die Gemeinde einen Zuschuss für Beschaffung der Erstausstattung nach Vorlage eines Kostenplanes gewährt. Der zweite Bauabschnitt bezüglich der Tagespflege für Senioren soll dann später in einem zweiten Bauabschnitt erfolgen.
Eduard Huber (Grüne) erkundigte sich, ob es Bedarf gebe und was eine Kinderkrippe von einer Großtagespflege unterscheide. Guggenberger antwortete, dass sie – nach Rücksprache mit anderen Einrichtungen im Ort – sehr wohl Bedarf sehe. Da auch Gastkinder aufgenommen werden können, sei auch eine Kooperation mit Nachbargemeinden möglich. Die Entscheidung einer Betreuung ihrer Kinder obliegt den Eltern, betonte Guggenberger, sie sagte aber auch, dass Krippenplätze generell Mangelware sind. Eine Großtagespflege sei eine Alternative, bei der „das Kind einer Betreuerin höchstpersönlich zugeordnet“ werde.
Tagesmütter sind beim BRK angestellt
Auf Nachfragen von Martin Both (Grüne) führte Guggenberger an, dass im Chiemgau Eltern mehr nach Tagespflegeplätzen als nach Krippenplätzen suchten. Wolfgang Kirner (SPD) wollte wissen, was mit den Tagesmüttern vor Ort werde. Eine Tagesmutter habe sich schon initiativ beim BRK beworben, erklärte Guggenberger. Tagesmütter operierten normalerweise selbstständig, beim BRK seien sie angestellt. Bettina Scharold (CSU) wollte mehr Zahlen hinsichtlich Bedarf, Aufwand und Kosten vor einer Entscheidung haben.
Bürgermeister Alois Loferer (CSU) beschied, „mutig und eng gestrickt“ die Großtagespflege im kommenden Herbst starten zu wollen, erklärte aber, dass die Fragen nach Finanzierung und Bedarfszahlen geklärt und Anfang kommenden Jahres beraten werden sollen.