Simssee – Drei Jahre lang waren Taucher im Simssee unterwegs, untersuchten in verschiedenen Tiefen das gesamte Gewässer auf den Bewuchs mit Wasserpflanzen und kartierten diese. Das Ergebnis stellten Dr. Thomas Bittl und Dr. Hadumar Roch vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim jetzt vor.
Von 2018 bis 2020 dauerte die Untersuchung des Simssees auf Makrophyten (Wasserpflanzen, die als Einzelexemplare mit bloßem Auge zu erkennen sind, Anm. der Red.) durch Wiener Wissenschaftler. Die Auswertung und Aufbereitung ist voraussichtlich zum Jahresende fertig. In Kürze, so Roch in der Sitzung des Abwasserzweckverbandes Simssee, soll das Ergebnis auf der Internetseite des Landesamtes für Umwelt zu finden sein.
Unterteilung in
41 einzelne Gebiete
Was beiden Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes sehr wichtig ist: Es handelt sich nicht um ein umfassendes Seegutachten. Dazu hätten noch ganz andere Daten – zum Beispiel das Vorkommen von Algen, das Plankton im Freiwasser, die Nährstoffe im Wasser (Phosphor, Sauerstoff und andere) in verschiedenen Tiefen – gesammelt werden müssen. Die vorliegende Arbeit sei eine dreijährige Bestandsaufnahme des Pflanzenbewuchses des Sees. Trends ließen sich an den Daten von drei Jahren kaum ableiten, so Bittl. Umso weniger, wenn ein Dürrejahr wie 2018 dabei sei. Denn in dem Jahr gab es mangels Regen deutlich weniger Eintrag in den See.
In den 41 Kartierungsgebieten, in die der Simssee unterteilt wurde, wurden 40 verschiedene Wasserpflanzentypen gefunden. Die Hälfte davon war in allen drei Jahren nachweisbar, die andere Hälfte nur in einem oder zwei Jahren. Von den 20 Pflanzenarten, die den Tauchern in allen drei Jahren vor die Masken kamen, sind nahezu alle typisch für die bayerischen Voralpenseen, so Bittl. „Das Artenspektrum ist nicht schlecht, aber die Gewichtung nicht ideal“, lautet Bittls Fazit. Zum Beispiel seien die Armleuchteralgen zurückgegangen, „kein gutes Zeichen, denn die sind sensibel“. Belastungsschwerpunkte seien vor allem an den größeren Zuflüssen zum See auszumachen, so Bittl. Das Artenspektrum habe sich seit der letzten größeren Untersuchung von 1991 nicht wesentlich verändert. Allerdings sei die Häufigkeit der einzelnen Arten rückläufig. Verbandsrat Richard Mühlbauer merkte an, dass auch die 1990er verhältnismäßig trocken gewesen seien, der Eintrag an Nährstoffen deswegen eher gering.
Es könne niemand beurteilen, wie der Simssee heute aussehe, hätte der AZV nicht Schutzmaßnahmen ergriffen, fügte Bittls Kollege Roch an. Verbandsrat Christof Schlaipfer ergänzte: „Wir sehen erst nach Jahren und Jahrzehnten die Effekte unserer Handlungen. Und genau das ist das Problem.“ Zudem reagieren Seen träger als Fließgewässer.
Das Einzugsgebiet des Simssees gehört seit 2020 für die Landwirtschaftsverwaltung zum „gelben Gebiet“, so Bittl, das heißt, die Verwaltung definiert hier Maßnahmen zur Phosphorreduzierung, die die Landwirte umsetzen müssen.
Was sowohl Riederings Bürgermeister Christoph Vodermaier als auch Roch freut: die gute Zusammenarbeit von AZV, Wasserwirtschaftsamt, Edeltraut Wissinger vom Büro Ecozept, Landwirten und Gemeinden. Er sprach sich dafür aus, auch den Bund für Umwelt- und Naturschutz mit einzubinden. „Es ist der große Vorteil, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen – nur so geht‘s“, befand Roch.
Gewässerqualität ist
eher mittelmäßig
Wenn es um die Wasserrahmenrichtlinie der EU geht, die die Qualität des Seewassers definiert, verfehlt der Simssee seit Jahren den geforderten „guten Zustand“, so Bittl. „Er ist ein satter Dreier statt des angestrebten Zweiers“, formuliert es Stephanskirchens Bürgermeister Karl Mair, Vorsitzender des AZV. Er nahm die Studie als Ansporn, mit den Schutzmaßnahmen weiterzumachen.
Auf die Badeseequalität hätten die Wasserpflanzen keine Auswirkungen, so Bittl, und an den großen Badeplätzen zeige der Bewuchs eher weniger Nährstoffeintrag an. Eines dürfe man allerdings nicht vergessen: „Der Simssee ist ein Ökosystem, kein Freibad.“