Frasdorf – Den beiden Landwirtinnen Christiane Vog- genauer und Rosina Gabriel aus Frasdorf liegt das Tierwohl am Herzen. Deswegen haben sie sich im März mit ihrem Bergbauernwagerl in der Direktvermarktung ihres Fleisches selbstständig gemacht.
Keine
Tiertransporte
„Der Grund, warum wir uns entschlossen haben, in die Direktvermarktung zu gehen, war, dass wir lebende Tiertransporte vermeiden wollen“, erklärt Voggenauer ihre Motivation. Seit März fahren sie und ihre Geschäftspartnerin Rosina Gabriel auf die heimischen Regionalmärkte und preisen dort ihre Fleischprodukte an. Das Besondere: Bei ihnen wird das „Tierwohl und die Wertschätzung von Natur und Tier“ großgeschrieben, beschreibt Voggenauer ihre Philosophie.
Konkret bedeutet das, dass die Tiere vor allem in Alm- und Weidehaltung aufgezogen werden. Voggenauer und Gabriel halten die Rinder zum Teil selber, arbeiten aber auch mit umliegenden Landwirten zusammen.
Das Tierwohl endet aber nicht mit der Aufzucht. Die Rinder werden deshalb nicht in Massentiertransportern zum Schlachter gebracht. Denn der Stressfaktor des Tieres wirke sich auf die finale Fleischqualität aus, meint Voggenauer. „Es macht einen Unterschied, wenn das Rind alleine ohne fremde Tiere zum Schlachter transportiert wird und der Landwirt dabei ist.“
Es sei schwer, einen Schlachter zu finden, der ohne Konservierungsstoffe arbeitet und passend zu den Markttagen schlachten kann. Das Handwerk werde seltener und hinter dem Vakuumieren und Etikettieren der Ware steckt ein „hoher Aufwand“, so Voggenauer. Langfristig wollen die Geschäftsführerinnen auf eine mobile Schlachtung umsteigen. Das bedeutet, dass das Tier gar keinen Transportweg mehr hat.
Das schlägt sich auch im Preis nieder. „Wir sind nicht teurer als andere Direktvermarkter“, sagt die Landwirtin. Jedoch bewegt sich ihr Fleisch in einer anderen Preisklasse, als ein Stück vom Lebensmittelladen.
„Dabei machen wir noch nicht mal einen großen Gewinn.“ Voggenauer erzählt, dass sie bei ihren Planungen schon zu hören bekommen habe, „dass so einen Preis keiner zahlt“. Doch die Landwirtin ist sich sicher, dass der Preis kein Ausschlusskriterium ist. Das Tierwohl sei vielen Verbrauchern wichtiger.
„Lebensmittel sollen aus der Region kommen“, ist ein Fazit des diesjährigen Situationsberichts des Deutschen Bauernverbandes. Bei Fleisch und Wurstwaren gilt das für drei Viertel der Befragten. Die Direktvermarktung habe in den vergangenen Jahren zugenommen, sagt ein Sprecher des Bayerischen Bauernverbandes. „Gerade durch Corona hat sie ein Hoch erfahren.“
Die Öko-Modellregion Hochries-Kampenwand unterstützt die Direktvermarkterinnen aus Frasdorf mit ihrem Bergbauernwagerl durch das Projekt „Alternative Wege für Bio-Kalb- und Rindfleischvermarktung“. Die Öko-Modellregion setzt sich für den Aufbau einer Wertschöpfungskette für regionales Bio-Rindfleisch ein. Voggenauer sagt ganz klar, „ohne die Öko-Modellregion wären wir nie soweit gekommen.“ Über die Projektmanagerin Steffi Adeili haben die beiden Frauen alle nötigen Informationen und Schulungen bekommen. Eine finanzielle Förderung gab es nicht.
Locker eine
80-Stunden-Woche
„Es ist ein Wahnsinn, was man in einem Jahr packen kann“, sagt Voggenauer stolz. Sie und ihre Geschäftspartnerin arbeiten rund 80 Wochenstunden. Doch die Arbeit zahle sich durch das gute Feedback aus. Frasdorfs Bürgermeister Daniel Mair ist „stolz“, zwei so engagierte Landwirtinnen in seiner Gemeinde zu haben, die regionale Produkte vermarkten. Voggenauer und Gabriel haben Mair zum Dank für die Unterstützung das sogenannte „Bürgermeisterstück“, ein sehr feines Bratenstück, überreicht. Wie es schmeckt, konnte Mair den OVB-Heimatzeitungen noch nicht verraten, es wird fürs Weihnachtsfest aufgehoben, erklärt der Bürgermeister lachend.