Nachruf

von Redaktion

Griesstätt – Im Jahre 1996 zog Josef Waldert gemeinsam mit seiner Frau zur Tochter nach Griesstätt. Auf dem Griesstätter Friedhof fand er jetzt seine letzte Ruhestätte. Viel hat der 94-Jährige in seinem langen Leben erlebt, was aus dem von Dekan Klaus Vogl beim Seelengottesdienst vorgetragenen Lebenslauf hervorging.

Geboren wurde Josef Waldert am 12. März 1927 im damals reichsdeutschen Prag im Egerland. Auf dem Schloss seiner Eltern in Kleinwerscheditz im Sudetenland, zu dem auch zwei Hotels in Karlsbad, sowie ein Kaolinwerk und ein Sägewerk gehörten, wuchs er mit seiner Schwester auf. Nach der Volksschule im Nachbardorf Thönischen besuchte er die Oberschule in Aussig an der Elbe und anschließend die Höhere Landwirtschaftsschule in Kaden an der Eger, um später das über 220 Hektar große landwirtschaftliche Gut, die Hotels, das Kaolinwerk und das Sägewerk seiner Eltern weiterzuführen.

Es kam jedoch anders, da er als 17-Jähriger wie damals so viele Gleichaltrige zum Arbeitsdienst und anschließend zur Wehrmacht einberufen wurde. Nach einem kurzen Kriegseinsatz an der Ostfront kam er zurück nach Gotha. Dies rettete seine Einheit und ihn vor einem Kriegseinsatz in Russland und anschließender russischer Gefangenschaft in Sibirien. Allerdings geriet er mit seinen Kameraden in amerikanische Gefangenschaft, wobei er und seine Kameraden viele Wochen bei Bad Kreuznach auf offenen Wiesen ausharrten.

Stark abgemagert auf 48 Kilogramm wurde er nach seiner Entlassung von einem Weinbauer in Frickenhausen am Main aufgenommen. Trotz schwerer Arbeit konnte er sich bald wieder erholen. Als Mitarbeiter eines Weingroßhändlers und später bei einem Lebensmittelgroßhändler verdiente sich Waldert anschließend seinen Lebensunterhalt. Im Juni 1952 schloss er mit seiner Frau Annelies, die er in Gunzenhausen kennenlernte, den Bund fürs Leben. Noch im selben Jahr wechselte er beruflich zum damaligen Holsteinischen Margarinewerk Hamburg, bei dem er für ganz Bayern zuständig war. Zehn Vertreter waren ihm unterstellt. Nach dem Verkauf dieser Firma arbeitete Josef Waldert in München bei der Bayerischen Lagerversorgung, bei der Metro und bei Rewe in verantwortlichen Stellungen bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1992.

Vier Jahre später zog er mit seiner Frau nach Griesstätt. Gemeinsam mit der Tochter, die bereits in der Gemeinde wohnhaft war, wurde im Jahre 2001 ein Wohnhaus errichtet und bezogen. Obwohl herrschaftlich erzogen und aufgewachsen, blieb der Verstorbene stets bescheiden, fürsorglich und großzügig. Ein wichtiger Lebensmittelpunkt war ihm immer seine Familie. In allen Bereichen unterstützte und förderte er seinen Enkel Maximilian, genauso wie immer auch seine Tochter. Rührend kümmerte er sich auch um seine Frau Annelies. Bis zu seinem Tod besuchte er sie täglich im Pflegheim. Neben seinem Enkel, dem Garten, den Blumen und dem Haus, galt seine große Begeisterung der Musik aus seiner Heimat von Ernst Mosch und den Original Egerländer Musikanten. Über 70 Konzerte von ihnen besuchte er gemeinsam mit seiner Familie. So spielte jetzt auch eine Quintettbesetzung dieser Musiker für ihren treuen und beliebten Fan auf seinem letzten irdischen Weg.ala

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