Stephanskirchen – Zwei Ladesäulen mit vier „Zapfpunkten“ für E-Autos im weiträumigen Gemeindegebiet, das ist nicht üppig. Zum Vergleich: In Wasserburg, etwas mehr Einwohner aber etwas weniger Fläche, gibt es neun Standorte mit 24 Ladepunkten.
Aus der Gemeindeverwaltung kam der Vorschlag, an vier weiteren Standorten im Stephanskirchener Gemeindegebiet Ladesäulen aufzustellen. Das kam im Umwelt- und Verkehrsausschuss auch prinzipiell gut an.
Nicht nur Säulen
mit 22 Kilowatt
Erika Riedrich (Parteifreie), selbst mit einem „Stromer“ unterwegs, stieß sich allerdings daran, dass nur Ladesäulen mit 22 Kilowatt geplant waren. Die meisten aktuellen E-Autos und Plug-in Hybridautos (können zwischen Strom und Verbrennungsmotor wechseln, Anm.d.Red.) könnten mit mehr Kilowatt laden, müssten nicht stundenlang an den schwächeren Säulen stehen. Dem solle die Verwaltung doch noch einmal nachgehen.
Das Ergebnis wurde jetzt in der letzten Gemeinderatssitzung des Jahres vorgestellt. Matthias Nesslauer von „Innergie“, die schon die Ladestationen am Sportplatz in Waldering 2018 und am Rathaus in Schloßberg 2019 eingerichtet hatten, berichtete, dass an zwei Standorten – in der Kuglmoosstraße am Parkplatz neben der Kirche und am Spindlergrabenweg am Parkplatz Leiten – die technischen Voraussetzungen gegeben seien, Säulen mit 50 und 150 Kilowatt Ladeleistung aufzustellen. In der Hubertusstraße in Haidholzen und in der Schömeringer Straße am neuen Parkplatz der Schule sei dies nicht der Fall.
Eine Nachrüstung an diesen Standorten erscheine ihm auch nicht sinnvoll, so Nesslauer. In der Hubertusstraße sind die Ladesäulen vor allem für die Bewohner der Mehrfamilienhäuser gedacht, die sich keinen privaten Anschluss legen lassen können. Die Erfahrung zeige, so Nesslauer, dass abends zum Aufladen angehängte Autos üblicherweise die ganze Nacht an der Ladesäule stehen. Das sei bei Ladezeiten von drei Stunden und mehr zu vertreten. An Schnellladestationen seien die meisten Autos nach einer guten Stunde wieder vollgeladen. Wenn dann nicht umgeparkt werde, könne das für einigen Ärger in der Nachbarschaft sorgen. Vom baulichen Aufwand für die nicht nur schnelleren, sondern auch größeren Ladestationen gar nicht zu reden. Da halte er es für sinnvoller, bei Bedarf noch weitere Säulen aufzustellen. „Aber nicht die ganze Hubertusstraße vollpflastern, denn jeder Ladepunkt kostet einen Parkplatz“, warnte Thomas Riedrich (Parteifreie). Wenn dann Verbrenner auf den Ladeparkplätzen stünden, gebe es erst richtig Ärger. Zumal, wenn ein Benziner oder Diesel abgeschleppt werde.
Steffi Panhans, wie Riedrichs mit Strom unterwegs, wollte die Ladekosten wissen. Da musste Nesslauer passen, denn das hänge von der Karte des Fahrers und deren Konditionen ab. Meist seien es zwischen gut 30 und knapp 50 Cent pro Kilowattstunde an den schwächeren Ladesäulen. Die Innergie-Ladesäulen akzeptieren nach seinen Worten gut 90 Prozent aller Ladekarten. Nur bei denen, die mit EC- oder Kreditkarte oder per Paypal zahlen, habe Innergie Einfluss auf den Preis.
Gäbe es auch für Ladesäulen an Betrieben eine Förderung, wollte Steffi Panhans weiter wissen. Ja, wenn diese öffentlich zu nutzen seien. Gerhard Scheuerer (Parteifreie) fragte nach, ob denn mal mit den Tankstellen in der Gemeinde gesprochen worden sei. Denn mit denen trete die Gemeinde mit den Ladesäulen ja doch in Konkurrenz. Nein, so Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie), denn die beiden Tankstellen im Ortskern hätten für mehrere Ladepunkte gar keinen Platz. Die müssten sich ohnehin über kurz oder lang etwas einfallen lassen, so Thomas Riedrich, denn in absehbarer Zeit würden keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr gebaut. Schon heute, so Nesslauer, machten Hybrid- und vollelektrische Autos fast die Hälfte aller Neuwagenzulassungen aus.
Vier Standorte mit
zwei Varianten
Da die Neuwagen alle mit 50 oder 150 Kilowatt abzapfen können, beschloss der Gemeinderat einstimmig, zwei schnellere Ladesäulen an der Kuglmoosstraße und am Parkplatz Leiten zu installieren, an der Schömeringer und der Hubertusstraße werden es 22-Kilowatt-Säulen. Nach Abzug der staatlichen Förderung und der Investitionskostenübernahme durch Innergie zahlt die Gemeinde für die vier neuen Standorte 38500 Euro.