Skitourengeher trifft Haselhuhn

von Redaktion

Sportler sollen in der Ökomodellregion Achental die Geigelstein-Schutzzonen beachten

Sachrang – Das Naturschutzgebiet Geigelstein hat im Sommer sein 30-jähriges Bestehen gefeiert. Der Naturschutz aber hört natürlich nie auf. Deswegen weist die Ökomodellregion Achental auf die gefährdeten Bestände der Raufußhühner hin und bittet Skitourengeher, nicht in die ausgewiesenen Schutzzonen einzudringen.

Birk-, Auer-
und Haselhuhn

Das rund 3000 Hektar große Schutzgebiet um den Geigelstein erstreckt sich von Sachrang im Priental bis Schleching im Achental. Gleichzeitig ist das Schutzgebiet ein Natura-2000-Gebiet. Das bedeutet, dass die Flora und Fauna in dem Gebiet besonderen Schutzrichtlinien unterliegt.

Rund um den Geigelstein sind das Birkhuhn, Auerhuhn und Haselhuhn angesiedelt, denen ein besonderer Schutzstatus zukommt. „Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, wurden im Geigelsteingebiet Ruhezonen ausgewiesen, die von Anfang Dezember bis Ende Mai nicht betreten werden dürfen“, heißt es in der Pressemitteilung der Ökomodellregion Achental.

„Die Schutzzonen im Naturschutzgebiet sollen und müssen eingehalten werden“, sagt Schlechings Altbürgermeister Fritz Irlacher. Er hat in den 90er-Jahren mit anderen Achental-Gemeinden das Ökomodell Achental gegründet und war ein Pionier in Sachen sanfter Tourismus.

„Wenn die Population der Raufußhühner im Winter in ihrer Ruhe gestört wird, ist das ganz schlimm“, betont Irlacher. Denn, so das langjährige Mitglied der Bergwacht, der Skitourismus habe in den vergangenen Jahren „unwahrscheinlich zugenommen“.

Trotz 30 Jahre Naturschutzgebiet gelte es nach wie vor zu sensibilisieren, so Irlacher. Die Besucherlenkung steht demnach an erster Stelle.

„Bereits an den Parkplätzen werden die Tourengeher über die Schutzzone aufgeklärt“, so die Auskunft vonseiten der Ökomodellregion Achental. Hinweistafeln und Flyer klären den Sportler über mögliche Tourenwege, die freigegebenen Bereiche und die Lebensweise der Raufußhühner auf.

Die Einhaltung der Schutzzonen wird auch kontrolliert. Von Naturschutzwächtern und Polizisten der Alpinen Einsatzgruppe. „Die Beamten der Alpinen Einsatzgruppe (AEG) gehen in (Alpin)Uniform auf Streife im Bereich des Geigelsteins – soweit möglich in Begleitung eines Naturschutzwächters des Landratsamtes“, erklärt Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern. Vordringlichstes Ziel sei die Prävention. Naturschutzwacht-Angehörige hielten sich hier an den Kontrolltagen im Bereich des Parkplatzes auf und sensibilisierten die Tourengeher. „Nach unseren Beobachtungen hat sich die Lage – das Einfahren in die geschützten Bereiche – in den letzten Jahren durch unsere offene, polizeiliche Präsenz schon wesentlich verbessert“, so der Pressesprecher weiter. Sollte ein Tourengeher erwischt werden, der in eine Schutzzone fährt, kann es für ihn teuer werden.

„Ein Verstoß gegen das Betretungsverbot stellt eine Ordnungswidrigkeit nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz in Verbindung mit der Verordnung über das Naturschutzgesetz Geigelstein dar, welche mit einem Bußgeld bis 25000 Euro geahndet werden kann“, sagt Sonntag.

Lawinengefahr
nicht unterschätzen

„Uns ist ein Miteinander wichtig“, sagt der Leiter der Aschauer Tourist Info, Herbert Reiter. „Wir wollen auf unserer Homepage über Skitouren sensibilisieren und informieren.“

Auf der Internetseite finden sich Tourenbeschreibungen sowie die aktuellen Wetter- und Schneeverhältnisse. Denn gerade Letzteres dürfe nicht unterschätzt werden. Die Lawinengefahr in dem Gebiet sei nicht unerheblich, so Reiter.

In dem Bereich gebe es steile Nord- und Südhänge, die die Tourengeher nicht unterschätzen dürfen. „Die Gefahr einer Lawine ist immer gegeben“, sagt Irlacher und betont, wie wichtig es sei, die aktuellen Lawinenlageberichte zu lesen.

Die Alpine Einsatzgruppe

Bei der bayerischen Polizei gibt es seit der Nachkriegszeit Polizeiberg- und Skiführer. Für die alpine Unfallaufnahme und das alpine Einsatzgeschehen wurden in Absprache mit dem Bayerischen Staatsministerium des Innern in den Gebirgsregionen Alpine Einsatzgruppen (AEG) aufgestellt. Die fünf AEG verteilen sich vom Allgäu bis Berchtesgaden und bilden zusammen einen Alpinen Einsatzzug. In den Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd fallen dabei die Alpinen Einsatzgruppen Weilheim, Rosenheim und Traunstein mit insgesamt mehr als 60 Alpinbeamten.

Die Mitglieder einer Alpinen Einsatzgruppe müssen über eine überdurchschnittliche körperliche Leistungsfähigkeit und eine umfassende alpine Erfahrung verfügen. Geeignete Beamte werden zum „Staatlich geprüften Polizeiberg- und Skiführer“ ausgebildet. Jährlich leisten die Polizeibergführer und Sachbearbeiter von Kletterunfällen circa 12000 Einsatzstunden. Weit über 100 Bergunfälle mit im Schnitt über 200 Verletzten, über 100 Skiunfälle und rund 60 bis 70 Todesfällen fallen jedes Jahr an. So mussten die AEG-Beamten aus dem Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd im Jahr 2021 (stand 27. Dezember) bereits 50 tödliche Bergunfälle aufnehmen und bearbeiten.

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