„Wir lassen uns nicht entmutigen“

von Redaktion

Nordzulauf und Atommüllendlager: Bürgermeister Johannes Thusbaß bleibt kämpferisch

Prutting – Liebend gerne hätte Johannes Thusbaß (CSU) eine Bürgerversammlung abgehalten. Ging pandemiebedingt nicht. Also gab es im Sommer Ortsteilgespräche. „Die wurden gut angenommen. Viele Bürger interessierten sich für die Geschehnisse in der Gemeinde“, freut sich der Bürgermeister. Zwar sei nun für das Frühjahr eine Bürgerversammlung geplant, aber am Format der Ortsteilgespräche werde festhalten.

Sanierung des Kindergartens

Der Waldkindergarten am alten Lehrbienenstand ist seit Spätsommer in Betrieb, der Kindergarten an der Alten Landstraße soll in den nächsten Jahren saniert und erweitert werden. Die Maßnahmen werden, so Thusbaß, voraussichtlich „im laufenden Betrieb“ umgesetzt.

Auf großen Anklang stieß im letzten Sommer der Biergarten „Zur Oidn Polizei“ am Mösl. Kurzerhand wurde ein ungenutztes Grundstück der Gemeinde zum Treffpunkt für Jung und Alt umfunktioniert. Wechselnde Gastronomen und Musikanten erheiterten so manchen Sommerabend.

Seit über zehn Jahren beschäftigt sich die Gemeinde mit einem Seniorenzentrum. Der neue Gemeinderat hat sich sehr ausführlich mit einer möglichen Umsetzung auseinandergesetzt. Das Projekt sei stimmig, lediglich die Finanzierung über den gemeindlichen Haushalt schien dem Gemeinderat nicht umsetzbar. „Kürzlich konnte mit einem Projektanten und Betreiber für Seniorenzentren eine Einigung getroffen werden. Das heißt konkret: wir werden ein Seniorenzentrum bekommen – die Bauarbeiten sollen schon im Frühjahr beginnen“, so der Bürgermeister.

Kürzlich konnte die Gemeinde das Baderanwesen ankaufen. Viele kennen es besser als „Bolleyhaus“. Was daraus wird, ist aktuell noch offen. Ideen und Vorschläge können gerne an die Gemeindeverwaltung gerichtet werden, sagt Thusbaß.

Der Schutz vor Hochwasser ist in Prutting schon seit Langem Thema. Kürzlich wurde ein Sturzflutmanagementkonzept beim Wasserwirtschaftsamt beantragt. Außerdem wurde für die Turnhalle ein zusätzlicher Hochwasserschutz in Form von Aludammbalken beauftragt. Diese können im Katastrophenfall schnell eingesetzt werden und benötigen keine weitere Aufsicht. Außerdem wurden für die „Mönche“ (Überläufe am Mösl) kleine Aludammbalken in Auftrag gegeben. Diese helfen, den Wasserstand am Dorfweiher schnell abzusenken.

Seit anderthalb Jahren beschäftigt sich der Gemeinderat immer wieder mit einem Leitbild für Prutting. Im Mai fand eine Klausurtagung von Gemeinderäten und -verwaltung statt. Hier konnten viele grundsätzliche Dinge angesprochen, teils auch schon geklärt werden. In den kommenden zwei Jahren soll gemeinsam mit dem Amt für ländliche Entwicklung ein Gemeindeentwicklungskonzept erarbeitet werden. Ziel ist ein Fahrplan für die bauliche Entwicklung einzelner Orte.

Als harter Schlag wurde von vielen Pruttingern die Bekanntmachung des Raumordnungsverfahrens um den Brenner-Nordzulauf empfunden. Als Ergebnis wurde „unsere“ lila Trasse ausgewählt. Als Nächstes folgt die Vorbereitung zum Planfeststellungsverfahren. „Obwohl wir nach wie vor den Bedarf dieser Neubautrasse infrage stellen, sind Vertreter der Gemeinde laufend mit der Deutschen Bahn und dem Moderatorenteam im Dialog, um Einfluss auf die Planung ausüben zu können. Leider ist dieser Dialog manchmal sehr ernüchternd, aber wir lassen uns hiervon nicht entmutigen“, so der Bürgermeister.

Es folgte ein weiterer Schlag: Die Atommüllendlagersuche im Landkreis Rosenheim. Das gesamte Auswahlverfahren werde noch gut zehn Jahre dauern. Prutting wäre im Bereich von Haidham, Edling und Simssee betroffen. Die Verantwortlichen in den Gemeinden und im Landratsamt seinen im ständigen Austausch, so Thusbaß. „Wir hoffen, dass unsere Region als möglicher Standort für das Endlager ausscheidet.“

Ende 2021 wurde die Gemeinde wegen der Verkeimung des Trinkwassers im letzten Herbst vom Gesundheitsamt Rosenheim dazu ermahnt, den Hochbehälter Königsberg dringend zu sanieren. „Diese Maßnahme können wir leider nicht weiter aufschieben“, so der Bürgermeister. Die Planungen für die Edelstahlsanierung wurden bereits durchgeführt und die Ausschreibungen laufen. Die Umsetzung ist für 2022 geplant. Diese führe wohl zu einer Neukalkulation des Wasserpreises oder der Berechnung eines Verbesserungsbeitrages.

„Ich freue mich
auf die Arbeit“

„Zurückblickend kann ich sagen, dass wir ein bewegtes Jahr 2021 hinter uns haben. Trotzdem freue ich mich jeden Tag über meine Arbeit als Bürgermeister für die Bürger und die Gemeinde Prutting.“ Die Kollegen aus dem Gemeinderat und dem Gemeindebetrieb unterstützten ihn hervorragend, die Belange der Pruttinger Bürger und der Gemeinde zu vertreten. „Das sind die Personen, die mir den Rücken freihalten und mich stärken, damit wir so viele strategische Themen parallel angehen können.“

Rück- und Ausblick

Was hat die Gemeinden im Landkreis Rosenheim im vergangenen Jahr beschäftigt? Was kommt im Jahr 2022 auf sie zu? Die OVB-Heimatzeitungen haben bei den Bürgermeistern angefragt, um den Lesern einen Rück- und Ausblick zu ermöglichen.

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