Großkarolinenfeld/Schechen/ Tuntenhausen – Ob Großkarolinenfeld, Schechen oder Tuntenhausen – die Reaktion ist in allen drei Gemeinden die gleiche: „Unglaublich!“ Nicky Lindner aus Schechen schüttelt erstaunt den Kopf. „Die Ausmaße dieses riesigen Bauwerks waren mir bekannt, aber jetzt werden sie sehr viel deutlicher.“
Überraschende
Dimensionen
Die jeweiligen Bürgerinitiativen gegen den BrennerNordzulauf haben in ihren Gemeinden die Streckenabschnitte der geplanten Trasse abgesteckt und die, die sie sehen, sind durchweg erschrocken von den Dimensionen.
„Von einer Trassenbreite von 70 Metern zu lesen ist eines, diese Breite „in echt“ in der Landschaft zu sehen noch einmal etwas ganz anderes“, erklärt Annerose Krichbaumer, Vorstandsmitglied der Großkarolinenfelder Bürgerinitiative, die Aktion.
Dabei, so ergänzt ihr Vorstandskollege Jakob Wallner, seien die wirklichen Dimensionen ja immer noch nicht auszumachen: Über viele Streckenkilometer sind Dämme nötig, die mit den Lärmschutzwänden eine Höhe bis 16 Meter erreichen: „Da steht man dann buchstäblich vor einer Wand, einer Wand größer als die Chinesische Mauer und viel, viel breiter“.
„Der nördliche Landkreis ist damit von Rosenheim komplett abgeschnitten“, stellt Stephan Dialler, der Dritte Bürgermeister von Schechen, dazu nüchtern fest. Denn eine solche Wand soll in Schechen vom Inn nach Mintsberg und weiter bis Tuntenhausen entstehen.
Die optische Verschandelung einer bislang noch bäuerlich geprägten Landschaft quält die Bürgerinitiativen, „in ihrem Gutachten bestätigt die Bahn, dass sich das Kleinklima in Pfaffenhofen und Umgebung ändern wird. Mit unabsehbaren Auswirkungen auf die Landwirtschaft“, so Dialler. Und es geht landwirtschaftliche Fläche verloren.
Rund 40 Hektar pro Gemeinde wird das Bauwerk verschlingen, eine Größe von insgesamt 180 Fußballfeldern.
„Nimmt man den Flächenverbrauch durch die nötig werdenden Straßenbauten und Ausgleichsflächen hinzu, kommt man allein in unserer Gemeinde auf gut das Doppelte“, rechnet man in Großkarolinenfeld vor. „Allein bei uns kostet das wohl vier Bauern die Existenz“.
Annerose Krichbaumer ergänzt: „Vier Bauern in einer einzigen Gemeinde – für die Entscheidungsträger wird das bei einem Projekt, das ja angeblich von europäischer Tragweite ist, als keine große Zahl erscheinen. Aber abgesehen davon, dass dahinter die Schicksale von vier Familien stehen – das damit verbundene Höfesterben ist ein Schritt in die falsche Richtung“.
Für sie liegt eine Wurzel der Lkw-Dichte auf unseren Fernstraßen nicht zuletzt in der Globalisierung. Der Einkauf von Lebensmitteln aber auch Konsumwaren aus der Region wäre ein Gegenmittel, man müsste es nur konsequent umsetzen. Jakob Wallner ergänzt: „Eier zum Beispiel werden zum Teil immer noch durch halb Bayern transportiert, von den Erzeugern zu den Packstationen, von dort zu den Großhändlern, von da dann wieder in die Supermärkte in den Regionen, von denen sie ursprünglich kommen.“
Die Bürgerinitiativen sind sich einig: „Mammutbauwerke, die nur an den Folgen statt an den Ursachen des Verkehrs ansetzen, sind ein Schritt, der Zukunft nicht ermöglicht, sondern verbaut“.
Auch sonst ist der Brenner-Nordzulauf für die Initiativen ein Bauwerk, das hinsichtlich seiner Berechtigung auf tönernen Füßen steht: „Es wird immer das Ziel der CO2-Reduzierung angeführt – keiner macht aber die Rechnung auf, wie viel beim Bau, allein schon für die Herstellung der unfassbaren Betonmengen, benötigt wird“, sagt Jakob Wallner.
„Und das in einer Zeit“, ergänzt Christian Hofmann, auch er im Vorstand der Großkarolinenfelder Bürgerinitiative, „in der man immer mehr darauf kommt, dass bei der Bewertung der Energiebilanz von Bauwerken nicht nur der Energiehaushalt beim Betrieb von Bedeutung ist, sondern ganz wesentlich auch das, was zu ihrer Erstellung nötig ist“.
Schon von daher sei der Neubau einer Trasse eine Nullnummer, umso mehr, wenn man die Frage aller Fragen, die nach dem Bedarf, stelle. Der ist nach Ansicht der Bürgerinitiativen nach wie vor nicht belastbar nachgewiesen, wie Lothar Thaler, Sprecher der Schechener BI, betont.
Gemeinden lassen
Zahlen prüfen
Die jüngst vorgelegten Zahlen wollen die Gemeinden Prutting, Riedering, Rohrdorf und Stephanskirchen in einem gemeinsam in Auftrag gegebenen Gutachten überprüfen lassen. Ein Ausbau der Bestandsstrecke mit maximalem Lärmschutz für die Anwohner verbrauche dagegen fast keine Fläche, koste nur einen Bruchteil und verursache keine massiven Umwelt- und Klimaschäden.