Schechen – Sie haben alles versucht, der Bürgermeister und seine Verwaltung, um eine „normale“ Bürgerversammlung auszurichten. Und wurden auf der Zielgeraden abgefangen, das Virus war schneller. Und so bleibt es dabei: Stefan Adam und nahezu alle seiner im Mai 2020 neu ins Amt gekommenen Kollegen warten auf eine „Bürgerversammlung live“.
Dabei hätte Adam viel zu erzählen gehabt, denn in der finanziell gut aufgestellten Gemeinde mit 5338 Einwohnern, 59 mehr als 2020, hat sich im vergangenen Jahr einiges getan, für heuer ist vieles schon angeschoben und auch 2023 wirft seine Schatten voraus.
Einiges in Bewegung ist bei den Einrichtungen für die kleinsten Schechener. Im Kinderhaus Sonnenschein wurde zum 31.August die Kleinkindgruppe aufgelöst. Somit hat sich das Kinderhaus wieder verkleinert auf zwei Krippen- und drei Kindergartengruppen im Haus sowie eine Kindergartengruppe im Wald bei Heiming.
Begeisterung im
Naturkindergarten
Der neue Naturkindergarten empfing am 1.September die Zwergerl, von 40 Plätzen sind in diesem Kindergartenjahr 36 Plätze belegt. Aufgrund der zahlreichen Anmeldungen sind auf Dauer weitere Kita-Plätze notwendig. Dafür müssen erst die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Deshalb finden die zwei neuen Kita-Gruppen vorerst in einer Containeranlage am Tannenweg ihren Platz. „Die Kita wurde mit ganz viel Freifläche als Naturkindergarten angelegt. Es gibt dort einen Schlittenberg mit Rutsche, eine Nestschaukel, einen riesigen Sandplatz sowie einen Naschgarten, Hochbeete und eine Regenwasserzapfstelle“, erzählt der Bürgermeister. Kinder und Erzieherinnen seien begeistert.
Evi Kaesler war in den letzten knapp zwei Jahren in ihrem Tatendrang als Seniorenbeauftragte eingeschränkt. Aber auch während der Zeit, in der kein Treffen möglich war, hat Evi Kaesler den Kontakt zu den Senioren nicht abreißen lassen, hat beispielsweise die Gymnastikübungen kopiert und persönlich mit dem Fahrrad zu den Senioren gefahren. Im Gemeinschaftshaus finden mittlerweile im Rahmen des Erlaubten wieder unterschiedliche Aktionen wie der Spielenachmittag oder Gymnastik statt. Seit September gibt es einmal monatlich ein Seniorenkino „mit Filmen, die auch zum Diskutieren und Fragen anregen“, so Adam.
Schechen geht es auch deswegen finanziell gut, weil das Gewerbegebiet Schechen Nord an der B15 bestens gefüllt ist. Und nun wird es erweitert. Um 65000 Quadratmeter. Zum einen zieht die bisher in der Stadt Rosenheim, am Innzipfel, ansässige Straßenmeisterei des Landkreises nach Schechen und zum anderen baut dort – und nicht, wie ursprünglich geplant in Deutelhausen, genau auf der Trasse des Brenner-Nordzulaufs – die Brauerei Flötzinger. Der städtebauliche Vertrag zwischen den Vorhabenträgern und der Gemeinde Schechen wurde Ende Oktober unterzeichnet. Derzeit werden die Bauleitplanentwürfe vom Planungsbüro erarbeitet.
Schon im Frühjahr stellten die künftigen Betreiber den „Solarenergiepark Hochstätt“ im Gemeinderat vor. Nördlich des Ortsteils soll eine Fotovoltaik-Freiflächenanlage errichtet werden. „Leuchtturmprojekt für eine umweltfreundliche und landschaftsverträgliche Energiewende“, findet Stefan Adam. 2,8 Millionen Kilowattstunden Strom werden dort erzeugt, 800 Haushalte können mit dem Strom versorgt werden. Die Anlage wird so gestaltet, dass sie ein Rückzugsort für bedrohte Tier- und Pflanzenarten wird, eine Streuobstwiese soll viele Insektenarten anlocken – und so viele Bienen, dass sich ein Imker um die kleinen Honigproduzenten kümmern wird.
Schechen ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Gemeinderat und -verwaltung bemühen sich, den Schechenern immer wieder Einheimischengrund zur Verfügung zu stellen. So auch auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei in Mühlstätt. Die Bewerbungsfrist für die zweite Vergaberunde ist gerade abgelaufen. Nun wertet die Verwaltung aus, wer die Grundstücke der zwei Doppelhaushälften, des Dreispänners sowie eines Einfamilienhauses bekommt.
Dorferneuerung heißt es in Hochstätt und Pfaffenhofen. Nachdem die Innstraße im Laufe des letzten Jahres endgültig fertiggestellt wurde, werden als letzte Maßnahme im Rahmen der Dorferneuerung Hochstätt die Wendelsteinstraße und die Haidacher Straße erneuert. Mit den Arbeiten kann aber erst ab August 2022 begonnen werden, weil im Juli das Gaufest des Inngau-Trachtenverbandes in Hochstätt stattfindet. „Jede Baustellenabsperrung würde hier sehr leicht zum Verkehrschaos führen“, befürchtet Adam. Die Fertigstellung ist 2023 geplant.
Der Bauentwurf für die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt Pfaffenhofen wurde kürzlich zur abschließenden Beratung und Zustimmung dem Gemeinderat vorgelegt. Die Planung liegt jetzt zur abschließenden Prüfung bei der Förderstelle, dem „Amt für ländliche Entwicklung“. Währenddessen kann die Ausschreibung vorbereitet werden. Geplant ist die Vergabe der Bauleistungen möglichst schnell in diesem Jahr, damit die Bauarbeiten noch im Frühjahr 2022 beginnen können. „Die Bauarbeiten müssen nämlich spätestens im Juni 2023 komplett abgeschlossen sein, weil hier schon das nächste Gaufest in der Gemeinde naht“, so Stefan Adam.
Sportanlagen mitten im Ort? Gibt gerne mal Ärger mit den Anliegern, die sich von Schiedsrichterpfiffen oder Flutlicht gestört fühlen. Und der Grund wäre für Wohnbebauung sinnvoll zu nützen. Deswegen bemühte sich die Gemeinde in den vergangenen Jahren, Grundstücke auf der freien Wiese zwischen Schechen und Hochstätt aufzukaufen. Dort, wo auch der neue Wertstoffhof hinziehen soll.
Planungen für
Wertstoffhof
Die ersten Vorplanungen für den neuen Wertstoffhof begannen in Abstimmung mit dem Landkreis Rosenheim schon 2018. Der Landkreis finanziert die Errichtung und den Betrieb der Wertstoffhöfe. Die Gemeinden kümmern sich um das Grundstück und das notwendige Personal. Im Oktober beschloss der Gemeinderat die Aufstellung eines Bebauungsplanes, um die Voraussetzung für die Bebauung des Grundstückes zu schaffen. Sobald der Bebauungsplan rechtskräftig ist, können die konkreten Planungen für den neuen Wertstoffhof und die Sportstätten beauftragt werden. Vorstellbar ist laut Stefan Adam als grobe Zeitschiene: Planungen 2022, Bau 2023.