Viele Herausforderungen zu bewältigen

von Redaktion

Bürgermeisterin Susanne Grandauer möchte Grund für ein Einheimischen-Gebiet erwerben

Nußdorf – Der Jahresrückblick der Gemeinde Nußdorf wird vom Tod des Bürgermeisters Sepp Oberauer überschattet. Er war Mitte August an einer Krankheit gestorben. Seine Amtsgeschäfte übernahm seine Stellvertreterin Susanne Grandauer. Mitte Dezember wurde sie zu Oberauers Nachfolgerin gewählt. Susanne Grandauer ist damit die erste Frau in der Geschichte der Gemeinde, die das Bürgermeisteramt innehat und die Erste, die es als Hauptamt ausübt.

Erörterungstermine werden fortgesetzt

Laut Grandauer hat vor allem ein Themenbereich im vergangenen Jahr das Leben in der Gemeinde Nußdorf bestimmt: die Erhaltung und der Schutz der Natur. Darunter fällt auch die geplante Erweiterung des Steinbruchs am Heuberg durch das Südbayerische Portland Zementwerk. Das Zementwerk möchte über 758 Meter Meereshöhe Gestein abbauen. Die Gemeinde sowie Naturschutzverbände und das Aktionsbündnis „Rettet den Heuberg“ sind gegen diese Erweiterung. Die Bedenken sollten in Erörterungsterminen im Herbst mit Vertretern des Portland Zementwerks, dem Landratsamt Rosenheim und Experten besprochen werden. Die Termine mussten aber aufgrund der steigenden Corona-Inzidenzzahlen unterbrochen werden und sollen noch heuer weitergeführt werden.

Wie viele Gemeinden im Inntal, ist auch Nußdorf von den Planungen des Brenner-Nordzulaufs betroffen. Erst Ende November hat die Deutsche Bahn mit Probebohrungen im Inn begonnen, um die Bodenbeschaffenheit für einen geplanten Tunnel zu analysieren. Die Gemeinde Nußdorf ist Teil des Dialogforums „Innleiten-Kirnstein“ das sich vertieft mit dem violetten Trassenbau beschäftigt. „Sollte der Bedarf tatsächlich nachgewiesen werden können, so muss auf jeden Fall die für Nußdorf verträglichste Lösung gefunden werden,“ sagt Grandauer.

Mit welchen Bemühungen sich die Gemeinde Nußdorf für die Erhaltung und den Schutz der Natur einsetzt, zeigt sich an der Auszeichnung des Ortes mit dem Prädikat „bienenfreundliche Gemeinde“ durch den Bezirkstagspräsidenten. Das sei ein absoluter Höhepunkt gewesen, so Grandauer. Grund der Auszeichnung seien „nicht zuletzt auf die Blühwiesen zurückzuführen, die in Zusammenarbeit mit dem Obst- und Gartenbauverein geschaffen wurden.“

„Ich begrüße auch, dass der Verbund Innkraftwerke GmbH den Einbau einer Fischwanderhilfe umgesetzt hat, durch die Wasserlebewesen gefahrlos am Kraftwerk vorbeikommen“, erklärt die Bürgermeisterin. Ziel sei es, die Innauen weiter zu schützen und als Naturwald festzusetzen.

Zusätzlich wurde im vergangenen Jahr die Wasserversorgung überarbeitet und damit die Trinkwasserversorgung der Nußdorfer gewährleistet.

Grandauer bedauert, wie viele ihrer Kollegen, dass durch die Corona-Pandemie das Vereinsleben weitgehend zum Erliegen kam, auch Jubiläen bestenfalls ganz klein gefeiert werden konnten, so wie das 125-jährige Bestehen des Trachtenvereins Alpenrose. „Das ist sehr bedauerlich“, meint die Bürgermeisterin, „zumal sich die Nußdorfer bereits auf das organisationsintensive Gaufest vorbereitet und gefreut hatten.“ Das 150-jährige Bestehen der Nußdorfer Feuerwehr musste ganz abgesagt werden.

Im Februar fällt der Gemeinderat noch einmal eine wichtige personelle Entscheidung. Er wird einen zweiten Bürgermeister wählen. Außerdem wird die Verwaltung mit einem digitalen Aktenplan einen weiteren Schritt in Richtung Digitalisierung tätigen.

Baumaßnahmen, die unter anderem auf die Gemeinde zukommen, sind die Renovierung der Aussegnungshalle und die Neugestaltung der Friedhofsanlagen. Dort soll unter anderem das öffentliche WC behindertengerecht saniert werden. „Von großer Bedeutung ist unter anderem, das Projekt der Brückensanierungen fortzusetzen“, erklärt Grandauer. Die Sappl-Brücke soll erneuert und die Sanierung des Brückenstegs hinter dem Rathaus sowie der Seilenau-Brücke in Angriff genommen werden.

„Die Überarbeitung der Gestaltungssatzung wird 2022 vollendet, um unser Ortsbild zu erhalten und zu sichern“, führt Grandauer weiter aus. „Der Bebauungsplan Windshausen soll fertiggestellt, ein neuer Bebauungsplan für Überfilzen-Ost aufgestellt werden. Wir brauchen auch ein neues Parkplatzkonzept, damit insbesondere die Rettungswege gesichert sind.“

Barrierefreiheit ist wichtiges Thema

Zudem forciert Grandauer Grunderwerb zum förderfähigen, barrierefreien oder systemrelevanten Wohnen und zur Schaffung eines Einheimischen-Gebietes. Zudem sollen im Kindergarten barrierefreie Gruppenräume geschaffen werden.

Außerdem steht 2022 in der Gemeinde Nußdorf ein Großereignis an. Der Wallfahrtsort Kirchwald feiert sein 300-jähriges Bestehen. Geplant ist unter anderem eine Freiluftausstellung. „Ich freue mich schon darauf und auf alle anderen vielfältigen Herausforderungen“, sagt Grandauer.

Rück- und Ausblicke:

Was hat die Gemeinden im Landkreis Rosenheim im vergangenen Jahr beschäftigt? Was kommt im Jahr 2022 auf sie zu? Die OVB-Heimatzeitungen haben bei den regionalen Bürgermeistern angefragt, um den Lesern einen Rück- und Ausblick zu geben.

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