Eine Mittdreißigerin wird durchgecheckt

von Redaktion

Untersuchung der Kläranlage in der Bockau bringt kleine Macken ans Licht

Stephanskirchen – Die Kläranlage? Interessiert nicht, solange sie ihren Dienst tut. Sonst nehmen die Meisten sie bestenfalls im Vorbeifahren zur Kenntnis. Bei den dort Arbeitenden und den Verantwortlichen sieht es natürlich anders aus. Die beschäftigen sich immer wieder mit dem Zustand der Kläranlage, geben im Laufe der Zeit viel Geld aus, dass sie ihren Dienst tut.

Die Kläranlage in der Bockau, genau an der Gemeindegrenze Stephanskirchen/Rohrdorf, entsorgt nicht nur die Abwässer dieser beiden Gemeinden, an ihr hängen zwei Zweckverbände: Der Abwasserzweckverband (AZV) Prien- und Achental mit den Gemeinden Rohrdorf, Samerberg, Frasdorf und Aschau und der AZV Simssee mit den Gemeinden Stephanskirchen, Prutting, Söchtenau, Bad Endorf und Riedering. Macht gut 42000 Einwohner plus ungezählte kleine und große Firmen mit ihrer Produktion und den Mitarbeitern.

Überprüfen und
eventuell tauschen

Die Kläranlage in der Bockau entstand Mitte der 80er-Jahre. Viele ihrer Bestandteile sind noch aus der Zeit, müssen überprüft und gegebenenfalls getauscht werden. Das gilt, wie Jürgen Lohse, als Geschäftsführer des AZV Simssee zuständig für die Kläranlage, unter anderem für die Schlammleitungen im Maschinenhauskeller. Die müssen dieses Jahr auf ihre Wandstärke, speziell in den Bögen, untersucht werden. Danach werde man sehen, ob und was ausgetauscht werden muss. Schon klar ist, dass die beiden wichtigsten Exzenter-Schneckenpumpen, die das Klärgut in die Faultürme transportieren, aufgrund ihres Alters von gut 35 Jahren ausgetauscht werden müssen.

Jede Kläranlage hat eine Rechenanlage. Diese holt alle festen Bestandteile aus dem Klärgut, ob Windeln, Feuchttücher, Tampons oder was die Menschen sonst noch alles die Toilette hinunterspülen. In der Bockau gib es gleich zwei davon. „Das Modell ist sehr stabil, Ausfälle gibt es keine“, so Lohse. Deswegen wird auch nicht die gesamte Anlage ausgetauscht, sondern nur die Lamellen der Rechen. Da geschieht im Wechsel – eine Rechenanlage arbeitet, die andere bekommt ihre Ersatzteile.

Der auch für Laien am besten zu erkennende Teil einer Kläranlage ist das Belebungsbecken. Hier tobt der Kampf nützliche Bakterien gegen Schmutz und Fäkalien. Belüfterkerzen sorgen für den nötigen Sauerstoffgehalt im Becken, Rührwerke halten das Wasser in Bewegung, damit sich nichts absetzen kann.

Die Rührwerke arbeiten im Dauerbetrieb, denn auch das Dreckwasser landet 24 Stunden am Tag, 365 (2024 sind es 366) Tage im Jahr im Bewegungsbecken. Beim letzten Austausch von Belüfterkerzen im Bewegungsbecken 2 habe sich herausgestellt, so Lohse, dass zwei der drei Rührwerke nach rund 13 Jahren stark verschlissen sind, ausgetauscht werden müssen. Im Becken 1 könnte es ähnlich aussehen, vermutet Lohse. Das werde sich zeigen, wenn dort die Belüfterkerzen ertüchtigt werden. Denn dann ist das Becken leer und die Rührwerke können in Augenschein genommen werden. Das soll bald geschehen, geht laut Lohse aber nur, wenn es nicht regnet oder schneit.

13 Rührwerke sind in den Belebungsbecken in der Bockau installiert, zu erreichen und herauszunehmen sind sie nur über Schwenkkrangalgen. Davon gibt es bisher nur einen. Dessen Umsetzung ist aus Gewichtsgründen sehr aufwendig, so Lohse. Deswegen schlug er den beiden AZVs vor, noch vier weitere Schwenkkrangalgen zu kaufen und zu installieren. Das rechne sich, fanden auch die Verbandsräte und stimmten bei ihrer jüngsten Sitzung zu. Bei der Reinigung des Abwassers bleibt immer ein gewisser Teil der bearbeiteten Masse als Klärschlamm zurück. Der wurde früher gern mal als Dünger auf Äckern ausgebracht, muss heute professionell beseitigt werden. Für die beiden AZVs macht das seit Jahren das Südbayerische Portland Zementwerk in Rohrdorf, „das läuft absolut reibungslos“, so Lohse. Und das, nach dem Ergebnis der jüngsten Ausschreibung, auch noch bis mindestens einschließlich 2023.

Klärschlamm landet
beim Zementwerk

Unter den vielen Ausgaben für Überprüfungen, Reparaturen und Austauschen für knapp 90000 Euro ist der kleinste Posten einer der ganz wichtigen: Die Notfallakkus für die speicherprogrammierbare Steuerung der Kläranlage sind in die Jahre gekommen, müssen ausgetauscht werden.

Denn eine Kläranlage funktioniert ohne Strom nicht. Und eine nicht funktionierende Kläranlage kann durch Stauraum in den Kanälen und andere Maßnahmen für einige Minuten, wenn es ganz gut geht eine halbe Stunde, so schätzt Lohse, überbrückt werden. Dann wird‘s eklig.

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