Hofnamen und deren Erklärung

von Redaktion

79 Schilder erzählen die Geschichte von wichtigen Gebäuden in Eggstätt

Eggstätt – Eggstätt ist ein Ort der Tradition – nicht zuletzt aufgrund seiner Gebäude und alten Höfe, die allesamt die Geschichte der Gemeinde geprägt haben. Um diese Geschichte für den Einheimischen und Touristen sichtbar zu machen, hat sich jahrelang Peter Fenzl, Ortsarchivar und ehemaliges Gemeinderatsmitglied, eingesetzt. In monatelanger Recherche hat Fenzl sich ehrenamtlich durch die Ortschronik gelesen. Fenzl vollendet mit den Ortsschildern ein Werk, das bereits vor ein paar Jahren als Idee im Gemeinderat vorgetragen wurde und von seinem Vorvorgänger im Amt begonnen wurde.

Historische
Informationen

Die Arbeit des Ortsarchivars kann sich sehen lassen. Auf ovalen Schildern mit dunkelblauem Hintergrund sind nicht nur die Hofnamen verzeichnet, sondern mehr noch einige historische Informationen. Nicht zu viele, betonte Fenzl bei der Vorstellung einiger Schilder im Gemeinderat, denn „sonst erschlägt einen die Fülle an Informationen“. Bei Ortsterminen in Landkreisgemeinden habe er sich Inspirationen geholt und sich dann dafür entschieden, wie es in Eggstätt werden soll.

Neben dem alten Hofnamen ist in der Regel die erste urkundliche Erwähnung und unter welcher Grundherrschaft der Hof stand festgehalten. Die Schilder sollen an die vielen bäuerlichen Betriebe und an die das Ortsbild prägenden Gebäude erinnern.

Auf vielen Tafeln beginnt die Beschreibung mit einer Bruchzahl von halben bis zu 1/32-Höfen, berichtete Fenzl im Gemeinderat. Diese Brüche beziehen sich auf den alten Bayerischen Hoffuß, der etwa um 1700 eingeführt wurde. Dieser ersetzte die früheren Bezeichnungen wie Mayer, Huber, Lechner oder Söldner. Mit solchen Bruchzahlen wurden im Prinzip die Abgaben, die ein Hof zu tragen hatte, festgelegt. Nebenbei war der Hoffuß noch als Landsteuer-Maß für den Landesherrn wichtig.

Nach der Säkularisation im Jahr 1803 übernahm der Staat die Einnahmen, die vorher die Klöster erhalten hatten. Untertanen eines adeligen Grundherrn blieben noch bis 1848 von diesem abhängig. Die Bauern konnten das Obereigentum vom Staat ablösen. Für einen ganzen Hof wurde die Ablöse auf 600 Gulden festgelegt. Diese „Bauernbefreiung“ führte dazu, dass etwa zwischen 1850 und 1900 fast alle Höfe in der Gemeinde Eggstätt ihre Besitzer wechselten. Sie wurden verkauft, vertauscht und zertrümmert. Teilweise entstanden daraus auch neue landwirtschaftliche Betriebe. Er habe viel über die Ortsgeschichte gelernt, betonte Fenzl, der sich nach der langen Recherche an die Arbeit machte, die Informationen zusammenzutragen und zu vereinheitlichen. In persönlichen Gesprächen überzeugte und informierte er die jetzigen Hof- und Hausbesitzer von seiner Idee und gewann zahlreiche Interessenten.

Nun sind 79 Schilder fertig gedruckt. Im Rahmen einer offiziellen Verleihung in der jüngsten Gemeinderatssitzung bekamen sieben Gemeinderatsmitglieder, darunter auch Bürgermeister Christian Glas (FBE), Schilder für ihre Anwesen beziehungsweise das Rathaus verliehen. Florian Erb, neuer Fraktionssprecher der FBE, beispielsweise bewohnt den Bucherhof, der 1237 erstmals urkundlich erwähnt wird. Helmut Hundhammers (CSU) Vorfahren betrieben die Chiemgau Lichtspiele bis 1982, in denen über 250 Zuschauer Platz fanden. Und das Rathaus war ehemals das Schulhaus, ab 1965 residierten dort die freiwillige Feuerwehr und der Trachtenverein, ehe es 1980 zum Rathaus umfunktioniert wurde.

Förderung
durch Leader

Die Druckkosten beliefen sich auf 1780 Euro, wovon 1000 Euro aus dem EU-Leader-Topf übernommen werden, erklärt Fenzl den Gemeinderäten. Denn in der aktuellen Leader-Periode wird sogenanntes bürgerschaftliches Engagement gefördert.

Für zehn Euro Eigenbeteiligung ein eigenes Haus- oder Hofschild zu bekommen, das gibt es nicht alle Tage, so der Ortsarchivar. Nun müssen die Eigentümer nur noch die Schilder anbringen, dann steht einem Streifzug durch Eggstätts Geschichte nichts mehr im Weg.

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