… wie grün sind deine – Triebe?

von Redaktion

Nordmanntanne in Kiefersfelden blüht zwischen Christbaumkugeln

Kiefersfelden – Fast könnte man meinen, ein Aprilscherz im Januar; doch weit gefehlt: Ein herrlich grüner Christbaum, seit Wochen mit Liebe weihnachtlich geschmückt, steht im Wohnzimmer und treibt jetzt voller Energie aus. Geht nicht, gibt’s nicht: Im Hause der Familie Kurz spielt die Natur heuer verrückt.

Seit Mitte Dezember
im Wohnzimmer

„Geschlagen wurde die Nordmanntanne Ende November/Anfang Dezember im österreichischen St. Pölten und gekauft haben wir den Baum dann Mitte Dezember“, erinnert sich Hubert Kurz. Wie üblich fand er seinen Platz im um diese Jahreszeit stets gut beheizten Wohnzimmer am Terrassenausgang und ein großer, ständig mit warmem Wasser gefüllter Christbaumständer gab ihm den nötigen Halt.

„Nach ein paar Tagen haben wir uns schon ein wenig gewundert, dass der Baum überhaupt nicht nadelt, dachten aber nur ‚Glück gehabt‘.“ Das „Glück“ hielt an und Mitte Januar zeigte sich an den Astspitzen des über zwei Meter hohen Baumes ein erstes zartes Grün. „Nicht nur wir, sondern auch unsere Kinder und Enkelkinder, die zu Besuch kamen, bewunderten den geschmückten, blühenden Christbaum.“

Der Mann vom Fach – Hubert Kurz ist seit Jahren Vorsitzender des örtlichen Vereins „Heim und Garten“ – kam die nächsten Tage gar nicht mehr heraus aus dem Staunen. „Das ist mir in den langen Jahren noch nie passiert, dass ein im Winter geschnittener Baum jetzt im Januar, mitten in einem warmen Zimmer stehend, austreibt. Alle bisherigen Christbäume haben nach geraumer Zeit angefangen zu nadeln und dann war die Pracht auch schnell vorbei und unser Baum kam raus.“

Heuer ist dem aber nicht so, „denn der Baum bleibt mindestens bis Maria Lichtmess (2. Februar) noch bei uns im Wohnzimmer stehen, geschmückt und abends natürlich auch beleuchtet. Und dann kommt er ins Freie, wo er auch als Unterschlupf für die Vögel gedacht ist“, so der Plan.

Doch Ehefrau Theresa will sich „gar nicht so schnell von der schönen Tanne trennen, denn die vermittelt hier drinnen eine ganz besondere Atmosphäre, die ich gerne noch länger genießen möchte“.

Auf jeden Fall soll der Baum im Frühjahr in den Garten umgesetzt werden „um ihn zum nächsten Weihnachten im Freien zu schmücken“, hofft Hubert Kurz. „Auch wenn es nicht klappt, dieses Erlebnis war wohl einmalig und außergewöhnlich schön für uns und unsere gesamte Familie.“

Leider sind die Überlebensaussichten für die Nordmanntanne objektiv betrachtet nicht ganz so gut, denn scheinbar befand sich der Baum, als er geschlagen worden ist, schon wieder im beginnenden Austrieb, der durch Schlagen und Transport nur kurz unterbrochen und dann im warmen Wasserbad und warmen Wohnzimmer fortgesetzt wurde, also ein sogenannter „Notaustrieb“.

Gleichgewicht
ist gestört

Bäume aktivieren unter Stress (zum Beispiel das Schlagen) ihre letzten Reserven. Sie treiben aus, um das Überleben der Art zu sichern. Danach sterben sie in der Regel aber ab, denn das notwendige Versorgungsgleichgewicht zwischen Wurzeln und Krone ist gestört, es kommt zu einer Mangelversorgung und zu einer Panikreaktion: Der Baum produziert an den Schnittstellen viele Notaustriebe mit sehr vielen, richtig gesund aussehenden, hellgrünen Nadeln.

Sollte es diese außergewöhnliche Nordmanntanne allen Unkenrufen zum Trotz dennoch schaffen, gibt es eine Fortsetzung der Geschichte.

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