Oberaudorf – Er hat seinen eigenen Platz im Klassenzimmer, läutet die Glocke, wenn es zu laut ist und bringt schüchterne Kinder in die Klassengemeinschaft ein. Seit September ist der Schulhund Balu an der Privaten Schule Oberaudorf-Inntal Teil eines besonderen Projekts von Christina Mandl. Die Heilerziehungspflegerin hat den zwei Jahre alten Berner Sennenhund in ihre Arbeit integriert, um den Schülern mit seiner Hilfe grundlegende Werte zu vermitteln.
Projekt seit
Jahren geplant
„Ich bin ein großer Tierfreund und wollte eigentlich schon immer einen Hund haben“, berichtet Mandl von den Anfängen ihrer Idee. Da sie den Vierbeiner allerdings nicht alleine zu Hause lassen wollte, kam ihr der Gedanke, ob sie ihn in ihre Arbeit mit den Kindern einbinden kann. Vor rund drei Jahren erstellte die Niederndorferin daher ein Konzept mit einem ausgebildeten Schulhund und stellte es bei der Schulleiterin Maria Kravanja vor. Nachdem ihr Vorschlag direkt positiv aufgenommen wurde, suchte sich die 26-Jährige einen passenden Welpen und fand Balu.
„Natürlich konnte ich ihn nicht einfach sofort in die Schule mitnehmen.“ Zusammen mit dem Hundetrainer Patrick Schallmoser aus Fischbachau begann für Balu daher die zweijährige Ausbildung zum Schulbegleiter. Die oberste Priorität sei dabei laut dem Hundetrainer, eine gute Impulskontrolle und hohe Stresstoleranz aufzubauen. „Der Hund muss immer die Ruhe bewahren und darf niemals das Gefühl haben, eingeengt oder überfordert zu sein“, meint Schallmoser.
Um diese Stressgrenze zu verschieben, gibt es spezielle Übungen. Das beginnt mit dem einfachen Gassigehen auf einer Straße mit vielen Menschen bis hin zur Eingewöhnung an das neue Umfeld. Bevor der Hund also mit einem Raum voller Kinder konfrontiert wurde, ging es für ihn erst einmal ohne Kontakt zu fremden Menschen durch das Schulgebäude. Mit den ersten Annäherungen zu einzelnen Schülern und Lehrern lernte Balu schon vor seinem ersten Schultag seine neue Umgebung kennen.
Aber auch die Kinder konnten sich zunächst an den ungewöhnlichen Gast im Klassenraum gewöhnen. „Die Reaktionen waren je nach den bisherigen Erfahrungen im Umgang mit Tieren völlig unterschiedlich“, erzählt Mandl. Das Kennenlernen war dementsprechend auf beiden Seiten sehr behutsam. Wenn eines der 15 Kinder den Hund zum Beispiel nicht streicheln oder zu nahe kommen wollte, dann musste das auch nicht sein. „Der Hund kann zudem spüren, wenn ein Kind schüchtern ist und nähert sich dann ganz langsam an“, berichtet Mandl.
Für sie war es allerdings faszinierend, wie schnell sich Balu positiv auf das Verhalten der Kinder auswirkte. Schon nach wenigen Wochen hätten die Schüler gelernt, wie sie mit ihrem neuen Klassenkameraden umgehen müssen. Ist Balu beispielsweise in seiner abgetrennten „Ruhe-Ecke“, wird er von niemandem gestört. Die Toleranz des jungen Schultieres sei jedoch meist so hoch, dass er sich ohnehin lieber inmitten der Kinder aufhält. Im Unterricht oder bei Spaziergängen mit einzelnen Kindern vermittelt der Hund vor allem Ruhe und Zuneigung. „Es fällt selbst zurückhaltenden Kindern leichter, sich zu öffnen, wenn Balu in der Nähe ist.“ Zudem schaffe er es, einzelne Schüler, die sonst kaum miteinander reden, beim Spielen mit ihm zusammenzubringen.
Und sogar für Mandl selbst hat er einen hilfreichen Nebeneffekt. „Wenn es Balu zu laut wird, kann er eine Klingel läuten und es wird sofort ruhig im Raum.“ Da Mandl ihm dafür aber auch ein Zeichen geben kann, kann sie ihn bewusst dazu einsetzen, um für Ruhe zu sorgen.
Lehrerin sieht
noch viel Potenzial
Aus seiner Klasse ist Balu daher schon nach den ersten Monaten nicht mehr wegzudenken, was die Niederndorferin natürlich sehr freut. Aktuell ist ihr Hund an drei Tagen im Einsatz. Christina Mandl kann sich jedoch gut vorstellen, ihren Ansatz in Zukunft noch auszuweiten. „Vielleicht kann er noch zum Wasserrettungshund ausgebildet werden und uns bei Ausflügen am See begleiten“, meint sie. Im Moment freut sich die Heilerziehungspflegerin jedoch erst einmal, dass ihr mit Herzblut und Leidenschaft erdachtes Projekt so gut funktioniert.