Der Kampf um Tunnel oder Stelzen

von Redaktion

Brenner-Nordzulauf Schechens Bürgermeister berichtet von Gespräch mit Bahn

Schechen – Nein, sie wollen sich ihre Gemeinde einfach nicht entzweischneiden lassen, die Schechener. Den bis zu 80 Meter breiten und bis zu 15 Meter hohen Wall des Brenner-Nordzulaufs lehnen sie eindeutig ab. Sie wollen einen Tunnel oder eine Brücke.

Das machten Bürgermeister Stefan Adam (CSU) und die Verwaltung bei einer Gesprächsrunde auch einer Abordnung der Bahn mitsamt Planer klar. „Der Detailplaner ist neu. Da ist die Frage, ob das ein Vor- oder ein Nachteil ist“, so Adam in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Fixpunkte sind
sehr eindeutig

Die Fixpunkte im Schechener Gemeindegebiet seien so klar, dass die Trasse aus Sicht der Bahn optimal daran vorbei geplant ist, so der Bürgermeister. Das beginne schon unter Stephanskirchen wegen des Tunnelportals in Innleiten und setze sich jenseits des Schechener Gemeindegebietes fort. Adam zitierte einen Bürgermeisterkollegen: „Schuld hama selber, mir ham‘s ned zubaut.“

Was Adam zähneknirschenden Respekt abnötigte: Die Bahn plant nicht nur die Trasse, sondern bei Bedarf auch neue Straßen oder Wege. Seien es Erschließungswege für die Landwirtschaft oder Radwege von Pfaffenhofen nach Rosenheim. Aber, so die Befürchtung des Bürgermeisters, es könne einige Häuser oder Höfe im Außenbereich doch treffen, könnte der Wall für die Trasse extrem nah oder gar aufs Grundstück rücken. Martin Rinser (Parteifreie) wollte wissen, ob die Tunnellösung vom Tisch sei. Ist sie laut Adam nicht. Sie sei der Bahn wegen der größten Akzeptanz in der Bevölkerung eigentlich die liebste Lösung, aber wegen der Steigung hinauf nach Ostermünchen auch die technisch schwierigste.

Außerdem sei fraglich, ob der Untergrund einen Tunnelbau überhaupt hergebe. Hinzu komme noch, dass die Bahn wirtschaftlich arbeiten müsse und ein kilometerlanger Tunnel nun einmal deutlich teurer sei, als ein Wall. Die Tunnellösung könne nicht einfach so vom Tisch gewischt werden, konstatierte Bürgermeister Stefan Adam abschließend. Die müsse gründlich untersucht und sehr gut begründet werden – ein möglicher Bau genauso wie eine mögliche Ablehnung.

Die Stelzenlösung weiterverfolgen

Verwaltungsleiter Karlheinz Salzborn fügte an, dass man in dem Gespräch auch darauf gedrungen habe, dass die Bahn auch die Stelzenlösung weiter verfolge. Eine Brücke sei für die Gemeinde und die Landschaft „verträglicher als ein riesiger Wall.“

Ansonsten kamen Detailfragen auf. Volker Schmidt (SPD) goss kräftig Wasser in den Wein: Der Gemeinderat habe ja in Sachen Neubautrasse wohl die Frage nach dem „ob“ schon aufgegeben und beschäftige sich nur noch mit dem „wie“. „Eines ist doch klar: Das größte Problem der Bahn ist die Kosten/Nutzen-Rechnung. Die könnte das Projekt noch stoppen. Also baut die Bahn so billig, wie es nur geht. Da sind Tunnel oder Stelzen pure Träumerei.“

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