Stephanskirchen/Prien – Der Abwasserzweckverband der Simsseegemeinden (AZV) engagiert sich seit Jahren im Rahmen des Simsseeschutzprojektes in Kooperation mit Landwirten für die Verbesserung der Wasserqualität des Sees, nun sollen auch die Gemeinden Frasdorf, Prien und Rimsting miteinbezogen werden.
Als Einstieg in eine mögliche Zusammenarbeit hatten die Bürgermeister der drei Gemeinden Landwirte zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Denn obwohl Rimsting und Prien Chiemsee-Anrainer sind, befinden sich aufgrund ihrer Lage an der Thalkirchener Ache gut 1000 Hektar Äcker und Wiesen im Einzugsgebiet des Simssees. Über diese Hintergründe haben zunächst Bürgermeister Andreas Friedrich aus Prien und Bad Endorfs Bürgermeister Alois Loferer die 50 Landwirte informiert.
Loferer, stellvertretender Vorsitzender des AZV, erläuterte die Entscheidung des AZV, im freiwilligen Simsseeschutzprojekt seit vielen Jahren in Kooperation mit den Landwirten an der weiteren Verbesserung der Qualität des Sees zu arbeiten. Das gute Miteinander mit den Landwirten ist dem AZV dabei laut Loferer sehr wichtig.
Wasserqualität hängt an Phosphor-Eintrag
Nach Vorgabe der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) müssen alle Gewässer bis zum Jahr 2027 einen guten ökologischen Zustand erreichen. Laut Dr.Hadumar Roch vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim (WWA) wird die ökologische Qualität des Simssees regelmäßig anhand verschiedener Parameter überprüft. Entscheidend für die Qualität ist dabei der Eintrag des Nährstoffs Phosphor.
Die bisherigen Maßnahmen zum Wasserschutz für den Simssee wie der Bau der AZV-Kläranlage ab den 80er- Jahren hätten die in den See gelangende Phosphormenge deutlich reduziert. Der nach WRRL geforderte gute ökologische Zustand ist noch nicht erreicht, bisher wird die Wasserqualität des Simssees mit „mäßig“bewertet. Aufgrund seiner geringen Tiefe von maximal 20 Metern kann der Simssee laut Roch zuviel Phosphor weniger abpuffern als tiefere Seen. Die Erosion von Ackerflächen sowie der Oberflächenabfluss von Grünland sind laut Roch Haupteintragspfade für Phosphor in den See.
Felix Forster vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Rosenheim sieht ein großes Problem bezüglich der Erosion im Einzugsgebiet in der starken Zunahme des Auswaschens bei Niederschlägen in den vergangenen 50 Jahren. Deshalb werde es zunehmend wichtig, mögliche Alternativen zum Pflügen der Äcker auszuprobieren. 2022 werde deshalb auch ein Projekt zur Mulchsaat von Mais im Simssee-Einzugsgebiet durchgeführt, um auszutesten, welches Verfahren sich hier am besten eignet.
In den AZV-Gemeinden im Einzugsgebiet des Simssees wurden im Rahmen des Simsseeschutzprojektes bereits etliche Maßnahmen auf den rund 3000 Hektar Äcker und Wiesen mit den Landwirten durchgeführt. Die große Vielfalt der verschiedenen Aktivitäten und Erfolge daraus beschrieb Edeltraud Wissinger von der Firma Ecozept, die für das Simsseeschutzprojekt beratend tätig ist. Dazu gehören der Zwischenfruchtanbau nach Getreide und damit vor Sommerkulturen wie Mais oder Soja, Zwischenfrüchte nach und Untersaaten im Mais, das Thema Grünlandnach- oder sogar -neuansaat, eine angepasste Ausbringung der organischen Dünger (Mist, Gülle, Gärreste), aber auch die Milchviehfütterung. Die Handlungsmöglichkeiten für die Landwirte seien vielfältig, sodass es für jeden Betrieb Ansatzpunkte gebe, auf freiwilliger Basis etwas für den Simssee zu tun. Vor allem kämen die Wirkungen wie Verringerung der Erosion oder der Gülleabschwemmung auch den Landwirten selbst zugute.
Alte Hasen ermuntern neue Kollegen
Nach Verständnisnachfragen von den anwesenden Landwirten berichteten bereits lange im Projekt aktive Landwirte aus den AZV-Gemeinden von ihren positiven Erfahrungen und Entwicklungen zu seenverträglicher Bewirtschaftung und ermunterten die „neuen“ Landwirte, im Projekt mitzumachen.
Bürgermeister Friedrich rief dazu auf, im Sinne einer interkommunalen Zusammenarbeit gemeinsam an der Verbesserung des Simssees zu arbeiten.