Oberaudorf – Ist in der Gemeinde ein Tierhasser unterwegs? Eine Hundebesitzerin schlug im Internet Alarm: „Passt auf eure Hunde auf!“ Am Wiesenweg in Mühlbach (östlich der Rosenheimer Straße) hatte sie vor einigen Tagen im Gebüsch Hähnchenknochen, Wurst, Brot und Hundekauknochen mit rotem Pulver gefunden. Die Hundebesitzerin vermutete Gift. „Ich habe alles weg, was ich sehen konnte, kann aber nicht ausschließen, dass noch irgendwo etwas liegt.“ Der Vierbeiner landete schnell bei Tierärztin Dr. Clara von Vopelius-Feldt. Er zeigte keine Symptome. „Wir haben ihn vorsichtshalber brechen lassen. Damit war‘s für uns erledigt.“
Keine Häufung von
Fällen in der Praxis
Eine Häufung von Fällen habe es in ihrer Praxis in den letzten Wochen nicht gegeben, so die Tierärztin. Eine vergiftete Katze vor gut einem Monat, ein Hund, bei dem nicht sicher sei, ob er Gift aufgenommen habe und nun wieder ein Fall, wo sie nicht sicher sei, dass das Tier Gift gefressen habe. Theoretisch könnte das rote Pulver ja auch ein Gewürz gewesen sein. Tierhalter fänden immer wieder etwas, ob es tatsächlich Giftköder seien, müsste untersucht werden, sonst gebe es großen Wirbel ohne Grund. Denn es sei nicht auszuschließen, dass jemand Tierhalter verunsichern wolle.
Die Polizei in Kiefersfelden wusste nichts von den neuesten vermeintlichen Giftködern. Vor zwei Wochen habe es einen Fall gegeben, bei dem die Tierärztin gemeint habe, der Hund könnte vergiftet worden sein. „Aber mit ‚könnte vergiftet worden sein‘ können wir nicht viel anfangen.“
Wenn sich ein Tierhalter meldet und gar einen möglichen Giftköder mitbringt, übergeben die Polizeiinspektionen die Ermittlungen an die Diensthundeführerstaffel in Rosenheim. Deren Arbeitsgruppenleiter ist von dem jüngsten Vorfall auch nichts bekannt. Aber wenn vermeintliche Giftköder vorhanden seien, „dann schauen wir uns die sehr gründlich und sorgfältig an.“ Und wenn der Hundeführer Gift befürchte, dann werde der Köder eingeschickt. Das geschehe aber keine zehn Mal im Jahr.
Teile der Giftköder gehen ans Veterinäramt Rosenheim. Aber nicht zur Untersuchung, so Pressesprecher Michael Fischer. Im Veterinäramt lande die Probe im Tiefkühler, um bei entsprechendem Ermittlungsstand zum Beispiel an das Institut für Pharmakologie und Toxikologie in München weitergegeben werden zu können.
Professor Dr. Hermann Ammer vom tierärztlichen Institut für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie der Uni München erklärt, dass es für Untersuchungen an Giftködern in der Tiermedizin keine Schnelltests gebe, da müsse ausgiebig in alle Richtungen untersucht werden. Routine sei das nicht. Finde die Untersuchung in seinem Institut statt, koste sie etwa 200 Euro. Allerdings sei da auch nur das Material zu zahlen. Bei freien Laboren werde es sicherlich wesentlich teurer. Und wenn womöglich das LKA noch mit ins Spiel käme, weil eine Gefährdung von Menschen nicht auszuschließen sei, lande man ganz schnell im deutlich vierstelligen Bereich.
Bürgermeister
appelliert an Täter
Bürgermeister Dr.Matthias Bernhard wandte sich via Facebook direkt an den oder die Verursacher der Aufregung: „Stellen Sie sich vor, dass Kinder, die seit geraumer Zeit durch Lockdowns, Homeschooling und mehr sehr strapaziert sind, auch noch ihr Haustier verlieren. Dass Menschen, deren Haustier in diesen Zeiten ein zentraler sozialer Anker war, diesen durch ihre Taten verlieren könnten. Ihr offensichtliches Problem mit Tieren kann doch nicht dazu führen, dass andere Menschen einen wichtigen Teil ihres Lebens verlieren.“
Das Auslegen von Ködern sei kein Kavaliersdelikt, so Bernhardt, es sei absolut verwerflich. „Wenn Sie schon das Leid der Tiere nicht zu interessieren scheint, so denken Sie doch wenigstens an die Menschen, denen Sie unter Umständen großes Leid zufügen, und unterlassen Sie das Auslegen der Köder.“