Frasdorf – „Das Bundesverdienstkreuz am Band ist der höchste Deutsche Orden und wird nicht häufig verliehen. Unsere Altbürgermeisterin Marianne Steindlmüller ist die erste Frau aus Frasdorf, die vom Bundespräsidenten für ihre ungezählten ehrenamtlichen Tätigkeiten mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde“, würdigte Bürgermeister Daniel Mair bei einer Feierstunde in der Lamstoahalle die Auszeichnung seiner Vorgängerin. „Die frühere bayerische Ministerin für Wohnen, Bau und Verkehr Kerstin Schreyer bedankte sich bei der Verleihung des Ordens im Staatsministerium bei ihr für ihre 50-jährige Tätigkeit im Ehrenamt zum Wohl der Gemeinde Frasdorf, der örtlichen Vereine und der gesamten Region“.
Eine lange
Liste von
Ämtern
Bürgermeister Mair lud den Gemeinderat, die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung und die Vorstandschaften der Ortsvereine zu einer Feierstunde zu Ehren der Ausgezeichneten in die Lamstoahalle. Ausführlich würdigte er das ehrenamtliche Engagement der neuen Ordensträgerin und spannte dabei den Bogen von der Arbeit in der Vorstandschaft des Trachtenvereins „Lamstoana“ und der „Thomasschützen“ bis hin zur Tätigkeit als stellvertretende Landrätin, Kreisrätin und Bürgermeisterin.
„Bei vielen ihrer Tätigkeiten war sie die erste Frau, die ihre neue Aufgabe in bis dahin reinen Männerdomänen übernahm. Ihr Bekanntheitsgrad durch die Arbeit im Trachtenverein, im Schützenverein und im Schützengau und ihre große Beliebtheit in Frasdorf brachte sie 1990 über die Frasdorfer Frauenliste als erste Frau in den Frasdorfer Gemeinderat. Bei den weiteren Wahlen zog sie auf der Liste der CSU in den Gemeinderat ein und wurde schließlich 2008 als erste Frau zur ersten Bürgermeisterin der Gemeinde Frasdorf mit ihren knapp 3000 Einwohnern gewählt. Zwei Wahlperioden war sie Bürgermeisterin, bis sie mir 2020 eine solide geführte, schuldenfreie Gemeinde übergab“, sagt Mair.
Neben dem Amt als erste Bürgermeisterin der Gemeinde Frasdorf brachte Steindlmüller sich mit ihrer großen kommunalpolitischen Erfahrung gewinnbringend in den Kreistag des Landkreises Rosenheim ein. Von 2002 bis 2008 war sie stellvertretende Rosenheimer Landrätin und repräsentierte den Landkreis bei verschiedenen Veranstaltungen mit hoher fachlicher Kompetenz.
Neben der Kommunalpolitik war sie besonders an der Rechtssprechung interessiert und durchlief eine „juristische Laufbahn“: Von 1992 bis 2000 war sie Schöffin am Jugendgericht Traunstein, von 1995 bis 2020 ehrenamtliche Richterin am Bayerischen Verwaltungsgericht München und von 2000 bis 2020 Ehrenamtliche Richterin am Bayerischen Landessozialgericht. „Das ist schon eine beispielhafte Karriere in der bayerischen Justiz“, würdigt der Bürgermeister seine Vorgängerin.
Dabei überzeugte Steindlmüller nicht nur durch ihr außerordentliches und tatkräftiges Engagement, sondern auch durch ihre hilfsbereite und herzliche Art und ihren hohen Gerechtigkeitssinn.
Beeindruckendes
Engagement über Jahrzehnte hinweg
„Es ist eine alte Tatsache: Wer irgendwo Verantwortung übernommen hat, dem wachsen von allen Seiten weitere Aufgaben zu“. Von 1990 bis 2019 war sie als Ortswaisenrätin und Betreuungshelferin der Gemeinde Frasdorf sowie als Mitglied des Stiftungsrats in der Umwelt-, Kultur- und Sozialstiftung des Landkreises Rosenheim ehrenamtlich tätig. Daneben war die Altbürgermeisterin auch noch – bis die Aufgabe an die Kreiswehrersatzämter übertragen wurde – Mitglied im Musterungsausschuss sowie von 1996 bis zur Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 Mitglied im Ausschuss für Kriegsdienstverweigerer. Seit 2017 ist sie außerdem Mitglied des Aufsichtsrates der Genossenschaft Bürgerenergie Chiemgau.
„Kurz zusammengefasst: Marianne Steindlmüller hat sich über Jahrzehnte hinweg auf beeindruckende Weise ehrenamtlich engagiert. Sie half stets denen, die sich nicht selber helfen konnten. Dabei stellte sie die eigene Freizeit zurück, um sich mit vollem Engagement für das Gemeinwohl und ihrer Mitbürger einzubringen“, schloss das Gemeindeoberhaupt. Mair sprach die Glückwünsche der Gemeinde aus und bedankte sich für das lebenslange ehrenamtliche Engagement mit einem großen Blumenstrauß bei der Altbürgermeisterin. Josef Steindlmüller, der Mann an ihrer Seite, mit dem sie seit über 50 Jahren verheiratet ist, erhielt einen Schnaps.