Kirchenbank fürs Wohnzimmer

von Redaktion

Förderverein Karolinenkirche bietet historisches Mobiliar zum Kauf an

Großkarolinenfeld – Seltsames ist derzeit in der Karolinenkirche zu sehen: Einige der Kirchenbänke sind mit farbigen Aufklebern versehen, auf manchen stehen Namen und „reserviert“. Einige Kirchenbesucher sind gar nicht so sehr an der stillen Einkehr interessiert, sondern nehmen vielmehr die Bänke unter die Lupe.

Wer in den vergangenen Monaten öfter in der Kirche war, wird sich außerdem wundern, dass die Bänke überhaupt wieder da sind – denn sie waren als Vorbereitung auf die geplante Renovierung vor dem Winter entfernt worden.

Zum Probesitzen
zurück ins Gotteshaus

„Wir haben sie jetzt zurückgeholt, zum Probesitzen“, erklärt Walter Vogl, der Zweite Vorsitzende des Fördervereins Karolinenkirche. Denn die Kirchenbänke stehen zum Verkauf. Seit 20. März kann man die rund 60 Jahre alten Holzbänke für 200 Euro pro Stück erwerben. Der Erlös kommt der Kirchenrenovierung zugute.

Pfarrer Dr. Richard Graupner will die Kirche aber nicht nur baulich sanieren, sondern auch fit für die Zukunft machen. Dazu gehört es für ihn, die Kirche zu öffnen und etwa auch Vorträge, Konzerte oder Ausstellungen stattfinden zu lassen. Der Kirchenraum soll neben großen Gottesdiensten auch für kleine Gebetskreise einsetzbar sein – „ohne dass sich die Kirchenbesucher verloren fühlen“, so der Pfarrer. „Daher hat der Kirchenvorstand beschlossen, die Kirche künftig ohne feste Bänke zu nutzen“, erklärt Vogl. Demnächst sollen stapelbare Stühle angeschafft werden, die je nach Anlass aufgestellt werden.

„Mit der Entscheidung, die Bänke zu entfernen, kam es natürlich zu der Überlegung, was wir mit ihnen anfangen – denn einfach entsorgen wollten wir sie auf keinen Fall“, so Dr.Graupner. Die Idee zum Verkauf entwickelte sich im Gespräch. „Wir haben nicht gedacht, dass das so einschlägt“, sagt Jörg Gottfriedsen, der Vorsitzende des Fördervereins. Inzwischen sind fast alle der drei Meter langen Bänke vergeben.

Bis morgen, Samstag, können Interessenten noch bei den verbliebenen Exemplaren zuschlagen. Dann werden sie ab 9 Uhr innerhalb des Ortsgebietes ausgeliefert. Einsatzmöglichkeiten für eine alte Kirchenbank ergeben sich viele. „Meine Tochter stellt sich eine in die Dachschräge ihres Wohnzimmers“, berichtet Vogl. Er weiß von einem Käufer, der sich die Bank gesichert hat, auf der sein Opa immer saß. Und eine der Bänke wird ihren Platz vor einer Kapelle in Stephanskirchen finden. „Das hat uns besonders gefreut“, so Gottfriedsen.

Stühle sollen
Raum weiten

Doch einige Kritiker der Aktion habe es auch gegeben, so der Pfarrer. Darunter: „Banknostalgiker“ und solche, die Angst haben, man würde die 1,6 Millionen für die Renovierung nicht zusammen bekommen und hätte die Bänke dann umsonst verkauft.

In Hinblick auf die Finanzierung der Renovierung ist der Bank-Verkauf nur ein kleiner Beitrag. Der Förderverein hat schon fleißig Spenden gesammelt und Fördermöglichkeiten ausgelotet. „Inzwischen haben wir rund 1,1 Millionen zusammen“, so Dr.Graupner.

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